In Berlin ließ sich Annie Leibovitz, eine der bekanntesten Fotografinnen Amerikas, dieser Tage feiern wie ein Star. Besser konnte es für sie in der deutschen Hauptstadt nicht laufen: Ihre Ausstellung „A Photographer’s Life, 1990 – 2005“, ein faszinierendes Potpourri ihrer großen Promi-Ikonen mit kleinformatigen Fotos aus ihrem Privatleben, zieht die Menschen zu Tausenden in die Oranienburger Straße. Freitagabend wurde die Schau im Postfuhramt eröffnet und schon jetzt zählen die Veranstalter der Galerie C/O Berlin mehr als 10.000 Besucher. Ein Rekord in der Geschichte dieser Galerie.
So gut geht es Leibovitz in New York, wo die 59-Jährige mit ihren drei Kindern lebt, nicht. Sie scheint in derart finanzielle Turbulenzen geraten zu sein, dass es der „New York Times“ nicht nur eine Meldung, sondern einen größeren Artikel wert ist. Wie die „Times“ berichtet, hat sich die Fotokünstlerin von der Art Capital Group (ACG) insgesamt 15 Millionen Dollar geliehen.
Als Pfand bot sie, neben ihren Stadthäusern in Greenwich Village, offenbar die Rechte an all ihren Bildern. Warum Leibovitz, die für „Vogue“ arbeitet und als eine der bestbezahlten Frauen ihres Metiers ist, so knapp bei Kasse ist, darüber kann man nur spekulieren. Wie die „Times“ aus Kunstkreisen erfuhr, braucht Leibovitz das Geld vor allem dringend, um Hypotheken abzuzahlen. Die Zinssätze liegen bei 6 bis 16 Prozent.
Nun ist Annie Leibovitz nicht die einzige prominente Künstlerin, die im finanzkrisengeschüttelten New York Geldsorgen plagen. Auch Julian Schnabel hat sich bei der ACG Geld geliehen – und bürgt nun mit seinem extravaganten Palazzo Chupi, einem Gesamtkunstwerk in italienischer Manier, das er entworfen hat.
Art Capital Group, in der feinen New Yorker Madison Avenue gelegen, definiert sich selbst als „Privatbank für die Kunstwelt“. Betrachtet man sich ihr Profil, so ist es recht schillernd. Denn die ACG bietet nicht nur das klassische Bankgeschäft für Künstler und Galeristen, sondern organisiert auch Auktionen und Ausstellungen, vermittelt exklusive Galerieräume und entwickelt bei Bedarf auch Strategien zur Wertentwicklung privater Sammlungen. Der Handel scheint einfach: Kann der Künstler als Kreditnehmer nicht zahlen, ist sein Werk Eigentum von ACG und kann von dieser angeboten werden.
Laut „Times“ rechnet das Unternehmen in diesem Jahr mit einem Gewinn von 120 Millionen Dollar, ein mehr als sattes Plus im Vergleich zum Vorjahresgewinn, der bei 80 Millionen lag. So recht verwundert der Zuwachs dieser Branche nicht. In Krisenzeiten, in denen viele Banken nichts mehr geben, blüht die Spekulation mit der Kunst – gute Kunst verliert eben nie ihren Wert. Die Versteigerung der Kollektion von Yves Saint Laurent in Paris hat es gerade bewiesen.











