Cole gibt den beiden Figuren seines Stücks keine Namen. Das Ehepaar lebt seit 56 Jahren zusammen. Die beiden sind zusammen alt geworden Die Frau merkt, dass sie von Tag zu Tag langsamer wird und ihr die Vergesslichkeit in die Quere kommt. Der Mann findet das Leben ranzig, er hat Schmerzen, besonders im Knie. Er ist mürrisch und ungeduldig geworden. Die zwei verlassen ihre Wohnung kaum noch. Sie zanken und sind sich wieder zugetan: sie entdecken sogar noch einmal ihre Sexualität.
Dies ist keine der beliebten "Zimmerschlachten", welche unentwegt die Schadenfreude des Publikums kitzeln. Alles zielt hier auf Versöhnlichkeit. Besonders im ersten Teil wird das doch ziemlich kleine Stück etwas lang. Dabei werden sparsame Einfälle etwas mürbe geritten. Die Frau ist offenbar rund um die Uhr mit dem Gemüseschnibbeln beschäftigt.
Der vielseitig film- und theatererfahrene Altmeister Ottokar Runze hat mit behutsamer Hand inszeniert. Das harmlose Stück gewinnt nach der Pause sogar an Tiefe. Brigitte Grothum legt alle Damenhaftigkeit beiseite und spielt eine Seniorin mit frischem Trotz-allem-Optimismus und Vergesslichkeits-Mimik. Schließlich zeigt sie aber auch die Angst dieser Frau, eines Tages einsam übrigzubleiben. Michael Degen spielt einen kauzig brummigen, immer wieder auch sehr jungenhaft wirkenden Greis; der bewegende Menschen-Darsteller gibt starke Momente von Verzweiflung, Ängstigung, aber auch Zärtlichkeit. Hinter dem Egoismus dieses Mannes wird schließlich ein großer schmerzhafter Zorn auf die Ungerechtigkeit in dieser Welt sichtbar.
Schlosspark Theater Schloßstr. 48, Steglitz. Tel. 789 56 67-100. Bis 30.10; 9.-12. Oktober und im November.




