Pop

Musikjahr 2007 – das Jahr der Alten

Der Tonträger galt 2007 noch als Kerngeschäft der so genannten Plattenindustrie: Prince und The Police sind nur einige von den Altstars, die sich nicht mehr nur auf ihren Plattenkatalog als Rentensicherung verließen, sondern zurück auf die Bühne kehrten. Das sensationellste Konzert gab Led Zeppelin.

Foto: Beggars / Indigo

Wenn in 50 Jahren alte Menschen beieinander sitzen und sich Lieder aus dem 20. Jahrhundert im Surround-Sound in die Stube streamen, werden sie noch einmal seufzen: Wisst ihr noch, 2007? Auch wenn es 2007 noch geräumige CD-Abteilungen im Kaufhaus gab, verhielten sich die Leute wie im 19. Jahrhundert.

Künstler wurden wieder im Konzert bestürmt. Vor allem solche, die sich längst zurückgezogen und auf ihren Plattenkatalog als Rentensicherung verlassen hatten. Genesis gaben dem Punk noch einmal recht mit einem aufgeblasenen Verwaltungsakt.

Übergänge zur Zeit der flüchtigen Musik


In London meldete sich Prince zurück, indem er seinen Gästen die CD umsonst dazu gab. The Police fegten furios wie nie zuvor über die Bühnen und führten ein Kunststück vor: Millionen wurde Zeugen, wie sich Sting, der selbstverliebte Langweiler, in einen umwerfenden Musiker verwandelte. Und schließlich fand sogar die Band Led Zeppelin wieder zusammen.

Ihren toten Schlagzeuger John Bonham ließen sie durch seinen Sohn ersetzen, was das Durchschnittsalter um vier Jahre senkte. Für das Eintrittsgeld hätte sich jeder das Led-Zeppelin-Gesamtwerk, einschließlich aller Best-Of-CDs, CD-Vinyl-Repliken und Konzertmitschnitte kaufen können.


Tonträger galten 2007 noch als Kerngeschäft der so genannten Plattenindustrie. So eine Zeit war das. Es war das Jahr, in dem die Alten triumphal zurück kehrten und jüngere Hoffnungsträger daher selten ohne Bärte in Erscheinung traten. Deshalb kam 2007 einem vor, als schnitten sich urplötzlich sämtliche Revivalkurven: Während sich in den Comebacks der biologisch Alten eher die Siebzigerjahre trafen, sorgten virtuelle Alte wie Devendra Banhart für die Wiederkehr der Sechziger.

Sogar das Damenduo CocoRosie schmückte sich mit Bärten. Bis am Ende alle aussahen wie Elvis Perkins, der sein Tonträger-Debüt „Ash Wednesday“ zwar noch als CD aufnahm, bei seinen Welttournee dann aber als Vinylalbum verkaufte. Seiner Langspielplatte lag ein Zettel bei, darauf ein Code, mit dem man sich die Stücke unentgeltlich auf den iPod laden durfte. So als hätte es CDs niemals gegeben. Wie man heute weiß, begann 2007 also schon das Zeitalter einer wieder vergänglichen und flüchtigen Musik.