Nachdem mit Axel Schulz und Daniel Hartwich schon einmal die jeweils potentiell unlustigsten Mitglieder der Rateteams in die Garage verbannt worden waren, lag die Ost-Mannschaft schon stimmungsmäßig ziemlich weit vorne. Während die BRD-Geborenen etwas schwachbrüstig Mike Krügers „Der Nippel“ intonierten, sang man auf der „Ost-Tribüne“ mit Donnerhall das Sandmännchen-Lied.
Cindy aus Marzahn gab sehr überzeugend die beleidigte Leberwurst und klagte: „Herr Jauch, wir kriegen doch mit Absicht die schwereren Fragen“. Andrea Kiewel durfte mit glänzenden Augen von Wehrübungen im Schulunterricht und Campingurlaub mit Trabant berichten, während Jens Riewa zu Protokoll gab: „Für ein Bonanzarad hätte ich gemordet“.
Auch das West-Team glänzte mit Anekdoten. Reiner Calmund verblüffte mit detaillierten Kenntnissen von DDR-Discos, und Mike Krüger war bei seinem Auftritt im aktuellen Sportstudio zu sehen, wo er mit Haarfrisur und Ballgefühl als Günther-Netzer-Doppelgänger durchgegangen wäre.
Überhaupt war es das Faszinierendste an der Sendung, dass sich selbst nach dutzenden Dokumentationen, Motto-Quizshows, Clip-Hitparaden und Ostalgie-Sendungen immer noch überraschende und skurrile Fakten aus der deutsch-deutschen Geschichte finden lassen. So beispielsweise der Butler von Erich Honecker, der zwar „zu Margot Honecker ein sehr gutes Verhältnis hatte“, sich dann aber keine weiteren pikanten Indiskretionen entlocken ließ.
Aus Playboy, Intershop, Jungpionieren, Telespielen, Ariel-Werbung, FKK-Stränden und InterRail-Tickets wurde so ein kunterbuntes, weichgespültes Quizprogramm gemischt, das wie die DDR-Faser „Präsent 20“ auch „staubfrei, waschbar und ohne zu verknittern“ war.
So erfuhr man von Gregor Gysi, dass es noch heute an ihm nagt, dass „ich bei den Jungpionieren nie zum Gruppenratsvorsitzenden“ ernannt wurde. Und selbst wenn Marco Schreyl stolz verkündet: „Bei uns im Sozialismus gab es keine Arbeitslosigkeit“, nimmt man es ihm in der allgemeinen Wohlfühl-Nostalgie nicht übel.
Jauch, dem ja als Quizmaster der Nation Amtsmüdigkeit nachgesagt wurde, präsentiert sich gut gelaunt und machte auch auf dem Kettcar eine gute Figur. Wahrscheinlich lag es an dem DDR-Schnaps „Blauer Würger“, mit dem er sich nach 16 Minuten Sendezeit gemeinsam mit Daniel Hartwich warm gemacht hatte.
Allerdings schien der Fusel mit antiquarischem Wert ihm etwas das Sehvermögen geraubt zu haben, da er kaum eine der Ergebnisgrafiken korrekt ablesen konnte. Selbst ein Plattenspieler stellte ihn später vor nicht überwindbare Schwierigkeiten.
Trotz der Duellkonstellation wurde schnell klar, dass sich die beide Seiten doch bereitwillig auf dieselben Klischees reduzieren lassen. Man fährt gerne in den Urlaub (Nordsee oder Ostsee), feiert gerne (in der Disco oder mit staatlich geprüftem Schallplattenunterhalter), trinkt dabei so einiges (literweise Bier oder „Schlüpferstürmer“), liest im Hinterzimmer gerne auch mal Heftchen mit Nackedei-Bildern ("Playboy" oder "Das Magazin") und lässt sich mit der Aussicht auf Autogewinne (VW oder Skoda) dazu verleiten, bei teuren Telefon-Mehrwertdiensten anzurufen.
Mit gleichem Eifer und Bastlerstolz legten Ost und West in Person von Daniel Hartwich und Axel Schulz auch im Blaumann Hand an Käfer und Trabi, nicht ohne sich vorher in gleicher Ernsthaftigkeit erst mal den bereitgestellten Kasten Pils vorzunehmen. Und dass der Sozialismus mit einer Punktzahl von 581 zu 566 am Ende noch einen kleinen, letzten Sieg feiern durfte, ging im Klatschrhythmus zu Nena-Melodien unter. Und so wuchs schließlich auch im „großen Ost-West—Duell“ noch zusammen, was zusammen gehört.













