Ausstellung

Priamos' Silberschatz erstmals öffentlich zu sehen

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Peter Dittmar

Foto: © Staatliche Museen zu Berlin

Es ist das erste mal, dass das Museum für Vor- und Frühgeschichte im Langhansbau des Schlosses Charlottenburg acht Silbergefäße aus dem "Schatz des Priamos" zeigt. Sie werden bis zum 26. April im gezeigt. Dann schließt das Museum, um den Umzug ins Neue Museum vorzubereiten.

Acht Silbergefäße aus dem "Schatz des Priamos" werden bis zum 26. April im Museum für Vor- und Frühgeschichte im Langhansbau des Schlosses Charlottenburg gezeigt. Dann schließt das Museum, um den Umzug ins Neue Museum vorzubereiten. Es ist das erste Mal, dass diese gut 4000 Jahre alten Stücke seit der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg wieder öffentlich zu sehen sind. Das Besondere dieser kurzen Ausstellung verbirgt sich allerdings in einem Nebensatz: "1992 gelangten acht Silbergefäße aus dem Priamosschatz aus St. Petersburg zurück nach Berlin - sie stehen im Zentrum eines interdisziplinären Forschungsprogramms, für das bereits erste Ergebnisse vorliegen."

Ein ähnlicher Hinweis fand sich bereits vor einem Jahr im Oktober in einer Pressemitteilung zum "Tag der Restaurierung", als die Museen unter den "Objekten für Patenschaften und Spenden" auch das "Silbergefäß Sch 5873, 2. Hälfte 3. Jahrtausend v. Chr., Schliemann-Sammlung, Schatzfund A ('Schatz des Priamos'), Troja" vorstellten. Dabei wurde erwähnt, dass "Einige Objekte der bei Kriegsende als 'Beutekunst' in die Sowjetunion verbrachten Schatzfunde aus Troja in Berlin verblieben oder inzwischen von Russland restituiert" worden sind.

Das geschah recht unspektakulär, nachdem zwischen Russland und Deutschland 1990 in dem "Vertrag über gute Nachbarschaft" und erneut 1992 in dem "Regierungsabkommen über kulturelle Zusammenarbeit" vereinbart worden war, "dass verschollene oder unrechtmäßig verbrachte Kulturgüter, die sich in ihrem Hoheitsgebiet befinden, an den Eigentümer oder seinen Rechtsnachfolger zurückgegeben werden." Daraus wurde nichts, weil die Duma 1996/97 per Gesetz - und damit gegen internationales Recht - die erbeutete Kunst zum Nationaleigentum erklärte und eine Rückgabe nur in Ausnahmefällen, zu denen deutsches Kulturgut nicht zählt, zulässt. Der "Schatz des Priamos", von dem seit 1991 bekannt ist, dass er seit 1945 in geheimen Auslagerungsdepots des Moskauer Puschkin-Museums ge- und verborgen war, ist seit 1996 Teil der ständigen Präsentation dieses Hauses. 1994 durften Berliner Museumsexperten ihn in Augenschein nehmen.

Zu ihnen gehörte auch Hermann Born, Chefrestaurator des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, der das Forschungsprojekt leitet, bei dem anhand der acht Silbergefäße - vier der zwölf, die das Vorkriegsinventar verzeichnet, befinden sich noch im Puschkin-Museum - mit Hilfe von Röntgen- und Mikro-Computertomografieaufnahmen untersucht werden. Denn nur dann ist eine sachgerechte Restaurierung sowie eine galvanoplastische Nachbildung der nicht mehr zu rekonstruierenden Stücke möglich - wie bei dem Schnurösengefäß (SCH 5861), das nicht nur zu stark korrodiert, sondern auch zerbrochen und deformiert ist. Darüber wird Hermann Born auch am Freitag (24. April, 10 Uhr) im Rahmen des Kolloquiums über "Standards in der Restaurierungswissenschaft und Denkmalpflege" (23.-25. April) in dem Vortrag über "Troja - Ur - Gonur Tepe, Restaurierung und Untersuchung von Silber des 3. Jahrhunderts vor Christi" sprechen.

In der Dauerausstellung "Troja - Schliemann - Altertümer", in der seit 1996 das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit rund 500 Beispielen die ihm verbliebenen Funde aus Troja zeigte, waren diese acht Gefäße nicht zu sehen. Von Oktober an werden sie jedoch mit goldenen Schmuckteilen und dem Schatzgefäß aus Keramik, in dem der gesamte "Schatz des Priamos" geborgen war, den Mittelpunkt eines Raumes neben dem sogenannten Vaterländischen Saal im Neuen Museum bilden.

Museum für Vor- und Frühgeschichte , Spandauer Damm 22, Charlottenburg. Di-Fr 9 - 17; Sa/So 10 - 17 Uhr. Bis 26. 4.