Angriff ist die beste Verteidigung, dachte sich wohl Altmeister Francis Ford Coppola. Der 67 Jahre alte Regisseur wurde gefragt, ob das denn richtig sei, dass er über die Geldgier seiner alten Weggefährten Al Pacino, Robert DeNiro und Jack Nicholson gelästert habe. Die Berichte seien falsch, sagt Coppola beim Filmfest in Rom. „Ich verehre und respektiere die drei. Nicht ich habe DeNiro und Pacino zu dem gemacht, was sie heute sind, sondern sie mich.“ Das habe er richtigstellen wollen.

Auch sonst hat den alten Haudegen der Mut offensichtlich nicht verlassen. Kampflustig präsentiert er sein neues ambitioniertes Werk „Youth Without Youth“ und schimpfte dabei auf die Fortsetzungswut du Ideenlosigkeit Hollywoods. Es ist sein erster Film seit 10 Jahren. Zuletzt hatte er 1997 mit der Verfilmung des Grisham-Justizthrillers „The Rainmaker“ allenfalls Standard abgeliefert.

Sein neuer, offensichtlich sehr persönlicher Film basiert auf der Novelle „Jugend ohne Jugend“ des rumänischen Religionswissenschaftlers Mircea Eliade, der im vergangenen März 100 Jahre geworden wäre. Coppola nutzt die fantastische Geschichte eines 70jährigen Linguistikprofessors, der vom Blitz getroffen wird und nicht nur schwer verbrannt überlebt, sondern danach immer jünger wird, um sich mit Zeit- und Bewusstseinstheorien und existentiellen Fragen auseinanderzusetzen.

Professor Dominic Matei (Tim Roth) entwickelt nach dem Unfall auch außerordentliche geistige Fähigkeiten, spricht unzählige Sprachen und liest ganze Bücher in Sekundenbruchteilen. Diese Phänomene bleiben auch einigen Nazi-Wissenschaftlern nicht verborgen. Der Professor muss in die Schweiz fliehen. Dort trifft er auf Veronica (Alexandra Maria Lara), eine junge Frau, die seiner verstorbenen Jugendliebe Laura zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch sie wird Opfer eines Unfalls, redet unerklärlicherweise plötzlich in Sanskrit, später in Art Anfällen auch Altägyptisch und anderen alten Sprachen. Je weiter sie dabei in der Zeit zurückgeht, desto schneller altert sie körperlich.

Es ist eine krude Mischung, die Coppola präsentiert. Er vermengt philosophische Fragen mit einer kolportagehaften Handlung, in der die Hauptfigur Matei mit ihrem eigenen Doppelgänger hadert und Nazi-Huren Strumpfbänder mit Hakenkreuz tragen. Nicht immer ist klar, was Wachzustand und was Traum ist, Coppola löst in seiner mystischen Lehrstunde scheinbar alle Realitätsebenen auf und schreckt auch vor Kitsch und Pathos nicht zurück: Rote Rosen erscheinen wie durch Zauber in der Hand.

Er wollte im Alter noch mal „wie ein 16jähriger“ Filme drehen, sagt Coppola – ungestüm, leidenschaftlich, auch übers Ziel hinaus. Bei „Youth without Youth“ hat Coppola nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben und den Film selbst finanziert. Eine Reaktion auf die Kämpfe und Niederlagen in Hollywood: Bei „Der Pate“ war er kurz davor, gefeuert zu werden, weil er das Budget sprengte, die Dreharbeiten von „Apocalypse Now“ endeten fast im Fiasko.

Er habe zehn Jahre keinen Film gedreht, weil niemand seine Filme finanzieren wollte. „In Zukunft will ich so arbeiten: Mit meinem Weingut Geld verdienen und damit sehr persönliche Filme produzieren, bei denen mir niemand reinredet.“

Coppolas Oeuvre war schon immer eines der Hits & Misses – Grandioses wie die Patentrilogie und Bodenloses wie die Robin Williams-Komödie „Jack“. Nicht immer ist gleich klar, wohin das Barometer ausschlägt: „Apocalypse Now“ wurde bei seiner Premiere ausgebuht und erst Jahre später als Meisterwerk über den Vietnamkrieg rehabilitiert.

Ob mit seinem neuen Film ähnliches passiert, darüber lässt sich nur spekulieren. Bei der Premiere, zu der auch Ehefrau Eleanor, Tochter Sofia und Sohn Roman erschienen, rief die metaphysische Romanze jedenfalls recht widersprüchliche Reaktionen hervor. Film-Journalisten, auf diesem Publikumsfestival eher geduldete Zaungäste, reagierte verhalten bis ablehnend. Die Römer hingegen feiern den Film und Coppola als einen der ihren. Bei der Podiumsdiskussion wird er mit stehenden Ovationen begrüßt, immer wieder gibt es Zwischenapplaus – und er genießt sichtlich die Anerkennung.

Dafür streichelt er die italienische Kinoseele, als er sagt, dass neben den toten Meistern wie Fellini und Antonioni auch heutzutage viele hervorragende Regisseure in Italien Filme drehen. Und auf die Frage, was an ihm selbst italienisch sei, antwortet er: „Meine Mutter sagte mir, du bist in Amerika, dem Land unbegrenzter Möglichkeiten. Und mein Vater sagte, du kommst aus Italien, dem Ursprung großer Kultur. Mit dieser Kombination hätte ich es gar nicht besser erwischen können."

Die wirkliche Jugend verkörperte bei der Präsentation im Auditorium Parco della Musica aber Alexandra Maria Lara. Eine Rolle, die die 28jährige perfekt spielt: Sie ist die vielversprechende Jungschauspielerin aus Deutschland, die man auch international aus „Der Untergang“ kennt und sie gibt sich sympathisch bescheiden und ein bisschen aufgeregt. Sie erzählt, wie sie sich nicht getraut habe, Coppola anzurufen, als der ihr das Drehbuch mit Bitte um Rückruf schickte. „Beim ersten Mal habe ich einfach aufgelegt, als er ans Telefon ging.“ Coppola hat natürlich nicht locker gelassen und einfach zurückgerufen. Angriff ist die beste Verteidigung.