Morgenpost Online: Seit Ihrem letzten Album ist relativ viel Zeit vergangen. Was haben Sie gemacht?
Alanis Morissette: Es sieht so aus, als wäre ich für eine Weile verschwunden gewesen, aber ich habe mich weiterhin künstlerisch ausgedrückt. Bloß ohne die Anteilnahme der Öffentlichkeit. Ich habe Schmuck entworfen, bin viel gereist. Und habe mich vor allem meinem Leben als solchem gewidmet, das ja für eine Weile ziemlich am Auseinanderfallen war. Oder, was die Beziehung zu meinem Ex-Freund betrifft, ja auch auseinander gefallen ist (lacht). Außerdem habe ich mein Haus neu dekoriert.
Morgenpost Online: War die Trennung von Ryan Reynolds ein langsamer Prozess?
Morissette: Ja, das passierte nicht über Nacht. Aber es endete mit einem ziemlichen Knall, was wohl am besten war.
Morgenpost Online: Fällt es Ihnen eigentlich leicht, ihr Privatleben so auszubreiten vor den Menschen?
Morissette: Nein. Ich schreibe immer auf, was mich bewegt. Früher hatte ich dazu Tagebücher, heute mache ich das in meinen Songs. Und dann bin ich gern bereit, meine Erfahrungen und Gedanken mit den Leuten zu teilen. Ich sehe, ob sich auch andere von meinen Geschichten inspirieren, anrühren oder auch einfach nur gut unterhalten lassen.
Morgenpost Online: Ist das neue Album "Flavors of Entanglement" denn unterhaltsam?
Morissette: Musikalisch auf jeden Fall, selbst wenn du nicht auf die Texte achten solltest. Die Platte ist musikalisch sehr abwechslungsreich.
Morgenpost Online: War die Beziehung zu Ryan denn so furchtbar, dass Sie ein ganzes Album darüber schreiben mussten?
Morissette: Oh ja. Allerdings: Ich schreibe ja nie direkt über ihn. Ich schreibe über mich. Das ist meine Platte, meine Perspektive. Wenn ich nicht aus meiner Sicht schreiben würde, wäre ich keine Künstlerin. Es ist ja so: Wer immer sich mit mir einlässt, der weiß ja, dass ich sehr transparent bin, was meine Songs angeht. Jeder weiß, dass er nachher in meiner Musik auftauchen könnte. Wer das nicht verträgt, der sollte sich mir besser gar nicht erst nähern. Allerdings vermeide ich es, die Menschen in meinem Leben bei ihrem Namen zu nennen. Das würde auch die Songs zu sehr auf bestimmte Personen und Situationen zuschneiden. Es soll sich jeder ein bisschen darin wiederfinden. Aber jeder, der mein Leben ein bisschen kennt, kann ja zwei und zwei zusammenzählen.
Morgenpost Online: Und zum Schluss kommen, dass "Flavors of Entanglement" das Ryan-Reynolds-Trennungsalbum ist.
Morissette: Er kommt damit aber gut zurecht. Er hat gesagt "Mach, was du machen musst". Schließlich ist er auch Künstler und weiß, was in mir vorgeht. Und ich denke auch, dass mir ein akkurates Bild gelungen ist mit diesen neuen Songs. Ich mache ja niemanden fertig, das war auch nicht mein Ziel. Meine Lieder bleiben alles in allem fair.
Morgenpost Online: Im Stück "Moratorium" verkünden Sie, dass Sie nun eine Beziehungs-Pause einzulegen gedenken. Wie lange soll die denn dauern?
Morissette: Ich habe ein komplettes Jahr Liebesfrei genommen. Das hat mir sehr gut getan.
Morgenpost Online: Moment. Ryan Reynolds und Sie haben sich im Februar 2007 getrennt. Jetzt ist schon Juni. Das heißt, Sie sind wieder verliebt?
Morissette: Alanis (lacht): Ja. Oh ja, Ich bin wieder mit jemandem zusammen. Es ist toll, ganz anders als sonst. Ich bin glücklich. Glücklicher als früher.
Morgenpost Online: Sie haben vor kurzem die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Warum eigentlich?
Morissette: Ich bin nicht offen politisch, aber ich habe natürlich eine Meinung über eine Menge der Dinge, die in den USA schief laufen. Aber das Land hat mir auch sehr geholfen. Ich muss Amerika dankbar sein. Als ich von Kanada dorthin zog, hatte ich das Gefühl, dass man in Amerika meinen Ideen gegenüber sehr viel aufgeschlossener war. Kanada traute mir, als ehemaligem Kinderstar, nicht viel zu. Natürlich können wir zu Recht über die USA lachen oder den Kopf schütteln, aber speziell Kalifornien ist ein offener und fortschrittlicher Ort.
Morgenpost Online: Gehen Sie viel aus in Hollyood?
Morissette: Nein, wirklich nicht. Mit dieser Szene habe ich wenig zu tun. Was soll ich mich mit einer Ashlee Simpson oder Lindsay Lohan denn unterhalten? Obwohl: Vielleicht wäre das mal eine Idee. Deren Problem ist ja, dass sie scheinbar nicht in der Lage sind, sich zusammenzureißen und diszipliniert zu arbeiten. Ich wiederum tue mich schwer, einfach mal undiszipliniert zu sein. Ich bin einfach zu perfekt. Schon als Kind habe ich ja verdammt hat gearbeitet, ich hatte meine erste Platte draußen, als ich 11 war. Und seitdem gab es bei mir weder Drogen noch schlechtes Benehmen in der Öffentlichkeit. Insofern könnte da wohl jeder etwas vom anderen lernen (lacht). Ob ich nun ausgerechnet lernen sollte, wie man betrunken mit dem Auto fährt, weiß ich allerdings nicht.
Morgenpost Online: Trinken Sie denn nie?
Morissette: Oh doch. Auch Alanis ist manchmal besoffen. Bloß ist sie dann nicht so blöd und fährt Auto.
Die CD: Alanis Morissette, Flavors of Entanglement (Warner) Das Berlin-Konzert: 8. Juli, Tempodrom, 20 Uhr


