Quizshow

Mit der Tante ARD ins Dschungelcamp

Die Sehnsucht nach Känguruhoden, Krokodilpenis und Kakerlaken treibt bisweilen kuriose Blüten: Jetzt flirtet auch das Erste mit den Reizen des betreuten Wohnens in der Wildnis. Die Antwort der ARD auf das "Dschungelcamp" heißt "Das unglaubliche Quiz der Tiere" mit Frank Elstner.

Foto: ndr/rk / DPA

In diesem „Dschungelcamp“ ist der Bewohner König. Er darf auf einem Elefanten hereinreiten. Statt Kakerlaken gibt es Seesterne. Die Mutproben haben sich als lustige Quizfragen verkleidet. Und als Souvenir bekommen die Teilnehmer ein T-Shirt, das von glücklichen Dickhäutern mit Farbe bespritzt wurde.

Dass kommt also dabei heraus, wenn die ARD „Dschungelcamp“ spielt. Na gut, es ist natürlich kein echtes Camp, eher ein betreutes Wohnen für tierliebe Prominente vom Kaliber einer Barbara Schöneberger, die beim Anblick eines Tigerbabys einen spitzen Schrei ausstößt: „Ich glaub, bei mir schießt gleich die Milch ein.“ Und Tarzan, tja Tarzan, hat verblüffende Ähnlichkeit mit Frank Elstner. Doch sonst hat sich die ARD unglaublich viel Mühe gegeben, mit dem Zeitgeist zu flirten. Ihre Antwort auf das „Dschungelcamp“ heißt bei dem öffentlich-rechtlichen Sender „Das unglaubliche Quiz der Tiere“.


Das Konzept dieser Sendung für die ARD-Fernsehlotterie stammt von RTL-Moderator Günther Jauch und hat seine Bewährungsprobe schon im November 2007 bestanden, also, bevor ein gewisser Ross Anthony der Welt verraten konnte, dass man sich so einen Känguruhoden wie ein Kaugummi vorstellen muss – mit wenig Eigengeschmack, aber mit Haaren „hart wie Ako Patz“. Über acht Millionen Zuschauer erlebten die Premiere mit Jauch himself als Kandidat.

Gestern nun, im Jahr eins n. K. G. (nach Knuts Geburt), zog die gute alte Tante ARD nach. Die Messlatte lag hoch. Mit scharfem Schildkrötensex hatte sie schon im November signalisiert, dass sie wild entschlossen war, ihr Image als Sonntagsfahrerin mit Wackeldackel auf der Hutablage ein- und für allemal abzustreifen. Dass man sie künftig also nicht mehr hinter dem Steuer eines Daimlers suchen muss, dem der verräterische Aufkleber auf der Heckklappe klebt: „Ich bremse auch für Tiere“.

Nein, diese Folge war sogar noch schärfer als die erste. Was für das Konzept der Sendung spricht, denn vom Dschungelcamp bedingt verschob sich der Fokus diesmal von den Tieren auf den Homo sapiens. Mit Barbara Schöneberger, Til Schweiger und Horst Lichter hatte „Tarzan“ Elstner drei Kandidaten eingeladen, denen eine Affinität zum lieben Vieh nachgesagt wird. Lichter, weil er dasselbe als Koch in die Pfanne haut. Schweiger, weil er den „Keinohrhasen“ erfunden hat, der durch die Nase hören kann. Und Schöneberger, weil ihr der NDR neuerdings einen Anstands-Wau-Wau zur Seite gestellt hat, der aussieht wie Hubertus Meyer-Burckhardt und zufälligerweise auch so heißt.

Doch eine Einstellungsvoraussetzung war das nicht. Schon als die Kandidaten hoch zu Elefant einritten und Horst Lichter rief: „Ich bin ein Star – holt mich hier runter“, war klar: Alle drei fügten sich auch so harmonisch in das Ensemble der tierischen Studiogäste ein.

Til Schweiger ist alles zuzutrauen


Das bestand im Wesentlichen aus weißen Eichhörnchen, Tigerbabys und einem Fuchs, der Fritzi heißt und von einer Familie an Hundes statt adoptiert wurde. Nicht zu vergessen den nickelbebrillten Seehund, der in der ersten Reihe der Zuschauer saß, aber streng genommen zählte der nicht. Es war jener Herr, der am Ende das Rätselraten um jede Quizfrage beendete: der hannoversche Zoologe Heiner Engel.

Diese Fragen entpuppten sich wieder als kurioser Härtetest. Und schnell stellte sich heraus, dass Til Schweiger wie ein Blöder vor der Sendung gepaukt haben musste. Möglicherweise aber sind die verwandtschaftlichen Verbindungen zum Affen bei ihm noch enger als bei den anderen Kandidaten ausgeprägt. Wer „Keinohrhasen“ erfindet, dem ist beinahe alles zuzutrauen.

Jedenfalls wusste Schweiger nicht nur, dass man einen afrikanischen Elefanten von einem asiatischen Artgenossen auf den ersten Blick an der Rüsselspitze unterscheiden kann, dass die Muttermilch für Eisbären einen Fettgehalt von 30 Prozent hat oder dass es der brunftige Wapiti-Hirsch ist, der wie ein bremsender Güterwaggon klingt – nicht der Buckelwal.

Er machte auch noch eine gute Figur, als er sich die plüschige Leoparden-Schlafbrille überstreifte und die Tiere ertastete, die in einem gläsernen Kasten kreuchten und fleuchten. Am Ende sollte zwar Horst Lichter gewinnen, doch Schweiger brachte es nicht nur auf die Preissumme von immerhin 53.000 Euro, die jetzt einer Jugendhilfeeinrichtung im baden-württembergischen Hüfingen zugute kommt. Er qualifzierte sich auch gleich für das erste richtige „Dschungelcamp“ der ARD.

Wie wir unser Tantchen kennen, wird sie ihre Zelte im Schwarzwald aufstellen – in der Nähe einer bekannten TV-Klinik im Glottertal. Nur für den Fall, dass Tarzan erhöhten Puls bekommt.