„Der neue Wedel“, so verlautete vor Monaten, gehe hart mit dem deutschen Gesundheitssystem ins Gericht. Das Gesundheitssystem erblasste. Jetzt ist der neue Wedel da – heiter und albern und bitter und bissig. „Mein alter Freund Fritz“ erzählt von einer eben privatisierten Klinik. Ärzte und Schwestern arbeiten am Rand der Erschöpfung. Mit letzter Kraft geißeln sie die Sparexzesse ihrer Geschäftsführung: „Wir Ärzte sollen zu Händlern statt Heilern werden.“ Die ersten Minuten wirken wie ein Positionspapier des Marburger Bundes. Doch dann kriegt Wedel die Kurve und findet ein größeres Thema: Menschlichkeit. Der Regisseur artikuliert sein Unbehagen an einer Gesellschaft, die sich im Schweinsgalopp ökonomisiert, jede Regung in Euro umrechnet und immer alles erklären können will. Dazu hätte sich gewiss ein kontemplativer Film anfertigen lassen. Wedel entschied sich für eine Fantasy-Komödie.
Professor Harry Seidel ist ein erstklassiger Chirurg. Seine Patienten sind für ihn defekte Menschen, die man entweder reparieren kann oder nicht. Doch dann hat der effiziente Gesundheitstechniker einen Autounfall. Dabei widerfährt ihm etwas, was sich naturwissenschaftlich schlecht erklären lässt: Er sieht einen Geist, den verstorbenen Freund und Kollegen Fritz (Maximilian Brückner). Das Wesen wird lästig. Es verfolgt den Chirurgen bis ins Schlafzimmer zur ehemüden Gattin (Veronica Ferres). Und, schlimmer, es piesackt ihn mit Vorträgen über die gemeinsamen früheren Ideale von einer humaneren Humanmedizin. Als Seidel bei der Visite einen Krebskranken schnell abfrühstücken will, spricht der Geist: „Hör ihm noch ein bisschen zu. Was er jetzt braucht, ist Zeit und Zuwendung.“
Ulrich Tukur spielt die Hauptrolle. Sein wunderbares Spiel hält den Film zusammen. Überhaupt sind die Schauspieler die Stärke dieses sympathischen Films, der intensiv und stilsicher inszeniert ist, aber manchmal leider ein wenig zu dick aufträgt. Dennoch: „Mein alter Freund Fritz“ sucht nach einem unkonventionellen, unterhaltsamen Zugang zu einem gern verdrängten Thema. Und er vermittelt eine Botschaft, über die sich diskutieren lässt. Er ächzt zwar etwas unter ihrer Last. Aber er trägt sie eineinhalb Stunden und sie ihn.


