Gerhard Hellwig

Gründer der Schöneberger Sängerknaben gestorben

Mit Gerhard Hellwig wurden die Schöneberger Sängerknaben zum Botschafter des ehemaligen West-Berlins. Jetzt ist der Gründer des Knabenchors im Alter von 85 Jahren gestorben.

Mit ihm wurden die Schlager wie „Berliner Jungens, die sind richtig“ zu Hits: Gerhard Hellwig, Dirigent und Gründer der Schöneberger Sängerknaben, tanzte musikalisch auf vielen Hochzeiten. An diesem Sonnabend ist Hellwig im Alter von 85 Jahren gestorben, wie seine Biografin Agnes Raucamp am Montag in Berlin mitteilte.

Der 1925 geborene Hellwig hatte den Chor nach der Kriegsgefangenschaft 1947 gegründet. In seiner beruflichen Laufbahn war er unter anderem auch stellvertretender Operndirektor in Frankfurt, Geschäftsführer der Berliner Festwochen und Mitbegründer und Chef des Berliner Theatertreffens. Bis er Anfang 2010 die Leitung aufgab, dirigierte Hellwig in knapp 60 Jahren rund 4000 Kinder bei Auftritten in Altersheimen und Krankenhäusern, am Brandenburger Tor und lange Zeit auch als offiziellen Kinderchor der Deutschen Oper.

Sein Operndebüt hatte der Chor 1949 gegeben, als der damalige Intendant Hans Tietjen Kinderstimmen für Wagners „Tannhäuser“ suchte. Danach trat der Chor in mehr als 3000 Aufführungen und rund 50 verschiedenen Inszenierungen auf - in Deutsch, Italienisch oder Russisch. Auch bei den Bayreuther Festspielen waren die Sängerknaben ständige Gäste.

Zu sehen waren die jungen Sänger in Filmen, wie etwa in „Hochzeit auf Immenhof“ und im Fernsehen. Der Titel „Kleine Leute, große Reise“ wurde erstes Lied der ARD-Fernsehlotterie. Ob als Begleiter für Bully Buhlans „Junge Herzen haben Sehnsucht“, für Manuelas Lieder aus dem Märchenland und für Conny Froboess Sommer-Hit „Pack die Badehose ein“ - der Schöneberger Knabenchor galt im Kalten Krieg als singender Botschafter aus dem Westen Berlins, unter anderem auch in mehr als 300 Konzertreisen, darunter zur Weltausstellung in Montreal 1967.