Morgenpost Online: Was ist Ihre erste Bühnenerinnerung?
Christopher Alden: Die teilen wir. Wir sind schließlich echte Broadway-Babies. Unsere Mutter war Musicaltänzerin. Und mit uns im Bauch noch im siebten Monat auf die Bühne. So haben wir also damals "Annie Get Your Gun" mit Ethel Merman live und hautnah erlebt. Und nach dieser Stimme sang keine Opernsängerin für uns jemals mehr zu laut.
Morgenpost Online: Aber dann haben Sie sich doch umorientiert, ein wenig broadwayaufwärts, hin zum Lincoln Center und zur Metropolitan Opera...
David Alden: So weit weg ist das ja nicht. Aber immerhin hat Christopher in einem Broadway-Musical gespielt, in "Two Gentlemen of Verona", einer diese Shakespeare-Vertonungen im Hippielook, das würde heute schon wegen seiner wenigen Haare nicht mehr gehen.
Christopher Alden: David hat auch irgendwann mal gespielt. Aber er spielte wie ein Regisseur. Wir wussten beide, dass wir einmal die Befehle erteilen würden.
Morgenpost Online: Haben Sie noch mehr Geschwister?
David Alden: Eine Schwester, die hat zum Glück die Kurve gekriegt und ist nicht im Showbusiness.
Morgenpost Online: Und warum ging es bei ihnen beiden hin zur Oper?
David Alden: Wir haben immer sehr viel geteilt in jungen Jahren, manchmal auch zu viel. Bis 16 haben wir uns mehr für Musicals interessiert - das sieht man, glaube ich, immer noch in meinen Arbeiten, die wollen unterhalten, wollen Entertainment sein, das wird sich auch im "Turco in Italia" nicht ganz verbergen lassen. Aber plötzlich hat es uns zur Klassik hingezogen. Das war das letzte Jahr der alten Met, bevor sie ins Lincoln Center umgezogen ist. Wir sagten, wir müssen da noch mal hin - und dann wurden wir ganz verrückt nach Oper, sahen Tebaldi, Corelli, Régine Crespin, und Ethel war vergessen. Und da wussten wir, da wollen wir mitmischen, wir wollten es aber anders machen, von Anfang an. Die Musik und die Stimme hatten uns zunächst gefangen. Wir haben gar nicht so viel darüber geredet, es war aber klar, dass wir es verbessern, anders machen wollten. Inszenierungen gab es da nicht wirklich, Nur unförmige Sänger, die zwischen billigen Kulissen herumruderten.
Christopher Alden: Wir haben damals nichts anderes gesehen, wussten aber instinktiv, dass wir es anders machen wollten. Und wir haben uns gleichzeitig für diesen verrückten Beruf entschieden. Wir kamen heim aus der High School und anstatt Baseball zu spielen haben wir uns mit unseren Platten und Libretti verzogen und Opern studiert.
Morgenpost Online: War es leichter oder schwerer, weil sie zu zweit waren?
David Alden: Leichter. Wir konnten uns austauschen, waren nicht allein. Wir waren total übertriebene Opernfans, da ist es gut, jemanden zu haben, mit dem man endlos über dieses Thema reden kann, ohne dass es einem langweilig wird. Wir mögen auch das gleiche Repertoire. Und wir haben unsere Leidenschaft immer mit Humor genommen. Haben uns über die Klischees lustig gemacht und lieben sie doch sehr. So wurden wir beide zu Rebellen, jeder auf seine Weise.
Christopher Alden: Da können wir unseren rebellischen Sixties-Geist einfach nicht verleugnen. Das Alt-Ehrwürdige mögen wir einfach nicht. Wir suchen Ironie und gleichzeitig Wahrhaftigkeit. Wobei David seinen Stil sehr verändert hat.
David Alden: Ironie ist mir wichtiger geworden.
Morgenpost Online: Sind sie eifersüchtig aufeinander?
Christopher Alden: Höchstens ganz kurz. Wir sehen uns dafür aber zu selten. Wir bemühen uns die Produktionen des anderen zu sehen. Aber hinterher wird nicht darüber gesprochen. Seit wir das professionell machen, sprechen wir überhaupt kaum noch über Oper.
Morgenpost Online: Haben Sie mal was zusammen gemacht?
Christopher Alden: Einmal, Mozarts drei da-Ponte-Opern, für Daniel Barenboim in Chicago. Ich sollte "Figaro" machen, David "Giovanni" und wir beide zusammen "Così". Aber nach einem Tage Proben fanden wir: Das ist nicht notwendig.

