Oben ohne? Blankes Entsetzen macht sich auf dem Gesicht eines Kollegen breit, als er hört, dass sich Heidi Klums Mädchen in der dritten Folge von Germany’s Next Topmodel“ ganz ohne Haare auf dem Kopf präsentieren. „Das können die doch nicht machen“, stammelt der Mann, 31 Jahre alt, vor dessen geistigem Auge die Bilder der kürzlich kahlgeschorenen Britney Spears vorbeizuziehen scheinen. „Haare“, sagt er flehend, „Haare sind doch das Allerschönste an einer Frau.“

Stimmt nicht! Meint zumindest Heidi Klum. Wahre Schönheit zeigt sich auch mit Glatze. Sie selber hat zwar gerade erst einen Werbevertrag für Haarspray unterschrieben und die eigenen Locken hübsch aufgeplustert, aber wer auf dem Laufsteg erst noch was werden will, der muss sich für die Model-Show der Frau aus Bergisch Gladbach nackig machen. Zumindest auf dem Kopf.

Und das ist auch gut so – für die Einschaltquoten. Hätte der Kollege nicht mit eigenen Augen sehen wollen, was mit der Haarpracht der Schönen passiert, dann hätte er die zweistündige Sendung vermutlich nicht länger als zwanzig Minuten durchgehalten. Denn nicht nur Germany’s Next Topmodel zu werden, ist höllisch anstrengend. Auch Germany’s Next Topmodel zu gucken, kann einen fertig machen.

Der Wortschatz von Bruce

“Fucking geil, super, sexy, sexy, sexy, yes!” Das ist in etwa der Wortschatz, mit dem Model-Trainer Bruce ausdrückt, dass etwas gut gelaufen ist. War es schlecht, ruft er: „Das war absolute Scheiße.“ Dazu gehört auch, dass eins der Mädchen verbotenerweise immer noch ein Piercing in der Zunge trug und eine andere eins in der Brustwarze verheimlicht hat.

Die exzentrischen Marotten von Bruce, die in der ersten Folge noch halbwegs charmant wirkten, werden nun nervig. Und langweilig. Seine Catwalk-Trainingseinheit zieht sich wie ein überlanger Laufsteg. Witziger ist die Model-Übung „Wie gehe ich mit der Presse um?“ Hugo Egon Balder übernimmt als Gast den Part des Boulevard-Journalisten und die rothaarige Barbara meistert die Fragestunde besser als alle anderen. Die 20-Jährige studiert Mathe und scheint nicht nur ein hübsches, sondern auch ein schlaues Köpfchen zu sein.

Und Heidi? Frau Klum sagt vor allem eins: „Muah, Muah!“ Das ist die Lautmalerei, mit der sie ihr Küsschen links, Küsschen rechts verstärkt. Und geküsst wird viel. Geweint auch. Aber dafür sind die vierzehn noch verbliebenen Mädchen zuständig. Obwohl die Klum lieber sieht, wenn sie ein nettes Gesicht machen. „Ihr sollt lächeln, auch wenn Ihr nicht voll am lachen seid“, gibt sie den Damen fürs Foto-Shooting mit auf den Weg. Aha.

Das Ding mit der Glatze

Und dann kommt sie endlich, die haarige Angelegenheit. Trommelwirbel - mit einer dramatischen Geste wird die Schneidemaschine angesetzt. War nur ein Witz! Die Glatze ist aus Gummi und wird übergestülpt. Der Kollege kann aufatmen und darüber staunen, was für schöne Bilder Modefotograf Nihat Odabasi von den kahlen Frauen gemacht hat.

Das war das Highlight der Sendung. Auch, weil die 21-jährige Janina so sympathisch mit ihren nun für alle sichtbaren Segelohren umging. „Ich seh’ aus wie Dumbo der Elefant“, scherzte sie und kam eine Runde weiter. Obwohl die Maskenbildnerin die abstehenden Lauscher zwischenzeitlich angeklebt hatte, was Chefin Heidi gar nicht lustig fand. „Das ist unfair.“ Gleiches Recht für alle Köpfe.

Ohren hin, Haare her – am Ende mussten zwei gehen. Enyerlina, die sich heimlich nachgeschminkt hatte, und Antje, die darüber aber gar nicht so traurig war: „Ich freue mich wahnsinnig auf zu Hause.“ Ihr bleibt jedenfalls eins erspart: Die Vorschau auf den vierten Teil zeigt weinende Mädchen und fallende Haare. Oh weh, der Kollege muss wohl doch noch bangen.