Der 1. Akt der Neuinszenierung des „Lohengrin“ ist beim Auftakt der 99. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth mit einer Mischung aus Bravo- und Buh-Rufen aufgenommen worden. Am Ende überwog jedoch der – wenn auch kurze – Applaus. Der 69-jährige frühere Skandal-Regisseur Hans Neuenfels erzählt mit dem „Lohengrin“ kein Märchen aus uralten Zeiten, sondern zeichnet schon zu Beginn der Oper seine apokalyptische Sicht auf das angebliche Wunder des „Heilsbringers“ Lohengrin und seine unmögliche Liebe zu Elsa.

Der Schwanenritter schreitet mit offenem Hemd und Hosenträgern einem offenen Sarg voran, in dem der Schwan von Ratten auf die Bühne getragen wird. Ratten in wechselnden Verkleidungen als sich immer wieder „häutende“ Tiere sind als Chor das zunächst auffälligste Markenzeichen der Neuenfels-Inszenierung. Die Lohengrin-Geschichte ist in einem Versuchslabor angesiedelt.

Bei den Solisten schlägt sich Annette Dasch als Elsa tapfer gegen die stellenweise sängerische Dominanz eines Jonas Kaufmann als Lohengrin. Der junge lettische Dirigent Andris Nelsons leitet das Festspielorchester mit sicherer Hand und erfreulicher Zurückhaltung in entscheidenden sängerischen Parteien.

dpa/fp