Popmusik

Damon Albarn - nach den Gorillaz auferstanden

Londons Pop-Schlaumeier Damon Albarn hat nach Blur und den Gorillaz ein neues Projekt. Mit drei Veteranen, unter anderem von den Bands The Clash und The Verve, macht er als "The Good, the Bad & the Queen" endlich wieder liebenswerte Lieder statt Kunstrock.

Foto: mv ab gr / DPA

Kein Zweifel herrscht an den Begabungen des Künstlers Damon Albarn. An den Endprodukten seines Schaffens schon. Zuletzt betrieb der 38-Jährige zwei Bands nebeneinander: Die inzwischen volljährige aber lustlos vor sich hin lärmende Gruppe Blur stand den Gorillaz gegenüber, einer interessanten Trickfilm-Formation, die auch noch bessere Musik erzeugte.

Albarn musizierte währenddessen meist in Mali. Wenn er sich daheim in London zeigte, dann als quengeliges Bühnen-Hologramm unter dem Pseudonym 2-D. Das schönste zweidimensionale Stück seiner Gorillaz hieß „Clint Eastwood“.

Seine neue Band trägt keinen Namen. Angesprochen wird sie auf moderne Weise durch den Titel des Projekts: „The Good, The Band & The Queen“. Damit bleibt der Bezug erhalten - zu Clint Eastwood, der 19xx in Sergio Leones "THe Good, the Bad & The Ugly" den Guten spielte. Und zum Selbstbild, das der Sänger Damon Albarn von sich durch die Welt trägt. Ein grundsätzlich mürrischer, von seinem Auftrag restlos überzeugter Einzelkämpfer, der zur Not mit nützlichen Chaoten koaliert, wenn nichts mehr hilft.

Es half nichts mehr: Mit gutem Willem konnte man dem letzten Blur-Werk „Think Tank“ noch den Willen zu verwirrender Weltmusik bescheinigen. Bei ehrlicher Betrachtung musste man den Wandel von gebildeten, geschmackssicheren Kinks-Erben zum Kunstrock-Kollektiv betrauern. „The Good, The Bad & The Queen“ wird als Gerücht in Großbritannien schon seit langem derart eifrig ventiliert, dass auf dem Festland überwiegend Furcht statt Freude herrschte. Eine Supergruppe! Ein Konzeptalbum! Zum Thema London! Damon Albarn!

Aber: Es ist alles nicht so schlimm, und das allein ist schon ein großes Glück. Zwar wird die namenlose Band von Kennern bereits „GBQ“ genannt wie eine grauenvolle Super-Group der frühen Siebzigerjahre. Aber Albarn hat sich helfen lassen. In Nigeria fieselte er erstmals an den nun zu hörenden Liedern mit dem Gitarristen Simon Tong herum. Der stille Brite war einst der Konkursmasse der Drogenband The Verve entstiegen. Dass die Zwei dort Tony Allen überreden konnten, auf dem Schlagzeughocker Platz zu nehmen, wird zu Recht als Heldentat gefeiert. Allen trommelte bereits für Fela Kuti.

Wie ein weiser Nestor wacht schließlich Paul Simonon, ein Überlebender von Punkrock und The Clash, darüber, dass die Lieder nicht aus ihren Formen fließen, sich die Weltmusik im Rahmen hält und die Talente Damon Albarns wieder zur Entfaltung kommen. Simonon sorgt mit inzwischen 51 Jahren für die heute notwendigerweise eher konservative Note. Er spielt den nicht übertrieben virtuosen Reggae-Bass aus eigenen Klassikern wie „Guns Of Brixton“.

Darauf ruht der Rest: mit Vorsatz dilettierende Gitarren und Klaviere, ehrgeizige Elektronik und die Schöselstimme Damon Albarns. Sie behandelt eine Stadt, die manches überstanden hat. Von mittelalterlichen Feuersbrünsten und exzentrischen Monarchen bis zu trüben Sonntagen, die Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und den Pop-Patriotismus, an dem Damon Albarn nicht ganz schuldlos war. Im wesentlichen handelt es sich aber endlich wieder um ein Dutzend liebenswerter Lieder.

The Good, The Bad & The Queen (EMI) erscheint am Freitag.