Drehbuch-Autor Feirstein

Den neuen Bond gibt es vorerst nur als Videospiel

Drehbuchautor Bruce Feirstein war Autor dreier Bond-Filme. Nun schrieb er ein Drehbuch für ein Bond-Videospiel, Morgenpost Online erklärt er, warum.

Foto: Activision

Die Filmfirma MGM steht vor der Pleite – wann der neue James Bond gedreht wird und ob überhaupt, weiß zurzeit niemand. Trotzdem erscheint am Donnerstag ein aufwändiger Bond, mit Daniel Craig in der Hauptrolle und der Sängerin Joss Stone als Agentin an seiner Seite – im Videospiel „James Bond Bloodstone“. Zum ersten Mal macht sich damit ein Spiel selbstständig von der Filmvorlage. Es hat eine eigene Story, Daniel Craig hat sein Gesicht und seine Stimme dafür gegeben, Aston Martin die Autos. Das Spiel führt auf der Jagd nach dem geheimnisvollen Terroristenfürsten Pomerov nach Athen, Sibirien und Bangkok, Orte auf vier Kontinenten wurden digitalisiert. Das Drehbuch schrieb Bruce Feirstein, der auch der Autor dreier Bond-Filme war, darunter „Golden Eye“. Mit Morgenpost Online sprach er über seinen Wechsel in die Games-Welt.

Morgenpost Online: In London sitzen zwei Drehbuchautoren seit Monaten am nächsten Bond-Film, gedreht wird er vielleicht nie. Haben Sie schon mal dort angerufen und geprahlt? Ihr Bond-Spiel ist fertig, es erscheint am 4. November 2010.

Bruce Feirstein: Das sind zwei tolle Autoren. Neil Purvis und Robert Wade haben auch die letzten beiden Bonds geschrieben. Aber die machen etwas ganz anderes als ich. Unser Spiel hat nichts mit dem Film zu tun, es hat eine ganz eigene Geschichte und steht ganz für sich. Da gibt’s weder Neid noch Konkurrenz.

Morgenpost Online: Ihr Bond-Videospiel ist so groß und so teuer wie ein Kinofilm, Stars wie Daniel Craig und Joss Stone sind dabei, Stone singt auch den Titelsong, Dave Stewart schrieb ihn. Der Stuntman und die Designer der Filme haben mitgemacht. Wollen Sie die Filmreihe beerben? Was passiert da gerade?

Feirstein: Videospiele bekommen endlich und zum ersten Mal große Aufmerksamkeit in den Medien. Was das Geld betrifft, ist das Geschäft mit Spielen sowieso schon dreimal so groß wie das mit Filmen. Das ist endlich ein paar Leuten aufgefallen, selbst in Hollywood. Ich finde das etwas lustig, für mich ist das längst selbstverständlich. Ich habe zehnjährige Zwillinge. Die wussten immer, dass ich für Bond-Filme schreibe, das hat sie aber nie groß interessiert. Erst seit ich an einem Bond-Videospiel arbeite, kommen sie jeden Tag zu mir rein mit Ideen für verschiedene Levels und Abschnitte. Meine Söhne nehmen Spiele als eine Kulturform wahr, die gleichwertig neben Filmen oder Magazinen steht. Sie finden sie bloß aufregender.

Morgenpost Online: Die dürfen Ihr Spiel aber nicht spielen, es ist ab 16. Spiele wollten doch auch kein Kinderkram mehr sein?

Feirstein: Das müssen sie aber nicht mehr beweisen. Heute spielen schon alle unter etwa 45. Als ich aufwuchs, waren Fernsehen, Bücher und Filme die zentralen Unterhaltungsformen. Bei den Jüngeren sind es Spiele, Filme, Fernsehen, Buch. In dieser Reihenfolge. Joss Stone war, als ich mit ihr sprach, begeistert und aufgeregt, dass sie in einem Videospiel mitmacht. Sie ist 23. Für sie ist das eine große Sache. Sie ist selbstverständlich Videospielerin.

Morgenpost Online: Das Spiel hat vieles, was man von Bond erwartet, Verfolgungsjagden, Stunts, Action. Aber es gibt wenig lässige Wortwechsel und elegante Partys. Fehlt da nicht etwas?

Feirstein: Der aktuelle James Bond, den Daniel Craig mit den Autoren erschuf, ist viel skrupelloser, kämpferischer und härter als die früheren. Das Spiel spiegelt das wider. Dieser Bond ist kein Mann der großen Worte. Es gibt aber ein bisschen Ironie und witzige Dialoge. Auf einer Waffenmesse in Dubai führt Bond ein sehr trockenes Gespräch mit dem Sicherheitschef. Ähnlich ist es später mit dem Anführer der russischen Spione. Da steckt dann schon der Geist des eleganten Bond drin.

