Einheitsdenkmal

Das "Nationale Symbol" lässt auf sich warten

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Auch der neu aufgelegte Wettbewerb zum künftigen Einheitsdenkmal in Berlin-Mitte bringt vorerst keinen Gewinner. Zwar wurden drei Sieger gekürt, doch sie müssen ihre Entwürfe überarbeiten.

Mit Spannung wurde die Entscheidung erwartet, umso größer war die Enttäuschung: Am späten Sonntagnachmittag, pünktlich zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit, präsentierte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die Ergebnisse des Wettbewerbs für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, und wieder gab es keinen Sieger. Drei Entwürfe prämierte die Jury als gleichrangig und empfahl sie zur weiteren Bearbeitung, ferner wurden zwei Anerkennungen ausgesprochen.

Neumann gab sich dennoch zufrieden und bescheinigte allen drei Arbeiten „künstlerische und architektonische Aussagekraft“. Die Zeit sei reif zur Erinnerung an die positiven Ereignisse deutscher Geschichte.

Vor drei Jahren hatte der Deutsche Bundestag beschlossen, zum Gedenken an die friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung ein Denkmal als "nationales Symbol" in der Mitte der deutschen Hauptstadt zu errichten. Als Standort wurde der übriggebliebene Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Berliner Schlossplatz bestimmt.

Ein erster Ideenwettbewerb im Frühjahr 2009 endete allerdings ergebnislos. Mehr als 500 Künstler, Architekten und “freischaffende Kreative" hatten sich beteiligt. Durch den Abbruch des Wettbewerbs fühlten sie sich brüskiert. Für den neuen zweistufigen Wettbewerb wurden immerhin 386 Ideenskizzen eingereicht, zur weiteren Ausarbeitung wurden 33 Künstler aufgefordert. Am Ende blieben 28 Arbeiten im Rennen, die jetzt bis Ende Oktober im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sind.

Eingrenzung tat den Entwürfen gut

Die stärkere Eingrenzung der Wettbewerbsaufgabe hat den Entwürfen gut getan. Der ursprünglich geforderte Informationsort unter dem Denkmal war ebenso entfallen wie die Auflage, die Leipziger Proteste mit einzubeziehen. In der Messestadt soll dazu ein eigenes Denkmal entstehen. Hierfür stellt der Bund fünf Millionen Euro bereit, für das Berliner Denkmal ist es doppelt so viel.

Während die Formenvielfalt beim ersten Wettbewerb von der unvermeidlichen Banane, über Blüten und Freiheitsengel bis zu diversen Kugelvorschlägen in den deutschen Nationalfarben reichte, ist die Bandbreite diesmal weniger groß. Einige Ideen allerdings wiederholten sich. So entwarfen Axel Schultes und Charlotte Frank, die Architekten des Bundeskanzleramtes, erneut eine 20 Meter hohe Baumskulptur, zusammengeschweißt aus Messing- oder Bronzeblechen mit einer Krone, die sich als schützendes Dach über den Ort wölbt.

Eine große begehbare Kugel, die beliebte Einheitsform auch im vorhergehenden Wettbewerb, schlägt Jan Kleihues vor, der Künstler Claus Bury aus Frankfurt am Main wählte die Ellipse als Grundform. Vielfältige Strukturen prägen zahlreiche Arbeiten, so den Entwurf des Künstlers Via Lewandowsky. Aber auch gegenständliche Skulpturen sind anzutreffen, darunter der durchaus witzige Vorschlag eines Kasseler Künstlers, eine zweite Quadriga aufzustellen, die nach Westen, zum Brandenburger Tor weist. Hier trägt die Siegesgöttin statt des Eisernen Kreuzes ein Schild mit der Losung des Revolutionsherbstes.

Balkenhol zeigt mann auf knien

Ganz realistisch, aber ungleich pathetischer wirkt der prämierte Vorschlag des Bildhauers Stephan Balkenhol aus Karlsruhe. Er entwarf eine überlebensgroße kniende Männerfigur, die an den Kniefall Willy Brandts in Warschau erinnert und sowohl Ehrfurcht vor den Opfern als auch Glück über die Freiheit symbolisieren soll. Der DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke, einer der Preisrichter und Mitinitiator der Denkmalidee, kritisiert – trotz des einstimmigen Juryentscheids – den Widerspruch zum “aufrechten Gang", einem wichtigen Bild der Bürgerproteste von 1989.

Der Favorit des CDU-Politikers ist der ebenfalls prämierte Entwurf der Stuttgarter Architekten Milla und Partner in Zusammenarbeit mit der Berliner Choreografin Sasha Waltz. Unter dem Motto “Bewegte Bürger" schlagen sie eine 55 Meter lange und 20 Meter breite Schale vor, die über einem Sockel schwebt. Sie ist über eine Rampe betretbar und neigt sich, je nach Besucherverteilung, zu den Seiten. Die Leitsätze “Wir sind das Volk – wir sind ein Volk" sind an der Oberseite eingelassen, an der goldfarbenen Unterseite sollen Bilder vom Herbst '89 angebracht werden. “Die Bürger können das Denkmal benutzen, besetzen, werden Teil des Denkmals, wir stellen niemand anderen auf den Sockel als das Volk selbst“, lobt Nooke den Entwurf.

Die dritte siegreiche Arbeit stammt von dem Münchner Andreas Meck, der bereits den Wettbewerb für das Bundeswehr-Denkmal gewann. Er sieht ein aus Buchstaben und Parolen gebildetes filigranes Dach über einer Deutschlandkarte vor, 16 Säulen markieren die Hauptstädte der Länder und stützen das Dach. Vor der endgültigen Festlegung empfiehlt die Jury allen drei Vorschlägen die Überarbeitung. In etwa zwei Monaten soll entschieden werden. Vorerst können sich die Bürger ihre Meinung bilden und an der Diskussion beteiligen, welches Denkmal realisiert werden soll.

( EPD )