ProSieben

Bernd Stromberg, das herrliche Charakterschwein

| Lesedauer: 2 Minuten
André Mielke

Die ProSieben-Serie um den ganz normalen Wahnsinn im Büroalltag einer deutschen Versicherung geht in die dritte Runde. Das Schöne: Oberekel Stromberg wird wieder Vizechef, die Verbannung in den Aktenkeller ist vorbei. Und er will sich rächen.

„Da bin ich wieder. Wie 'ne Katze: Wenn man denkt, da ist Feierabend, dann habe ich immer noch fünf, sechs Leben in der Hinterhand.“ – Mal langsam: Nun beginnt Bernd Stromberg erst einmal sein Leben Nummer drei; das heißt, am Montag abend startete auf ProSieben die dritte Staffel der nach ihm benannten Comedy.

Die Qualität der Serie - ihr Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst und Autor Ralf Husmann wurden mit Preisen überhäuft - spiegelte sich allerdings nicht in den Quoten. Immerhin gibt es eine treue Anhängerschaft. Über „ Stromberg “ wird mehr geredet und geschrieben als über die meisten Sendungen mit besseren Marktanteilen.

Was macht man mit einer ruhmreichen Serie, die sich nicht rechnet? Macht man Feierabend? Nun, ProSieben produziert sie tapfer weiter, strahlt sie aber von Staffel zu Staffel immer später aus. In Richtung Mitternacht wird der Quotendruck geringer. Wahrscheinlich hat diese Comedy es beim Massenpublikum auch deshalb schwerer, weil ihr Humor eher uncharmant ist. „Stromberg“ gibt sich wie eine Doku-Soap; so, als würden Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft von einem Fernsehteam bei der Arbeit beobachtet, beziehungsweise bei den Aktivitäten, die sie in ihrer Arbeitszeit entfalten.


Bernd Stromberg ist eine Figur, in der alle erdenklichen Witze und Vorurteile über Vorgesetzte komprimiert sind. Sie bedient alle Klischees und spottet ihrer. Stromberg buckelt und tritt. Er schleimt und schmäht. Er grapscht und mobbt. Er prahlt und jammert. Er hat niemals Ahnung, aber immer eine Meinung. Er ist kläglich, aber auch bemitleidenswert. Es schließt sich nicht aus, ein mieses Schwein und eine arme Sau zu sein.

In der ersten Staffel wähnte sich Stromberg auf dem Weg nach oben. Mit all seiner seelischen Verkommenheit versuchte er, seinen Kollegen hinfortzukegeln. Vergebens. In Staffel zwei war Stromberg dann nur noch Stellvertreter. Das Kapitel endete für ihn im Archiv. Im Keller. Für die dritte Staffel wurde der Verbannte inzwischen zurück auf seinen alten Posten als Vizechef gehievt. Der Verwaltungsdirektor betrachtet Stromberg wegen dessen Medienpräsenz nämlich als idealen Werbeträger für die Versicherung. Stromberg macht sich mehr denn je zum Affen. Aber er wirkt nicht mehr ganz so funkelnd peinlich. Er spukt durch den Großraum wie ein Troll auf Speed. „Stromberg“ ist immer noch komisch genug, um im deutschen Fernsehen am komischsten zu sein.

„Stromberg“, montags 22.45 Uhr, ProSieben