Academy Awards

"Baader-Meinhof-Komplex" ist für Oscar nominiert

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Jetzt geht es um Gold: "Der Baader Meinhof Komplex" ist für einen Oscar nominiert. Der deutsche Film um die Terrorgruppe Rote Armee Fraktion ist einer der Kandidaten im Wettbewerb um den Preis für den besten nicht-englischsprachigen Films.

Der Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film ist bislang dreimal an eine deutsche Produktion gegangen. Zuletzt hatte 2007 das Stasidrama „Das Leben der Anderen" die Trophäe gewonnen. Die begehrten Filmpreise werden in der Nacht auf den 23. Februar in Hollywood verliehen. "Der Baader Meinhof Komplex“ konkurriert mit vier anderen Filmen um den Auslands-Oscar - nämlich "Revanche" (Österreich), "Die Klasse" (Frankreich), "Waltz With Bashir" (Israel) und "Departures" (Japan). Eine weitere deutsche produktion ist nominiert: Der Film "Spielzeugland" des Berliner Regisseurs Alexander Freydank ist einer von Fünf Kandidaten in der kategorie "bester Kurzfilm".

Mit Nominierungen in insgesamt 13 Oscar-Kategorien geht der Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ mit Brad Pitt als Favorit ins Rennen um die begehrten goldenen Trophäen – dicht gefolgt von dem in Großbritannien produzierten Indien-Drama „Slumdog Millonaire“, das Kandidat für zehn Oscars ist. Beide Filme sind in der Königskategorie des besten Films nominiert – neben dem Film „Milk“, der den Lebensweg des homosexuellen Politikers Harvey Milk in San Francisco nachzeichnet, dem Politdrama „Frost/Nixon“ und dem Streifen „Der Vorleser“, einer Verfilmung des deutschen Bestsellerromans.

Der verstorbene australische Schauspieler Heath Ledger wurde - genau ein Jahr nach seinem Tod - für den Oscar in der Kategorie beste Nebenrolle nominiert. Ledger hatte in dem Batman- Abenteuer „The Dark Knight“ die Rolle des Joker brillant verkörpert. Als beste Schauspielerinnen haben Kate Winslet („Der Vorleser“), Angelina Jolie („Der fremde Sohn“), Melissa Leo („Frozen River“) und Anne Hathaway („Rachel Getting Married“) Oscar-Chancen. In der Kategorie bester Hauptdarsteller nominiert sind Brad Pitt („Der seltsame Fall des Benjamin Button“), Mickey Rourke ("The Wrestler"), Sean Penn ("Milk"), Frank Langella ("Frost/Nixon") und Richard Jenkins ("The Visitor").

Die Oscars werden am 22. Februar bei einer feierlichen Gala in Los Angeles überreicht. Insgesamt vergibt die Oscar-Akademie für jede ihrer zwei Dutzend Kategorien jeweils fünf Nominierungen, die dann in die Endausscheidung gehen.

Der Film „Der Baader Meinhof Komplex“ schildert die Mordtaten der Roten Armee Fraktion (RAF) um die Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Der packende Streifen beginnt mit der Zeit der Studentenunruhen und dem Tod des Demonstranten Benno Ohnesorg durch die Kugel eines Polizisten im Juni 1967. Er zeigt - weitgehend authentisch – das Abgleiten der Protagonisten in die Radikalität bis zum Deutschen Herbst, der Entführung der Lufthansa- Maschine „Landshut“ und der Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer im Oktober 1977.

Der Film von Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel beruht auf dem gleichnamigen Buch des früheren „Spiegel“- Chefredakteurs Stefan Aust. Mehr als 2,4 Millionen Menschen haben den 150 Minuten lange Streifen mit seinen schnellen Schnitten, eingeblendeten Originalaufnahmen und drastischen Mordszenen seit dem Kinostart am 25. September vergangenen Jahres gesehen. Die Darsteller überzeugten Kritiker und Publikum: etwa Martina Gedeck als Ulrike Meinhof, Moritz Bleibtreu als jähzorniger Baader und Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin.

Schon vor dem Start wurde der Film heftig diskutiert. So übte der Deutsche Journalisten-Verband scharfe Kritik an der von den Machern gesteuerten Medienkampagne, bei der zunächst nur ausgewählte Journalisten berichten durften. Wenige Tage vor der Uraufführung behauptete Regisseur Edel, Ex-Terroristen hätten ihm den Namen des Schleyer-Mörders verraten. Unmittelbar vor dem Kinostart verübten Unbekannte einen Farbbeutel-Anschlag auf die Villa von Stefan Aust in Hamburg, zwei Wochen später folgte ein Farbanschlag auf den Schweizer Filmverleih.

Angehörige von RAF-Opfern urteilten ganz unterschiedlich über den Film. Er zeige „die ganze hemmungslose Brutalität der RAF, ohne das Andenken an ihre Opfer zu beschädigen“ fand etwa Jörg Schleyer, Sohn des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten. Dagegen gab Ignes Ponto, Witwe des von der RAF ermordeten Bankiers Jürgen Ponto, aus Protest gegen die Darstellung des Attentats ihr Bundesverdienstkreuz zurück. Ihren Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wies das Landgericht Köln zurück. Der Film verletze nicht die Persönlichkeitsrechte der Witwe.

( AP/dpa/fp/dino )