Fazination Musketiere

Streifzug durch die Verfilmungen des französischen Klassikers von Alexandre Dumas. Am Freitag zeigt RTL II ein besonders schlechtes Beispiel

Rasante Verfolgungsjagden zu Pferde, aufwendige Kostüme, wilde Fechtszenen - RTL II zeigt am Freitag einen Abenteuerfilm mit witzigen Dialogen und bekannten Schauspielern wie Kiefer Sutherland, Charlie Sheen und Tim Curry. So weit so gut, nur bleibt eine Frage offen: Was hat die prunkvolle Disney-Produktion "Die drei Musketiere" (1993) von Regisseur Stephen Herek mit der berühmten Geschichte von Alexandre Dumas (1802-1870) mit Ausnahme der handelnden Personen gemein?

Mindestens 50mal wurden die Erlebnisse von D'Artagnan und seinen Freunden verfilmt. Der erste Stummfilm erschien bereits 1903 in Frankreich. Es folgten berühmte Adaptionen mit Douglas Fairbanks, Gene Kelly, Gerard Barry oder Michael York in der Rolle des jungen Musketier-Azubi. Aber auch unbekannte mexikanische, argentinische und indische Produktionen, amerikanische Fernsehserien und unsinnige Ergänzungen wie der französische Streifen "Cyrano und D'Artagnan (1962) wurden produziert. Oder ein italienisches Machwerk namens "Zorro und die drei Musketiere" (1963) - indem es allerdings ein Rätsel bleibt, wie der kalifornische Volksheld des 19. Jahrhunderts auf die Zeitgenossen des französischen Königs Ludwig XIII (1601 bis 1643) treffen konnte.

Die schönste Verfilmung, die sich auch sehr eng an das berühmte Buch hält, ist die aus dem Jahre 1948 von US-Regisseur Sidney George. Nie wieder tänzelte D'Artagnan (Gene Kelly) so elegant, intrigierte der Kardinal Richelieu (Vincent Price) mit so fiesem Augenaufschlag, ertrank Musketier Athos (so tiefsinnig in Liebeskummer und Wein. Keine frühere oder spätere Mylady de Winter (Lana Turner) geriet so malerisch in mörderischen Zorn und verschwand so würdevoll mit ihrem Henker im Nebel.

Interessant und unterhaltsam ist auch das zweiteilige Epos von Richard Lester aus den Jahren 1973/1974. Hauptsache witzig, lautete wohl die Devise des Briten. Michael York spielt einen tölpelhaften Musketier-Lehrling. Zwischen den befreundeten Helden (Oliver Reed, Frank Finlay und Richard Chamberlain) jagt eine ulkige Bemerkung die nächste. Die meisten Fechtduelle enden im Mist oder in irgendwelchen Gewässern wie Teichen, Viehtränken oder Brunnen. Doch die Handlung bleibt weitgehend die von Dumas Erdichtete. Außerdem hat dieser gelungene Film mit Richard Chamberlain den elegantesten Musketier Aramis aller Verfilmungen und die zickigste Mylady de Winter (Faye Dunaway).

Wer das Buch liebt, der wird sich bei der am Freitag gezeigten Version bereits in den ersten Minuten ärgern. D'Artagnan, edel gekleidet und aufs feinste ausgerüstet, erscheint auf einem edlen Roß in Paris - und das königliche Musketier-Corps wurde gerade aufgelöst. Theatralisch werden die blau-weißen Uniformen verbrannt. Doch keine Sorge - in der großen Schlacht am Ende des Films besitzen alle Musketiere wieder Hut und Cape, die sie unbeschädigt und frisch gebügelt aus mysterösen Verstecken herausholen können.

In Paris trifft D'Artagnagn die einzigen verbliebenen königstreuen Musketiere und sofort ist er in drei Duelle verwickelt. Im Roman versteht man, wie es zu den Streitigkeiten mit den heißblütigen Soldaten kommt - in diesem Film fragt man sich allerdings, worüber die Gefährten sich eigentlich so aufregen.

Auch sonst hat der Film mit der Romanvorlage nur wenig Inhalt gemeinsam: Der französische König ist in seine Frau Anna verliebt, und auch sie himmelt ihn an. Kein Techtelmechtel mit dem feschen Herzog von Buckingham stört die königliche Familienidylle. Mit böse rollenden Augen planen Kardinal Richelieu und sein Spießgeselle, Graf Rochefort, den Tod von Ludwig XIII. Richelieu meint nämlich, laut Drehbuch, daß er danach zum König gekrönt würde. Jedem Historiker und königstreuem Franzosen sträuben sich die Haare bei dieser Vorstellung, denn mit Erbfolge hätte dies wahrlich nichts zu tun. Am Ende des Films retten die Musketiere dem König das Leben und nicht - wie im Buch nur den Ruf seiner Frau