Ausstellung

Das Bauhaus-Archiv zeigt Fotos von Andreas Feininger

| Lesedauer: 5 Minuten
Gabriela Walde

Foto: BMO

Seine Aufnahmen von New York kennt eigentlich jeder. Der Altmeister der Schwarz-Weiß-Fotografie, Andreas Feininger, hatte stets ein Faible für die Bauhaus-Ästhetik. Jetzt werden seine zu Klassikern gewordenen Aufnahmen im Berliner Bauhaus-Museum am Landwehrkanal gezeigt.

Ab 1939 suchte er in New York einen Job als Fotoreporter. Er fand ihn - beim "Life-Magazine", wo er 20 Jahre bleiben sollte. Seine legendären, ja zeitlosen New Yorker Fotografien kennt jeder, viele sind als Postkartenmotiv ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, auch wenn der Name dahinter nur wenigen bekannt ist.

Vielleicht liegt es daran, dass Andreas Feininger stets im Dienste seiner Schwarzweiß-Fotografie stand, sein Ego selten - im Gegensatz zu vielen Starfotografen - in den Vordergrund spielte. Er verstand sich vielmehr als tüftelnder Ingenieur der Fotografie, baute sein Equipment selbst und schrieb Lehrbücher über die Fotografie, um sein Wissen weiterzugeben. Inspiriert hat ihn, kaum verwunderlich, besonders die Bauhaus-Ästhetik: allen voran Klarheit und Funktionalität, die sich aus den Elementen von Perspektive, Kontrast und Schärfe ergeben.

Jubiläum mit zahlreichen Ausstellungen

Seine Fotos zum "New York der Forties" sind nun im Bauhaus-Archiv erstmals überhaupt in dieser Vielzahl und in so konzentrierter Form zu sehen: das Empire State Building, Feuertreppen, Hochbahnen, Brücken, Hafenanlagen. Alle diese Aufnahmen faszinieren in ihrem Aufbau und ihrer kühlen wie kühnen Struktur durch ihre skulpturale Qualität: der Fotograf Feininger blieb in jeder Sekunde hinter der Kamera als sensibler Architekt präsent.

Mit Andreas Feininger eröffnet das Bauhaus-Archiv, das die umfangreichste Bauhaus-Kollektion weltweit beherbergt, den Ausstellungsreigen im Jubiläumsjahr. Es ist kein ganz großes Datum, und doch: Seinen 90. Geburtstag feiert das 1919 von Walter Gropius gegründete Bauhaus dieses Jahr mit zahlreichen Ausstellungen in Weimar, Dessau, Berlin bis hin nach New York. Die zentrale und größte Präsentation wird unter dem Titel "Modell Bauhaus" ab 22. Juli im Berliner Martin-Gropius-Bau stattfinden. Vergleichbar im Umfang wohl nur mit der 1968 in Stuttgart konzipierten Schau. Mit einem Unterschied: Erstmals in ihrer Geschichte, im zwanzigsten Jahr des Mauerfalls, arbeiten Weimar, Dessau und Berlin hier gemeinsam an einem Projekt, das über 900 Exponate zusammenführen wird. Immerhin die Hälfte davon stammt aus Berlin. Das Weimarer Haus konzentriert sich auf die eigene turbulente Bauhäusler-Zeit, Dessau ist auf die Dessau-Periode spezialisiert, während die Hauptstadt sammlungstechnisch ein Allrounder ist.

Die Ausstellung im Gropius-Bau wird die Geschichte des Bauhauses aufblättern und sich weitergehend mit dessen Wirkung beschäftigen. Warum Berlin und nicht die Klassikerstadt Weimar als Geburtsort der Bauhäusler-Idee? 1925 erfolgte der Umzug nach Dessau - es hatte Querelen mit der konservativen thüringischen Regierung gegeben, der das offene, auf die Verschmelzung der Künste hin angelegte Konzept und die liberale Attitüde der Bauhäusler ein Dorn im Auge war. Ende 1926 bezog der Trupp um Walter Gropius dort das von ihm entworfene Gebäude. 1932 zog das Bauhaus nach Berlin. Berlin war die letzte Station des Bauhauses, ehe es unter dem Druck der Nazis 1933 dicht gemacht wurde.

All diese Aspekte wird die Ausstellung im Gropius-Bau behandeln, ebenso wie die berühmten "Meister" Lyonel Feininger, Paul Klee oder Wassily Kandinsky, die spätere Verfolgung vieler Künstler und die Exilsituation. Es wird auch darum gehen zu beleuchten, wie damals die Planung neuer Bauprojekte verlief, wie mit Materialien experimentiert wurde und in welcher Weise die Pädagogik soziale Fragestellungen mit einbezog.

Wie bei vielen anderen Strömungen in der Kunst entstand auch die Idee für das Bauhaus aus einer Opposition gegen das Bestehende heraus. "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! ... Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! ... Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers." So schrieb Walter Gropius in seinem Manifest. Was hier zunächst kunst-utopisch klang, hatte eine gesellschaftspolitische Dimension. Gropius & Co. setzten auf ein reformiertes Wohnmodell, das seinen Ansatz in einer ganzheitlichen gedachten Gesellschaft hatte.

Das Bauhaus als Labor der Moderne

Diese Fragestellungen fand das Museum of Modern Art offenbar nach wie vor so aktuell, dass diese Präsentation im Anschluss an die Berliner Schau zum 80. Geburtstag in New York gezeigt wird. Der abgewandelte Titel: Bauhaus 1919-1933. Workshops of Modernity" (ab 8. November).

Allein diese Tatsache belegt, in welchem Maße das Bauhaus einerseits als Laboratorium der Avantgarde und andererseits als Gradmesser der eigenen Modernität gilt.

Das Berliner Bauhaus-Archiv - noch von Walter Gropius selbst entworfen, wird sich im Sommer als Ikone der Moderne präsentieren. Während der Schau im Gropius-Bau wird es komplett leer geräumt, in seiner ursprünglichen Architektur freigelegt - die schönen Panoramafenster zum Landwehrkanal sollen geöffnet werden. Das wäre ein architektonisches Motiv ganz im Sinne Andreas Feiningers.

Bauhaus-Archiv; Klingelhöferstr.14, Tiergarten. Tel. (030) 25 40 02 43. Bis 18.5. Mi-Mo 10-17 Uhr. Katalog: 29,80 Euro.