Jochen Alexander Freydank ist mit seinem Kurzfilm „Spielzeugland“ für eine Trophäe im Rennen und darf bei bei der Verleihung an diesem Sonntagabend in Los Angeles mitfiebern. „Ich bin wahnsinnig aufgeregt, aber es auch eine große Freude für mich, überhaupt nominiert zu sein, es ist schon mehr als ich mir je erträumen konnte, der Oscar selbst wäre dass i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen“, sagte er. „Immerhin habe ich drei bis vier Jahre meines Lebens für diesen Film investiert.“

„Spielzeugland“ ist nach Angaben seiner Agentur sein „absolutes Herzprojekt“ und war mit zahlreichen Festivalpreisen bislang sein größter Erfolg. Der in Berlin gedrehte Film handelt von einer Mutter (Julia Jäger, „Berlin is in Germany“), die zur Zeit des Nationalsozialismus ihren kleinen Sohn vor der Wahrheit über die Deportation der jüdischen Nachbarn schützen will. Der Junge glaubt, diese reisen ins „Spielzeugland“. Die 14-minütige Geschichte wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert.

Freydank sieht die besondere Stärke seines Films, der „auch gegen alle Holocaust-Leugner in der ganzen Welt oder die Neonazis in Deutschland und sonstwo“ gerichtete sei, in der Emotionalität, wie er es auch wieder bei Vorführungen in den USA unter den Zuschauern bemerkt habe. Noch wichtiger sei ihm aber daran zu erinnern, was die sogenannten kleinen Leute in der NS-Zeit gedacht und getan haben. „Für mich war es schon immer problematisch, den ganzen deutschen Widerstand immer auf Stauffenberg und die preußischen Offiziere zu reduzieren.“ Es habe viele Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Kirchenleute und eben einfache Arbeiter gegeben, „die einfach menschlich reagiert und gezeigt haben, dass man sich nicht alles gefallen lassen darf“.

Von Filmhochschulen abgelehnt

Der 40-Jährige wurde an Filmhochschulen abgelehnt, ließ sich aber davon nicht beirren. Er begann seine Karriere als Cutter, arbeitete jahrelang als Regieassistent für Film und Fernsehen. Er schrieb Drehbücher (zum Beispiel für den „Polizeiruf 110“ oder „Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen“) und führte Regie bei Off- Theaterstücken sowie bei Werbe- und Kurzfilmen. 1999 gründete Freydank seine eigene Firma, um seine Projekte realisieren zu können. „Ich bin Regisseur“, betont er, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird.

2002/2003 drehte er eine kleine politische Satire mit dem Titel „Dienst“ über einen Wachmann. „Eine schwarze Komödie, wie ich überhaupt zum schwarzen Humor neige“, wie Freydank sagt. Jetzt plant er seinen ersten „richtigen“ 90-Minuten-Kinofilm, über den er aber noch nicht sprechen will, solange nichts unterschrieben ist - Künstler sind abergläubisch. Auch an eine Kinoproduktion „Der Bau“ nach Franz Kafka ist später einmal gedacht.

Freydank, dessen Produktionsfirma „Mephisto Film“ heißt, könnte bei der Oscar-Verleihung in die Fußstapfen von Florian Gallenberger treten, der 2001 für den besten Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

dpa/apä