Den Arm hat er nicht mehr in der Schlinge, wie noch bei der Weltpremiere des jüngsten Bond-Films „Ein Quantum Trost“ in London. Bei der Deutschland-Premiere am Montagabend in Berlin gab sich Daniel Craig sehr entspannt und ausgeruht.
Morgenpost Online: Herr Craig, was macht die Schulter?
Daniel Craig: Sehr gut, danke der Nachfrage. Es verheilt gut. Ich bin noch etwas schwach, weil ich halt unterwegs bin. Aber ich mache täglich intensiv Physiotherapie.
Morgenpost Online: Was genau hatten Sie eigentlich?
Craig: Beim ersten Bond Film ist etwas in meiner Schulter gerissen, und beim zweiten habe ich mir die Schulter dann echt verletzt. Erst als starke Schmerzen bekam, habe ich einen Arzt aufgesucht. Der hat mich beruhigt: Drehen Sie erst mal den Film ab, dann kommen Sie wieder. Das habe ich getan. Und mich endlich operieren lassen. Jetzt bin ich fit für den nächsten.
Morgenpost Online: Wie britisch ist James Bond eigentlich noch in Zeiten der Globailisierung?
Craig: Ich hoffe, er ist immer noch so britisch wie möglich. Ich bin jedenfalls Brite, mehr kann ich nicht sagen. Aber natürlich ist der britische Bond des Kalten Krieges ein ganz anderer als der von heute. Er ist jetzt ganz anders angelegt; nur deshalb habe ich die Rolle ja auch angenommen. Um ihn umzuschreiben. Aber eine gewisse Integrität gegenüber dieser Regierung wird er immer behalten. Daran möchte ich jedenfalls glauben dürfen. Andernfalls ginge alles den Bach runter.
Morgenpost Online: Sind Sie Royalist?
Craig: Nein, bin ich nicht. Ist Bond, glaube ich, auch nicht. Er ist nur loyal, nicht royal.
Morgenpost Online: Vor Ihrem ersten Bond wurden Sie lange als Weichei verhöhnt, jetzt titeln Hochglanzmagazine mit Ihnen als „bestem Bond aller Zeiten“. Ist das eine Genugtuung für Sie?
Craig: Ich denke darüber nicht viel nach. Die Häme damals hat sehr weg getan, auch weil sie sehr persönlich war. Deshalb ist es jetzt natürlich ein großes Kompliment, das zu hören. Aber ich hoffe, nach mir kommt ein anderer, der einen noch besseren Job macht und dem man das auch sagt.
Morgenpost Online: Eine sehr britische Antwort.
Craig: Here you go!
Morgenpost Online: War es das zweite Mal einfacher als das erste, Bond zu sein?
Craig: In gewisser Hinsicht, ja. Wir hatten Erfolg. Großen Erfolg. Insofern lastet nicht mehr so großer Druck auf uns, ob unsere Neuerfindung ankommen würde. Andererseits gibt es jetzt natürlich einen um so größeren Erfolgsdruck, wieder so gut zu sein wie mit „Casino Royale“. Aber Erfolgsdruck ist doch die Art von Druck, die wir mögen, oder?
Morgenpost Online: Orientiert sich Ihr James Bond mehr an anderen Actionthrillern als an früheren Bond-Filmen?
Craig: Dem kann ich nicht zustimmen. Wir haben uns ganz bewusst überlegt, was wir an Bond am meisten mögen. Und am besten haben uns die Bond-Filme der frühen Sechziger, „Dr. No“ und „Liebesgrüße aus Moskau“ gefallen. Die haben, was den Look und das Visuelle angeht, die Sechziger sehr beeinflusst. Dahin wollten wir zurück: einen sehr stylischen Bond zu kreieren. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass dieser Film viel stilistischer ist als „Casino Royale“.
Morgenpost Online: Sie würden nicht sagen, dass Ihr neuer Bond sich an den Bourne-Filmen orientiert? Ein gebournter Bond, sozusagen?
Craig: Ich bin ein großer Fan der Bourne-Filme. Aber die leben zu 90 Prozent von der Handkamera, da wird die Action viel taffer. Meiner Meinung nach schon viel zu viel. Wir drehten das eher auf sehr klassische, fast schon altmodische Art. Mit vielen Kameras. Wir sind nicht nur mittendrin, sondern schauen auch von weit weg drauf. Das macht die Orientierung einfacher. Darum geht es in Bond-Filmen.
