Kabarett

Hallervordens Wühlmäuse feiern 50. Geburtstag

Ein halbes Jahrhundert und das ohne Subventionen: Dieter Hallervordens Kabarett-Theater in Berlin-Charlottenburg hat es in den Kleinkunst-Olymp geschafft. Deutschlands Comedy-Elite gratuliert.

Fünfzig ist heutzutage kein Alter. Doch wenn eine Traditionsbühne solch ein Jubiläum feiert, zumal eine, die nie einen Cent an Subventionen erhalten hat, dann ist das schon einen donnernden Geburtstagsapplaus wert! Die Wühlmäuse, eines der führenden Kabarett-Theater der Republik, stehen heute erfolgreicher da denn je. Nicht nur das Who is Who der Kleinkunstszene reicht sich hier permanent die Klinke in die Hand, auch das hauseigene „Große Kleinkunstfestival“, das vielen Nachwuchskünstlern wie Kurt Krömer oder Cindy aus Marzahn den Durchbruch bescherte, hat längst den Sprung in die erste Liga der Satire-Wettbewerbe geschafft.

Dieter Hallervorden, Wühlmäuse-Chef, Schlossparkt-Theater-Retter, Kabarett-Legende und mit 75 Jahren einer der kreativsten Unruheständler des Landes, bleibt auf die Frage, was denn dieser runde Geburtstag für ihn bedeutet, sehr bescheiden: „Es ist ein gewaltiger Teil meines Lebens, eine Bestätigung meiner Überzeugung, dass ein langer Atem zum Erfolg führt. Und der deutliche Beweis dafür, dass der Spielplan dann wohl doch nicht so schlecht gewesen sein kann.“

Im Dezember 1960 gründete Hallervorden mit einigen Schauspielkollegen wie Wilfried Herbst die Wühlmäuse. Zunächst wurde die ehemalige Schöneberger Scala in der Martin-Luther-Straße bespielt. Doch bald schon zog man in die Nürnberger Straße und löste sich vom üblichen Nummernkabarett zugunsten einer neuen Form mit durchgehenden Rollen, rotem Handlungsfaden und einem Grundthema.

Zum 40-jährigen Bestehen nahm Dieter Hallervorden noch einmal das Risiko auf sich, in ein neues Haus umzuziehen. Gegen den damaligen Mitte-Trend machte er im Jahr 2000 den ehemaligen britischen Naafi-Club am Charlottenburger Theodor-Heuss-Platz zur nunmehr vierten und schönsten Spielstätte der Wühlmäuse – und hatte wieder mal den richtigen Riecher. Heute feiert Hausherr Hallervorden den 50. Geburtstag der Wühlmäuse mit einer ganz besonderen, bereits ausverkauften Jubiläumsgala. Mit dabei sind zahlreiche Kabarett- und Comedykollegen, wie die Berliner Komikerin Gabi Decker. Für sie steht fest: „Fünfzig Jahre Wühlmäuse bedeutet fünfzig Jahre Unterhaltung für jeden Geschmack. Ein perfekt geführtes Haus. Eine glatte Eins!“ Arnulf Rating, Lokalmatador aus Lübars und Urgestein des politischen Kabaretts, würdigt das Theater vor allem als Ort pointierten Querdenkens: „Fünfzig Jahre Wühlmäuse bedeutet für mich fünfzig Jahre Wühlarbeit.“

Für den Kölner Comedian und Schauspieler Ingolf Lück ist das Jubiläum eine ganz persönliche Premiere, denn er stand tatsächlich noch nie auf der Bühne des Satire-Theaters: „Fünfzig Jahre Wühlmäuse und ihr hattet sie alle! Nur mich nicht! Aber jetzt habt ihr mich auch drangekriegt. Dafür musste ich auch erst fünfzig werden. Was eine Ehre und Freude!“ Auch Hans Werner Olm zieht vor einem halben Jahrhundert den Hut zieht: „Fünfzig Jahre Herzensangelegenheit von Hallervorden mit Qualität, Beständigkeit und Witz und das ohne Staatsknete. Respekt!“

Kabarettist Martin Buchholz hat den Aufstieg der Wühlmäuse in den Kleinkunst-Olymp fast so hautnah erlebt wie Hallervorden selbst. Gewissermaßen. „Ich habe schon als holder Knabe mit damals noch lockigem Haar den Ober-Mäuserich Dieter Hallervorden erlebt auf der Bühne und ich war hell begeistert. Damals hätte ich nicht geglaubt, dass ich selber einmal dort mein Unwesen treiben würde. Doch das tue ich nun schon seit bald 30 Jahren mit meinen Solo-Programmen und gehöre fast schon zum Mobiliar, gewissermaßen als Sitzenbleiber zwischen allen Stühlen. Die drei Jahrzehnte auf diesen Brettern bedeuten mir viel.“

Aus der Ferne gratuliert natürlich auch der nach einem Skiunfall lädierte Kabarettist und Comedian Dieter Nuhr, seit gut anderthalb Jahrzehnten mit dem Haus aufs engste verbunden und seit zehn Jahren der Moderator des „Großen Kleinkunstfestivals“: „Die Wühlmäuse sind genauso alt wie ich. Es handelt sich also sozusagen um eine historische Schicksalsgemeinschaft. Ich weiß auf jeden Fall, dass 50 Jahre noch kein Alter sind. Das ist jung! Zum 80. kann man der Wühlmaus auf dem Dach einen Rollator schenken. Aber bis dahin geht es frisch zur Sache!“

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