Finanznot

Berliner Varieté "Wintergarten" schließt Ende Januar

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Peter E. Müller

Foto: jk fd/dt / DPA

Es war eine Touristenattraktion in der Hauptstadt - das Berliner "Wintergarten"-Varieté an der Potsdamer Straße. Nun wird das Theater nach 17 Jahren am 31. Januar geschlossen. Dem insolventen Haus ist es offenbar nicht gelungen, mit seinen Shows das Publikum zu überzeugen.

Das ist ein harter Schlag für die Musical- und Varietéstadt Berlin: Das Varieté Wintergarten in der Potsdamer Straße, das am 11. Juni 2008 Insolvenz angemeldet hatte, wird am 31. Januar geschlossen. "Ich habe gekämpft, ich habe viel Geld investiert, ich habe vielleicht nicht alles richtig gemacht. Aber es ist mir nicht gelungen, dieses schöne Haus zu retten", sagte Geschäftsführer Frank Reinhardt Morgenpost Online.

Zwar lief der Spielbetrieb nach der Insolvenz weiter, und das Weihnachtsgeschäft war laut Reinhardt auch wieder besser, doch die Gläubigerversammlung habe sich für die Schließung entschlossen, "solange noch Geld in der Kasse ist". "Man wollte nicht das Risiko eingehen, eine weitere Produktion abzuwarten", sagte Reinhardt. So werde das Haus "definitiv geschlossen, die Firma wird aufgelöst, die 68 Mitarbeiter entlassen".

1992 hat Peter Schwenkow, Kulturunternehmer und Vorstand der Deutschen Entertainment AG (DEAG), gemeinsam mit André Heller und Roncalli-Direktor Bernhard Paul das Varieté Wintergarten gegründet. Mit aufwendigen Produktionen, inszeniert von Heller, Paul und mitunter auch Regie-Gästen, wurde das Theater mit dem leuchtenden Sternenhimmel zu einer Attraktion in Berlin. In mehr als 15 Jahren hatten mehr als 2,5 Millionen Zuschauer den unsubventionierten "Wintergarten" besucht. Die Betreiber knüpften dabei an die große Wintergarten-Tradition im Vorkriegs-Berlin an und wollten wieder "Lust am Varieté wecken". Doch über die Jahre schwand das Publikumsinteresse, vor allem in den Sommermonaten lief es längst nicht mehr so gut wie zu Beginn.

2007 hatte Schwenkow das Varieté-Theater an eine Investorengruppe um seinen langjährigen Direktor Georg Strecker verkauft. Der hatte sich mit seinem neuen Partner Frank Reinhardt daran gemacht, dem Wintergarten eine Frischzellenkur zu verpassen. Mit Christoph Hagels "Furioso" war man an den Neustart gegangen. Doch bereits bei der zweiten Eigenproduktion "Dekolleté" sanken die Auslastungszahlen weit unter 50 Prozent. Im Mai vergangenen Jahres trat Strecker als Geschäftsführer zurück, Anfang Juni meldete Reinhardt wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz an.

So wollte man sich über die dürren Sommermonate retten, um das Haus spielfähig zu halten und im Herbst 2008 wieder voll durchstarten zu können. Die dritte Eigenproduktion "Hotel California", eine sommerlich luftige Show, schien dann das richtige Programm für den Weg aus der Schulden-Misere zu sein. "Mit 'California' haben wir es erstmals geschafft, nicht nur die Generation 50+, sondern auch das 30+-Publikum zu erreichen."

Doch bereits mit der aktuellen Show „Orientalis“ gingen die Besucherzahlen wieder zurück. "Nein, 'Orientalis' lief nicht so berauschend", gesteht Reinhardt ein. "Aber leider haben wir in den letzten Monaten auch unter dieser Insolvenzsituation gelitten. Das Publikum hat das Vertrauen verloren, die Leute haben nur noch kurzfristig Karten gekauft." Außerdem seien die Sanierungsbemühungen nicht so erfolgreich gewesen wie erwartet und auch der Vermieter habe keine Bereitschaft gezeigt, die Miete zu senken. "Die Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme der erfolgreichen 'Hotel California'-Show liefen bereits", so Reinhardt. Nun gehen am 31. Januar endgültig die Lichter aus.