Der Widerling ist ihm wunderbar gelungen: Als Stromberg ist Christoph Maria Herbst populär geworden. Im Sommer wird der Comedian bei den Wormser Nibelungen-Festspielen als Hagen in der Komödie "Das Leben des Siegfried" zu erleben sein. Dieser Tage dreht "Stromberg" die vierte Staffel der TV-Serie und ist auf Lesereise. Am 10. April liest er im Tempodrom aus Tommy Jauds Bestseller "Millionär".
Morgenpost Online: Wie oft werden Sie noch mit Herr Stromberg angesprochen?
Christoph Maria Herbst: Gar nicht mehr. Obwohl, in den letzten sechs Wochen sehr oft, was damit zusammen hängt, dass wir gerade "Stromberg" gedreht haben. Jetzt gibt es eine Pause. Nach Ostern hängen wir dann noch mal vier Wochen dran, so dass wir unsere zehn Folgen der neusten Stromberg-Staffel im Kasten haben. Da werde ich natürlich mit Herr Stromberg angesprochen.
Morgenpost Online: Dass heißt, keiner macht Sie, den Finsterling, mehr auf der Straße an?
Herbst: Das war in der Anfangsphase der Serie durchaus so. Da wurde mir sogar offen Prügel angeboten, weil man diesen Typen aus dem Fernsehen so eklig findet. Ich habe das ja immer unter Kompliment verbucht. Denn dann muss es mir gelungen sein, eine Rolle glaubhaft herüberzubringen. Das ist schließlich die Aufgabe eines Schauspielers. Aber so redet man natürlich nur, so lange man nicht im Krankenhaus an irgendwelchen Schläuchen hängt.
Morgenpost Online: Im britischen Originalformat "The Office" ist es ein dicker feister Typ. Sie spielen ja mehr einen windigen New-Economy-Typen?
Herbst: Aber nur äußerlich. Stromberg wüsste gar nicht, was New Economy ist. Aber der liebe Gott wollte mich lieber so etwas leptosomatisch haben. Wir haben damals auch überlegt, ob ich mir eine Plauze anfressen sollte, aber es hätte der Figur, ich meine der Rolle, nicht weiter geholfen. Wie Stromberg oben herum auszusehen hätte, war uns dagegen schnell klar. Er musste eine Halbglatze und diesen Schenkelbürsten-Bart haben. Er ist ja auch so merkwürdig braungebrannt. Er ist erfrischend widerlich.
Morgenpost Online: Derzeit drehen Sie die vierte Staffel. Inzwischen hat sich einiges in der deutschen Büro- und Arbeitswelt verändert. Spiegelt sich das in den neuen Folgen?
Herbst: Nein. Es bleibt schön in den Achtzigerjahren, wie wir es kennen. Da wollen wir dem Fan keine großen Quantensprünge zumuten. Wir weiten aber die Kreise ein wenig und werden uns nicht nur im Capitol-Großraumbüro aufhalten.
Morgenpost Online: Hängt Ihnen Stromberg nicht langsam zum Halse raus?
Herbst: Überhaupt nicht. Sonst könnte ich jetzt auch nicht voller Freude darüber plaudern.
Morgenpost Online: Sie sind Profi.
Herbst: Aber ich sitze hier nicht als Pinocchio und muss aufpassen, dass meine Nase nicht bis ins Unendliche wächst. Ich will jedoch nicht verhehlen, dass mir die zweijährige Pause gut getan hat.
Morgenpost Online: Im Sommer spielen Sie in Worms einen uralten Helden. Was verbindet Hagen von Tronje mit Stromberg?
Herbst: Oooooh. Da muss ich erst drüber nachdenken. Ich melde mich in den nächsten Tagen noch mal.
Morgenpost Online: Sie werden gerne zitiert, dass Sie vorhaben, irgendwann ernsthaft werden wollen?
Herbst: Wenn man mich lässt. Wir bewegen uns natürlich immer wieder in der Königsklasse Komödie. Zumal, wenn sie jetzt wieder von John von Düffel bedient wird. Und dass noch Openair auf der Sonnenseite des Wormser Kaiserdoms. Die Seriosität erobere ich halt in kleinen Schritten. Jetzt wanz ich mich an den Dieter Wedel ran - und vielleicht darf ich in einem seiner nächsten Filme mitspielen.
Morgenpost Online: Es heißt, dass Sie obendrein noch einen lyrischen Bariton anzubieten haben?
Herbst: Es ist keine Gesangskarriere geplant. Es ist keine CD in Arbeit. Das überlasse ich anderen Kollegen. Aber wenn es eine Rolle erfordert, bin ich mit meinem lyrischen Bariton dabei.
Morgenpost-Online: Was ist die große Sehnsucht des Schauspielers Herbst?
Dass ich das, was ich gerade mache, noch ein bisschen weiter machen darf. Und natürlich noch ein bisschen mehr. Das Ausprobieren in den verschiedensten Facetten, das ist meine Sehnsucht.
Morgenpost-Online: Jetzt sind Sie auf Lesetour und buchstäblich mit dem Bestsellerautor Tommy Jaud vom "Vollidioten" zum "Millionär" aufgestiegen. Bislang war es kaum möglich, durch Lesereisen reich zu werden.
Herbst: Es braucht sich keiner Sorgen um mich zu machen, ich komme zurecht. Im Übrigen werden im Zuge der Krise einige Milliardäre zu Millionären. Man kann sich dem Thema Millionär also aus verschiedenen Richtungen nähern.
Morgenpost Online: Sie kommen von oben?
Herbst: Ich schleiche mich von unten an. Und wenn mein Konto eine Eins mit sechs Nullen aufweist...
Morgenpost Online: ...ich weiß, melden Sie sich noch mal. Was ist Ihre schönste Erinnerung an die letzte Lesereise vor zwei Jahren mit Jauds "Vollidiot"?
Dass ich 30 Abende lang immer wieder Spaß am Vorlesen hatte. Das habe ich vorher nicht geglaubt. Und Kollegen hatten mich gewarnt, ob ich denn einen Knall hätte, mir gleich 30 Abende aufzubürden. Aber jeder Abend ist wie eine Premiere. Es ist immer ein anderer Ort, ein anderes Lachen.












