Berlinale-Kolumne Teil 5

Ein paar Lacher würden dem Festival ganz gut tun

Die Berlinale ist keinesfalls das Festival des schlechten Geschmacks. Es geht gesittet zu. Vereinzelt wird schon Murren laut, es gehe zu gesittet zu. Im Überfluss wächst der Wunsch nach Abwechslung, nach Gegengift. Ein paar Lacher würden Berlin bestimmt gut tun.

Foto: REUTERS

Das Festival läuft nun ein paar Tage, die Werke sind engagiert und wertvoll, schön oder langweilig, meistens erlesen und noch öfter gut gemeint. Es gibt aber ein paar Unstimmigkeiten. Deutschland ist offenbar zum Erbrechen: „The International“ und „Der Vorleser“ beginnen beide mit Kotz-Szenen, einmal ist Gift schuld, einmal Scharlach. Im Krimi „In the Electric Mist“ erbricht ein betrunkener Filmstar sich aus dem Auto des Polizisten und dann vor dessen Haus. Im deutschen Wettbewerbsbeitrag „Sturm“ offeriert ein junger Deutscher der tapferen Staatsanwältin des Kriegsverbrechertribunals ein Abendessen. Sie erklärt voller Wut: „Ich könnte kotzen“. Unterlässt es aber dankenswerterweise.

Nun ist die Berlinale keinesfalls das Festival des schlechten Geschmacks. Es geht gesittet zu. Vereinzelt wird schon Murren laut, es gehe zu gesittet zu. Man muss das verstehen. Im Überfluss wächst der Wunsch nach Abwechslung, nach Gegengift. Ein paar Lacher würden Berlin bestimmt gut tun. Oder ein Werk, das in der Titelwahl an der Dichtkunst Russ Meyers geschult ist, der uns „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ und „Im tiefen Tal der Superhexen“ geschenkt hat. Auch künstlerisch besonders wertvolle Regisseure haben grundsätzlich wenig gegen Ablenkung einzuwenden. (Na gut, Ingmar Bergmann ist die Ausnahme.)

In dieser Laune habe ich jedenfalls Plakate im Filmmarkt entdeckt. Wer hätte vor James Bond gedacht, dass mit dem Wort „Quantum“ einen Blumentopf gewinnen könnte? Ein Film kündigt den Reißer „Quantum Apocalypse – The End is Upon Us“ an. Zu sehen ist eine halb abgerissene Brücke. Bei meinem diesjährigen Lieblings-Filmtitel prangen grellrosa Buchstaben auf schwarzem Untergrund. Im Trailer raunt eine tiefe Männerstimme: „Wir haben alles: Killers – Vampires – and (Kunstpause) Lesbians“. Der Titel ist Programm: „Lesbian Vampire Killers“. Untertitel: „What More Could You Possibly Want?“ Ja, mehr kann man nun wirklich nicht verlangen.

Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten. Die Filme sollten etwa „The Berlin Vampire Quantum“ oder „Female Car Killers At Brandenburg“ heißen. Auch schön: „Vampire Valkyrie and the Wagner-Girls“ und „The Reader of a Quantum Death and Damnation“. Alle niederen Instinkte vereint „Transsexual Nazi Ripper and the Chicks of Death“. (Die deutschen Übersetzungen fertigt ein Internet-Programm an.)