Kunst

Anselm Kiefer malt sich – für den Louvre

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Foto: AFP

Im Pariser Musee du Louvre wird an diesem Donnerstag ein neues Werk enthüllt. Der deutsche Künstler Anselm Kiefer malte auf dem monumentalen Bild einen nackten Mann. Das Museum hat damit etwas getan, was seit 50 Jahren nicht mehr vorgekommen ist.

Der Louvre, das meistbesuchte Museum der Welt, hat erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein zeitgenössisches Werk in Auftrag gegeben – und zwar beim deutschen Künstler Anselm Kiefer (62). Es sei ein trauriges Werk, sagte Kiefer bei der Enthüllung des Gemäldes am Mittwoch in Paris.

Das 14 auf vier Meter große Gemälde zeigt einen nackten Mann, der auf dem Boden liegt und über lange Linie mit dem Himmel verbunden ist. Dieser Mann sei er, sagte der 1945 geborene Kiefer. Der Mensch sei mit dem Universum verbunden, er mache eine Wandlung durch und werde wiedergeboren – da er aber nicht wisse, weshalb er wiedergeboren werde, sei es traurig.

Das Auftragswerk ziert den prächtigen Aufgang zur ägyptischen Abteilung des Museums. An diesem Donnerstag wird das Bild offiziell enthüllt. Kiefer hat die Leinwand mit Tonerde grundiert und mit Acrylfarben bemalt. Das Gemälde mit dem Titel „Athanor“ zeigt vor schwarzem Hintergrund einen nackten, bis aufs Skelett abgemagerten Mann, der wie leblos am Boden liegt.

Anselm Kiefer gehört zu den bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Er ist der erste zeitgenössische Maler, der 50 Jahre nach Georges Braque vom Louvre einen entsprechenden Auftrag erhielt. Nach einem Bericht der Tageszeitung „Le Monde“ soll Kiefer 800 000 Euro Honorar bekommen haben.

„Ich habe den Louvre erstmals als 15- oder 16-Jähriger betreten. Er hatte mich schon damals stark beeindruckt“, sagte Kiefer, der seit 1993 in Südfrankreich, in Barjac, lebt, und vor wenigen Monaten ein herrschaftliches Stadthaus in Paris gekauft hat. Mit dieser Auftragsarbeit an einen zeitgenössischen Künstler knüpft der Louvre an eine alte Tradition an. Denn schon im 19. Jahrhundert malte Delacroix eine herrliche Apollo-Deckenmalerei für die gleichnamige Louvre-Galerie.

( AFP/dpa/krei )