Ohne Fleisch geht gar nichts. Und wenn Imani, Kiara, Face, Aschanti oder Gandi mal nicht wollen, dann wollen sie eben nicht. Raubtierdompteurin Carmen Zander kennt die Launen ihrer Königstiger. Dennoch kann sie nicht immer nachgeben. Man brauche ein feines Gespür, um zu registrieren, wann den Tieren nur die rechte Lust und wann die Energie fehle, sagt die 34-Jährige. Bis Ende Januar tritt Zander mit ihren Tigern im Circus Krone auf.

„Auf den Platz Gandi, zack zack“, fordert sie das einzige Männchen im Tigerbunde auf. Aber Gandi mag nicht, er ist noch schläfrig bei der Vormittags-Probe im Raubtiergehege. Zweimal täglich etwa 20 Minuten trainiert Zander mit den zweijährigen Fünflingen. Als Training zählt auch die Vorstellung im Zirkus: Zanders Nummer heißt Tigerdressurschule. Vor den Augen des Publikums lehrt sie die Tiger Springen, Hochsitzen und Balancieren. Ihr Bruder Kai-Michael Breuer kommentiert das Geschehen in der Manege und versorgt das Publikum mit und Informationen über die Tiere.

Die Tiger wurden in einem Safaripark in Nordrhein-Westfalen geboren, im Alter von viereinhalb Monaten kamen sie zu den Zanders. Ausschlafen, faulenzen oder Urlaub ist seitdem für die gebürtige Leipzigerin und ihren Bruder nicht mehr drin. Der Arbeitstag beginnt um halb neun Uhr früh und endet um ein Uhr nachts: ausmisten, proben, schminken, auftreten, Tiere füttern – Ruhepausen sind in der Tagesplanung nicht vorgesehen. Zander ist die einzige, die mit den Tieren arbeiten kann – noch. Denn ihren 22-jährigen Bruder weist sie gerade Schritt für Schritt in die Dressur ein.

Vor zwei Jahren kaufte sie sich die Königstiger

Zehn Jahre ist Carmen Zander bei anderen Dompteuren in die Lehre gegangen, bevor sie vor knapp zwei Jahren die Königstiger kaufte. Der Preis für die fünf: „Kategorie gehobener Mittelklassewagen“. Zu Hause ist sie in einem Wohnwagen, den sie sich mit ihrem Bruder, einem Meerschweinchen, einem Hund und einer Katze teilt. Angst vor den Tigern hat sie nicht. „Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich nicht vorsichtig genug bin.“ Die Laune von Tigern könne sich sekundenschnell ändern, sie zu lange zu umarmen, könne dann gefährlich werden. Launisch, sensibel, aber eben auch sehr intelligent – das zeichne Tiger aus.

Die Leidenschaft für Raubtiere begleitet Zander schon ihr Leben lang. Dennoch verschrieb sie sich zunächst dem Leistungssport, Disziplin rhythmische Sportgymnastik. Später absolvierte sie die Berliner Artistenschule und trat als Jongleurin und Trapezkünstlerin im Zirkus auf. Häufig kam sie dabei mit Raubtieren in Kontakt, bald festigte sich der Wunsch, selbst mit ihnen zu arbeiten. Auch Hunde hat sie schon dressiert. Der Unterschied: Hunde kann man anfassen und ihnen zeigen, was man von ihnen will. Mit den 135 Kilogramm schweren Tigern ist das nicht mehr drin.