TV-Legende

Trauer um "Lederstrumpf" Hellmut Lange

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Hanns-Georg Rodek

Foto: picture-alliance / / picture-alliance

Der Berliner Schauspieler Hellmut Lange schrieb Filmgeschichte. Ob als "Lederstrumpf"oder im Straßenfger "Das Halstuch". Jetzt starb er kurz vor seinem 88. Geburtstag.

Am 13. November 1936 hatte der 13-jährige Hellmut Lange seinen ersten Arbeitstag als Schauspieler im Berliner Funkhaus an der Masurenallee, im Schulfunk, eine Sendung über Schuberts Forellenquintett. Es folgten Notabitur, die Ernennung zum Kommandanten eines Minensuchbootes im englischen Kanal, Sprecher bei Radio Bremen, der erste „Stahlnetz“-Kommissar und ein Fernsehjahrzehnt aus Anwälten, Privatdetektiven und Pfarrern – bevor er für eine Generation zum Held ihrer Jugend wurde.

In dem ZDF-Vierteiler „Lederstrumpf“ spielte er 1969 den Trapper Nat Bumppo, ein von den Wettern des Wilden Westens gegerbtes, von Pocken, Narben und Schmissen durchzogenes Antlitz, wie es im deutschen Film kein zweites gab. Die Rolle brachte ihm Ruhm und Ehre – und machte ihn brotlos. Jahrzehnte später erzählte Lange, immer noch bitter: „Wenn Sie damals in einem Vierteiler durchgehend die Hauptrolle spielten, sagten danach alle Regisseure: ,Den wollen wir nicht mehr sehen`. In dem Jahr nach Lederstrumpf habe ich keine Filmangebote mehr bekommen. Das war eine der niederschlagendsten Erfahrungen meines Lebens.“

Wie so oft entstand aus dem Schlechten Gutes: Lange bekam eine Fernsehsendung namens „Kennen Sie Kino?“ angeboten, eine Dreiviertelstunde, einmal im Monat. Kandidaten mussten in fünf Runden mit je sieben Fragen Filmausschnitte erkennen, Titel, Regisseure oder Darsteller erraten. Zu gewinnen gibt es mehrere Tausend Mark. Außerdem kamen Schauspieler oder Regisseure zum Gespräch ins Studio, und es wurden Filme vorgestellt, die neu im Kino anliefen.

Das Konzept war klar auf den populären Film ausgerichtet, und zum zweiten Mal beeinflusste Lange eine Generation wesentlich, diesmal die Kinogänger der Siebzigerjahre. Elf Jahre lang wurde Lange der Kinoonkel der Nation. In Internet-Foren sehnen sich die Kinogänger von damals immer wieder nach einer DVD mit den „Kennen Sie Kino“-Folgen, aber dieser Teil der Fernsehgeschichte ist leider unwiederbringlich verloren: Die ARD hat sämtliche Folgen gelöscht, vermutlich auch weil sie die Rechte an den darin verwendeten Filmausschnitten nicht mehr besitzt.

Lange selbst hatte nie eine bemerkenswerte Rolle im Kino – zumindest keine sichtbare. Aber er synchronisierte viel, Richard Harris („Ein Mann in der Wildnis“), Charlton Heston („Die Schlacht um Midway“), Paul Newman („Mr. & Mrs. Bridge“), Roy Scheider („Das fliegende Auge“) und Donald Sutherland („Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis“).

So blieb der Schauspieler mit dem markanten Kinoprofil auf den kleinen Bildschirm beschränkt, wo seine Karriere immerhin 40 Jahre umspannte. Seine erste größere Rolle in hatte er in „Waldhausstraße 20“, dem ersten abendfüllenden Film des deutschen Fernsehens. Hier spielte er einen schwedischen Pfarrer, der in seiner Kirche Juden versteckt. Seinen letzten großen Fernsehauftritt hatte er 1995 in der Sat.1-Produktion „Fähre in den Tod“. Dort spielte er den Vorsitzenden eines Seegerichts, der über die Besatzung einer untergegangenen Fähre urteilen muss.

Schicksalsschläge blieben Lange nicht erspart. 1965 ertrank sein dreijähriger Sohn Jonas in der Würm in Bayern beim Angeln. „Das Schlimmste war, dass ich nicht dabei war“, sagte Lange später. Zu der Zeit drehte er in Amerika. Zuletzt lebte Lange, der vor zwei Jahren an Demenz erkrankte, zurückgezogen in Berlin. Dort ist er nun sechs Tage vor seinem 88. Geburtstag gestorben.