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Hugh Jackman soll ein Oscar-Desaster verhindern

Am Sonntag werden die Academy Awards vergeben. Doch die Oscar-Show verlief in den vergangenen Jahren alles andere als erfolgreich. Die Einschaltquoten sinken. Hoffnungsträger ist dieses Mal der neue Moderator Hugh Jackman. Er hofft zumindest witzig zu sein. Whoopi Goldberg hat ihm ein paar Tipps gegeben.

„Wie schaffen es Leute mit so schlechten Zähnen, so viele Oscar-Nominierungen einzuheimsen?“ Die Klage von „Fox News Entertainment“ war satirisch überzogen, aber im Kern patriotisch tief empfunden: Wie kann es angehen, dass in dieser Oscar-Saison wieder die Europäer (die in den USA durch Rauchen, schiefe Zähne und lustige Akzente auffallen) dominieren? Und wieder in Filmen, die das amerikanische Massenpublikum nicht gesehen hat?

Man kann sie verstehen. „Slumdog Millionaire“, der fast todsichere Kandidat für „Best Picture“, ist die Schöpfung von Briten: Danny Boyle (Regie), Simon Beaufoy (Buch) und dem Star Dev Patel, der in England aufwuchs. Hohe Wetten werden gehalten, dass Kate Winslet in der Kategorie „Best Actress“ für ihre Rolle in „Der Vorleser“ (auch die Deutschen mit Nazi-Trauma und besonders schlechten Zähnen sind vertreten); die Spanierin Penelope Cruz ist für „Vicky Christina Barcelona“ nominiert, und der Australier Heath Ledger dürfte postum für seine Rolle in „The Dark Knight“ ausgezeichnet werden. Europäer, alle Nicht-Amerikaner, gelten in der Academy und zunehmend in Besetzungsbüros in Hollywood als künstlerisch wandlungsfähiger, weniger zickig als die US-Stars.

Insider vergleichen dieses Jahr, in dem „Slumdog Millionaire“ wie ein Hurrikan über die Filmwelt kam, mit den Saisons, in denen „American Beauty“ und „Schindler's List“ den Zeitgeist erfassten, nicht das Massenpublikum, und siegten. „Slumdog“ wird in den USA etwa 100 Millionen Dollar einspielen. Nicht aufregend viel und doch weit mehr als die Mitbewerber um „Best Picture“ wie „Frost/Nixon“, „Milk“ (mit Sean Penn) und „The Wrestler“ (das grandiose Comeback des Mickey Rourke). „Benjamin Button“ mit Brad Pitt in der Titelrolle, nach Nominierungen führend, kam bisher auf 125 Millionen Dollar.

Die Blockbuster mit ihren Super-Helden werden in der Zeremonie eingearbeitet: „Wir feiern alle Filme“, sagt ein Mitglied der Academy, „das müssen wir tun, sonst werden wir zu einem kleinen Filmkunstklub.“ Es sieht, wie schon bei den „Golden Globes“, danach aus, als müsste das Boulevardtraumpaar Angelina Jolie/Brad Pitt, beide für gute Arbeit nominiert, sich doppelt geschlagen geben.

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Der Komplex Hollywoods gegenüber den Briten ist alt und der versteckte Groll echt, auch wenn er ironisiert wird. Diesmal sind allerdings auch Stars wie Sean Penn und Mickey Rourke, deren Konkurrenz um den „Best Actor“ zu den wenigen spannenden Wettbewerben zählt, alles andere als Mainstreamfiguren.

Penn galt zumal in den vergangenen acht Bush-Jahren als subversiv. Der fabelhafte Schauspieler und bekennende Linke reiste in Saddam Husseins Irak, raucht unentwegt, hat dennoch vorzeigbare Zähne und spielt den ersten offen schwulen Politiker Amerikas, Harvey Milk. Er wäre der sichere Sieger, wäre da nicht das großartig „geschundene Stück Fleisch“ namens Mickey Rourke.

Rourke hat George W. Bush in Schutz genommen, seit er überhaupt wieder Interviews gibt. Über Jahre, scheint es, schwankte der abgehalfterte Star, der als zweiter James Dean gefeiert worden war, zwischen Entziehung und Psychiatrie. Doch Hollywood liebt nichts so sehr wie Wiederauferstehungen. „Manchmal, wenn ein Mann alleine ist, ist sein Hund der einzige (Freund), den er noch hat.“

So sprach Rourke, als er den „Golden Globe“ gewann und rührte viele zu Tränen. Andere zu Hohnlachen. Inzwischen ist sein Chihuahua Loki an Altersschwäche gestorben. Man darf darauf hoffen,, dass Rourke, falls er den „Oscar“ gewinnt, für eine Leichenrede auf Loki und andere unterhaltsame, politisch nun korrekte Bemerkungen gut ist.

Unterhaltsamer, kürzer (unter drei Stunden), überraschender muss die Oscar-Show nach dem Plan von Produzent Larry Mark und Regisseur Bill Condon (das „Dreamgirls“-Team) werden. Die Einschaltquoten sinken seit Jahren. Alle komödiantische Kunst von Moderatoren wie Jon Stewart, Woopie Goldberg, Steve Martin, Billy Crystal half nicht mehr über die Längen und die Vorhersehbarkeit hinweg.

Also haben Mark und Condon strikte Geheimhaltung über Präsentatoren und Showteile verhängt. Und sie haben Hugh „Wolverine“ Jackman (41) für die Moderation engagiert. Der Australier mit nachweislich guten Zähnen hat zuletzt mit Nicole Kidman in „Australia“ einen Flop bei Kritik und an den Kassen vorzuweisen. Aber er kann mehr.

Seine Darstellung des wölfischen Muskelwesens in der “X-Men“-Serie – die jüngste Folge „Origins: Wolverine“ kommt am 1.Mai in deutsche Kinos, hat ihn reich und bei einem Massenpublikum bekannt gemacht. Doch sein Talent und sein Metier ist die Musical-Bühne. Jackman kann, wie er 2002 bis 2004 am Broadway in „The Boy from Oz“ bewies, wirklich singen und tanzen. Er hat Tonys und Emmys gewonnen und dreimal die Tony Award Show moderiert.

Seit Dezember arbeitet er intensiv an seiner Gastgeberrolle für die 81. Oscar Show: „Ich hoffe, ich werde witzig sein, aber niemand erwartet von mir, dass die Leute auf den Tischen liegen.“ Der Maasstab für eine erfolgreiche Oscar-Show sei ohnehin, dass der Moderator kaum in dem Treiben auffällt. Nervös mache ihn eigentlich nur ein Gedanke: „Auf die erste Reihe zu schauen und Jack Nicholson zu sehen."

Whoopi Goldberg gab ihm aus Erfahrung folgenden Rat: „Die ersten fünf Minuten werden zu den besten Deines Lebens zählen, weil so viel Energie im Saal ist. Noch hat niemand verloren, und jeder fühlt sich geehrt. Später wird es hart. Sie haben verloren, sie sind seit drei Stunden in ihren Abendroben, sie haben nichts gegessen. Genieße die ersten Minuten, Hugh, und dann musst du durchhalten.“