Late Night "Reinhold Beckmann"

Auch Prinz Albert will den Klimawandel stoppen

Ein recycelbarer Bürostuhl für den Monegassen-Fürst, Champagner statt Prosecco für niedrigeren Kohlendioxid-Ausstoß: Eine Woche vor dem Klimagipfel in Kopenhagen diskutierten bei Beckmann Experten mit Albert II. von Monaco. Fazit: Der Hochadel übernimmt beim Umweltschutz die geistige Führungsrolle.

Foto: AFP

Früher düste er mit leicht bekleideten Mädchen auf schnellen Yachten umher. Heute fährt er mit Elektroautos oder Hybrid-Fahrzeugen durch Monte Carlo, leitet eine eigene Umweltstiftung und hält Vorträge über den Klimawandel.

Die Wandlung vom ”Party-Prinzen“ zum ”Grünen Fürsten“ führte Seine Hoheit Albert II. von Monaco unlängst nach Hamburg, wo er einen Preis für sein Umweltengagement entgegennahm. Da schaute er gleich noch bei Reinhold Beckmann vorbei.

Mit dem Klimafolgenforscher und engen Merkel-Berater Hans Joachim Schellnhuber und dem Öko-Visionär Michael Braungart diskutierte der 2005 inthronisierte Monegassen-Fürst über den Klimawandel und seine Folgen.

Doch Beckmann wäre nicht Beckmann, wenn ihm selbst dieses heikle Thema als abendfüllend genug erscheinen würde. Und außerdem hatte seine Redaktion ja die ganzen schönen Bilder von den Grimaldis zusammengestellt.

So musste Albert erst einmal 45 Minuten über seine Familie Auskunft geben: über die wichtigsten Ratschläge, die ihm sein Vater Rainier III. zu Lebzeiten gegeben hatte, über den Glamour der Grimaldis und die Faszination, die die jahrhundertealte Dynastie auf viele Menschen ausübt.

Und natürlich über die besondere Ausstrahlungskraft seiner 1982 tödlich verunglückten Mutter Fürstin Gracia Patricia, die vor ihrer Hochzeit unter ihrem bürgerlichen Namen Grace Kelly besonders in Filmen von Alfred Hitchcock Welterfolge als Schauspielerin feierte.

Auch die beiden Kurzexpeditionen zum Nordpol und Südpol, die der Fürst 2006 und 2009 auch deswegen unternahm, um auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen, gerieten in Beckmanns Nachbetrachtung, mehr als dem ernsten Thema angemessen, zu einer Art kurzweiligem Abenteuerbericht.

Man muss dem Fürsten hoch anrechnen, dass er noch die unsinnigste Füllfrage ausdauernd beantwortete, etwa: ”Hat es Sie besonders berührt, als erstes Staatsoberhaupt den Nordpol erreicht zu haben?“

Doch Leben kam erst in die Talkrunde, als Klimafolgenforscher Schellnhuber und Öko-Vordenker Braungart dazu stießen und die Sprache auf den am 7. Dezember beginnenden Klimagipfel in Kopenhagen kam.

Fürst Albert II. ist nicht sonderlich optimistisch, dass es dort zu konkreten Vereinbarungen kommen wird, hofft aber dennoch auf substanzielle Beschlüsse, die sich dann im nächsten Jahrzehnt umsetzen lassen.

Laut Schellnhuber ist eins der größten Probleme, dass die amerikanische Öffentlichkeit immer weniger Interesse an der Klimaproblematik hat und Präsident Obamas positive Ansätze im US-Kongress auf massiven Widerstand stoßen. ”Der American way of life basiert auf dem verschwenderischen Umgang mit fossilen Brennstoffen.“

Für viele Amerikaner sei dieser Lebensstil ”ein Naturrecht“. Die Chinesen dagegen hätten erkannt, dass das nicht so ist. ”China wird mit der Zeit ein sehr umweltbewusstes Land werden.“

Derlei Realpolitik interessiert Michael Braungart nur am Rande. Der Professor für Chemische Verfahrenstechnik und Geschäftsführer der Umweltschutzagentur EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) propagiert nicht Verzicht, sondern Verschwendung, Konsum, Überfluss: aber mit den richtigen Materialien.

Für die Industrie entwickelt er Produkte – einige brachte er mit ins Studio – wie etwa ein kompostierbares T-Shirt, einen essbaren Bezugsstoff oder einen komplett recycelbaren Bürostuhl.

Braungarts Vision von einer müllfreien Kreislaufwirtschaft beinhaltet zwei getrennte Kreislaufsysteme, ein biologisches und ein technisches, sowie zwei Arten von Produkten: Verbrauchsgüter, die vollständig biologisch abgebaut werden können, und Gebrauchsgüter, die sich endlos recyceln lassen.

Den mitgebrachten Bürostuhl vermachte Braungart – übrigens Ehemann der ehemaligen niedersächsischen Umweltministerin Monika Griefahn – Fürst Albert II., und für Schaumwein-Liebhaber hatte er einen Tipp parat: ”Lieber Champagner trinken als Prosecco”, denn bei Champagner würde dreimal weniger CO2 ausgestoßen. ”Jetzt wissen Sie, dass Sie in Monaco alles richtig gemacht haben“, frohlockte Beckmann in Richtung Fürst.

Doch nicht nur die Monegassen scheinen in puncto Umweltschutz vieles richtig zu machen.

Beckmann pries auch Prinz Charles’ Öko-Engagement, und Albert wusste vom schwedischen und norwegischen Königshaus Positives zu berichten. ”Erstaunlich“, befand Michael Braungart und beschloss damit die Sendung, ”dass der Hochadel die geistige Führungsrolle übernimmt.“

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