Vatikan

Expertin bezweifelt Echtheit der Paulus-Gebeine

Die Echtheit der Knochenreste im römischen Paulusgrab lässt sich nach Expertenansicht wissenschaftlich nicht beweisen. Die Theologin Carola Jäggi von der Universität Erlangen-Nürnberg warnt vor Wunschdenken. Die Geschichte des Reliquienkultes kenne auch viele Fälschungen.

Die Echtheit der Knochenreste im römischen Paulusgrab lässt sich nach Expertenansicht wissenschaftlich nicht beweisen. „Wir haben von Paulus keine DNA, wir haben nichts was wir vergleichen könnten“, sagte die Lehrstuhlinhaberin für Christliche Archäologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, Carola Jäggi, der Nürnberger Zeitung (Dienstagsausgabe). Die Bekanntgabe des Papstes, dass die gefundenen Gebeine aus der Pauluszeit vom ersten zum zweiten Jahrhundert stammten, sei keineswegs eine Sensation.

„Dass in einem Sarg Knochen liegen, gehört sich für ein Grab“, sagte die evangelische Theologieprofessorin. Es gebe jedoch keine Möglichkeit, sie als Überreste des Heiligen Paulus zu identifizieren. Jäggi warnte vor Wunschdenken. Die Geschichte des Reliquienkultes kenne viele Fälschungen.

Bei den Apostelfürsten Petrus und Paulus habe der Kult um die Grabstätten erst um das Jahr 200 eingesetzt, rund 140 Jahre nach ihrem Tod. Erst seit diesem Zeitpunkt seien aus Verehrungsbedürfnis heraus Bestattungsorte lokalisiert worden. „Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob das tatsächlich das Grab war“, sagte sie.

Papst Benedikt XVI. hatte zum Abschluss des Paulusjahres in der archäologischen Entdeckung eine Bestätigung der kirchlichen Tradition gesehen, dass im Paulusgrab tatsächlich der Heilige Paulus liege. Er hatte sich davon tief bewegt gezeigt. Der Apostel Paulus wurde der Überlieferung zufolge um das Jahr 67 nach Christus in Rom enthauptet. Bestattet soll er an der Via Ostiense sein, wo im 4. Jahrhundert ein Vorgängerbau der heutigen Basilika „San Paolo fuori le mura“ (Sankt Paul vor den Mauern) über seinem Grab erbaut wurde.

( epd/fp )