Morgenpost Online: Wie viel Bond steckt noch in Bond? Er raucht nicht mehr, er trinkt kaum noch und hat – mit einer winzigen Ausnahme – diesmal keinen Sex.
Craig: Nun, in „Casino Royale“ haben wir erzählt, wie sich diese Figur verliebt hat und wie sein Herz gebrochen wurde. Das war so ein harter Schlag, dass wir uns entschlossen, dort anzuknüpfen und diese Verletzung weiterzuerzählen. Da wäre es ein Widerspruch gewesen, wenn er nach zehn Minuten ins Bett gesprungen wäre.
Morgenpost Online: Wird Ihr Bond jetzt ein Safer-, ein No-Sex-Bond?
Craig: Für diesen Film wäre es falsch gewesen. Aber wir haben viel, viel Zeit dafür, um das noch erzählen zu können? Wir haben den neuen Bond mit diesen beiden Filmen jetzt solide eingeführt. Von nun ist alles möglich. Unterwasser- und Vulkanbasen, Figuren wie Moneypenny oder Q: Das alles könnte es jetzt wieder geben. Es würde mich freuen, wenn wir sie wiedererfinden würden. Aber das müssten dann die besten Schauspieler sein, die wir dafür finden können.
Morgenpost Online: Bei „Casino Royale“ scherzten wir noch darüber, ob man Bond nicht auch mal metrosexueller darstellen könnte, ob er nicht auch mal eine schwule Szene kriegen sollte. Witzeln Sie darüber immer noch?
Craig: (grinst verlegen) Inzwischen steht das ja auch schon im Internet, ich werde immer mal wieder drauf angesprochen. Ich habe nichts gegen schwule Rollen, ich habe, wie Sie wissen, auch selber schon welche gespielt. Aber ich werde nie, nie einen schwulen James Bond spielen. Das wird es mit mir nicht geben.
Morgenpost Online: Wie stark haben Sie denn Einfluss auf die Filme und Ihre Figur?
Craig: Ich halte meinen Mund nie! Ich liege dem Regisseur vom ersten Tag an in den Ohren. Und: Die Regisseure wechseln, ich bleibe. Ich bete sie und die Produzenten auch an, immer die besten, die stärksten Schauspieler zu engagieren.
Morgenpost Online: Diesmal kam der Regisseur, Marc Forster, einmal aus einer, ich sage mal, sehr james-bond-fremden Filmecke.
Craig: Ja, aber da komme ich ja auch her. Ich habe zuvor ja auch Dramen mit Regisseuren wie ihm gedreht. Wir fühlten uns da sehr nahe.
Morgenpost Online: „Ein Quantum Trost“ ist der bislang kürzeste Bond-Film. War das Absicht.
Craig: Keineswegs.
Morgenpost Online: Sind da Sachen rausgeschnitten worden, die wir erst als Special Edition auf DVD sehen werden?
Craig: Special Editions interessieren mich nicht. Beim Prozess des Filmemachens geht es genau um den Druck: Was drehst du, was soll in den Film? Und dieser Druck führt zu großen Filmen. Natürlich kannst du einen Regisseur zwölf Jahre an einem Director’s Cut basteln lassen. Da kann man dann vielleicht an einem interessanten Prozess teilhaben. Aber es wird den Film nicht besser machen. Filme wie die Bond-Filme brauchen diesen Druck. Die Leute arbeiten härter.
Morgenpost Online: Bekommen Sie jetzt, als Bond, mehr Angebote als zuvor? Oder sind Sie jetzt auf diese Rolle reduziert?
Craig: Um Gottes Willen! Es gibt mehr Angebote, aber gute Scripts sind immer noch so schwer zu finden wie vorher. Da hat sich nichts geändert. Aber ich mach jetzt erst mal Pause, für mindestens ein Jahr. Ich habe eine sehr anstregende Zeit hinter mir. Erst mal kuriere ich jetzt meine Schulter aus.
Morgenpost Online: Hätten Sie je gedacht, wie hart dieser Job sein würde, Bond zu sein? Nicht nur beim Drehen, sondern auch mit dem ganzen Medienrummel?
Craig: Ich habe lange überlegt, ob ich das machen sollte. Ich hatte schon so eine Ahnung, worauf ich mich da einlasse. Mir war schon klar, dass das mein Leben ändern würde und was da für Leidenschaften dran hängen. Ich hatte ja auch eine Leidenschaft dafür. Aber um ehrlich zu sein: Ich hätte nie vorhersehen können, wie viel Leidenschaft da drin steckt.