Morgenpost Online: Das findet aber in so genannten Cutscenes statt, also in kleinen Videos, die man nur ansieht ohne zu spielen. Damit ist das Spiel nicht sehr progressiv. Warum? Ganz aktuelle Spiele sind offene Welten, in denen man sich frei bewegt, die Story erzählt sich beim Spielen wie nebenbei.

Feirstein: Ich mache Spiele, in denen der Ablauf vorbestimmt ist. Mein erstes Game war einfach ein Ego-shooter. Für „Bloodstone“ haben wir nun allerdings viel darüber diskutiert. Am Ende fanden wir, dass klare Action das Beste ist, um eine Geschichte zu erzählen. Das passt eher zu Bond. Die neuen, offenen Konzepte von Spielen wie „Heavy Rain“ gefallen mir aber sehr, und da müssen wir mit Bond auch irgendwann hinkommen.

Morgenpost Online: Manche Menschen werden nichts davon halten, dass Bond ins Videospiel kommt. Für sie bleibt er ein Kinoerlebnis.

Feirstein: Die vergessen aber eines: Jeder Mann will wie Bond sein, jede Frau will bei Bond sein. Das Spiel gibt nun jedem die Erfahrung, Bond zu sein. So etwas konnte das Kino doch nie.

Morgenpost Online: Drehbuchautoren werden traditionell wenig beachtet. Wird das mit Videospielen jetzt anders?

Feirstein: Videospiele entwickeln sich erst. Toll, dass sie offenbar die Rolle der Autoren mehr honorieren. Mein Name ist der letzte im Vorspann zu „Bloodstone“. Bei Filmen war immer der Regisseur am Schluss. Ich hab mich sehr gewundert und gefreut darüber.

Morgenpost Online: Ein Hollywood-Drehbuch zu schreiben ist mühsam. Alles wird mit dem Produzenten abgestimmt und immer wieder umgeschrieben. Ist das bei Games besser?

Feirstein: Beides ist eine Zusammenarbeit mit anderen. Es dauert sehr lange, zum Endresultat zu kommen. Ich hab mich trotzdem wie verrückt gefreut, als ich zum ersten Mal den Satz „Mein Name ist Bond. James Bond.“ wirklich hinschreiben durfte. Aber in beiden Bereichen muss man sich mit sehr vielen anderen absprechen.

Morgenpost Online: Spiele-Autoren klagen manchmal, sie müssten tausend Seiten schreiben, viel mehr als ein Kinoautor, weil das Spiel verschiedene Wege nehmen kann. Ist es also viel anstrengender?

Feirstein: Das ist ein Mythos! Das Skript zu einem Spiel ist in Wirklichkeit sogar kürzer. Ich habe bei dem Film „Golden Eye“ allein für die eine Verfolgungsjagd, in der Bond in einem Panzer durch Petersburg fährt, 18 Seiten verbraucht. Alles muss genau beschrieben werden. Beim Game entscheidet der Spieler, wo er langgeht, wie er abbiegt. Er ist das Skript.

Morgenpost Online: Was ist schöner, das Schreiben für Spiele oder fürs Kino?

Feirstein: Also ich schreibe jedenfalls gerade schon wieder an zwei weiteren großen Spielen. Für einen Drehbuchautor ist das sehr faszinierend. Das alles ist so, als wenn 1947 jemand sagt, es gibt diese neue Sache namens Fernsehen, wollen Sie mal mitmachen? An diesem Punkt stehen wir bei Spielen gerade. Da ist soviel möglich, alles ist noch zu erforschen.

Morgenpost Online: Wann kommen Spiele denn endlich ganz aus der Nische?

Feirstein: Heute ist die entscheidende Gamer-Zielgruppe zwischen 22 und 42 Jahren alt. In zehn Jahren spielen praktisch alle. Ich habe früher bei der New York Times als Journalist gearbeitet. Die Chefredakteure wussten dort zwar von Videospielen, haben die Sache aber nie richtig verstanden. Bald sind die Chefs selbst Gamer. Dann werden Spiele die gleiche Rolle bekommen wir heute Filme.

Morgenpost Online: Eines fehlt den Spielen aber noch ganz, das ist der Glanz, die roten Teppiche und die großen Partys in Hollywood…

Feirstein: Nicht mehr lange. Das ändert sich gerade. Ich sehe hier in Los Angeles zum ersten Mal meterhohe Werbungen für Videospiele. Wir stellen dies Spiel in London auf einer glamourösen Party vor, mit Joss Stone, einem Aston Martin und viel Presse. Bald wird es auch die roten Teppiche geben. Dann hat das Spiel alles, was der Film vorher hatte. Ich freue mich drauf.

James Bond Bloodstone, Activision. Ab 16, PS3, Xbox und PC, ca. 60 Euro.