Das soll ihm erst mal einer nachmachen: Tim Mälzer schaffte es unlängst in seiner Sendung „Schmeckt nicht, gibt‘s nicht“ auf Vox, innerhalb von nur dreißig Minuten seine Gäste vorzustellen, drei Gerichte zu kochen, einen kleinen Jungen namens Tristan am Grill des Hamburger City Beach Clubs zu beaufsichtigen, bei alldem ununterbrochen zu lächeln und die Fernsehzuschauer mit einer Sprechgeschwindigkeit von geschätzten 180 Silben und höchstens 1 Mal Luftholen pro Minute durch die Sendung zu führen.

Es wird wirklich Zeit, dass dieser arme Mensch das mickrige halbe Stündchen am Vorabend endlich an seinen Kollegen Steffen Henssler abtreten darf, wie der Sender offenbar für August plant. Denn in seiner abendfüllenden Sendung „Born To Cook“, durch die Mälzer stattdessen bald führen soll, wird er sein atemberaubendes Sprechtempo gewiss ein wenig drosseln dürfen. Und dann muss man sich wenigstens keine Sorgen mehr machen, dass er sich mal aus Versehen verschluckt, während er eilig die Werbepause ansagt und gleichzeitig seine Steaksoße abschmeckt. Sonst würde er bei all der sendezeitbedingten Hektik eines Tages gewiss noch vor laufender Kamera elend an einer gegrillten Kirschtomate ersticken.

Gibt es "richtiges" Erwachsenenkochen?

Und das wäre doch schade um diesen netten Hamburger, dessen Kochangebertum sich im Vergleich zu anderen Fernsehköchen (oder zu meinem Freund Willi) in recht erträglichen Grenzen hält. Im Gegensatz zu mir zappt Willi seine Sendung natürlich jedes Mal mit den Worten „Der kann nix“ weg: Als „richtiges Erwachsenenkochen“ lässt er nur die Kreationen von Gourmetköchen wie Ferran Adrià, Harald Wohlfahrt, allenfalls noch von Eckart Witzigmann durchgehen.

Ich dagegen denke bei Mälzer immer wieder erfreut: So wie der kocht, das kann ja sogar ich. Seinen fabelhaften Nudelsalat mit gegrillten Kirschtomaten, Zucchini und gerösteten Pinienkernen habe ich zum Beispiel gleich erfolgreich nachgekocht.

Ich hatte sogar fast alle Zutaten im Haus, bis auf den frisch geriebenen Meerettich und den Dill, den ich aber schnell noch beim Vietnamesen um die Ecke besorgt habe.

Auf die Rollenverteilung kommt es an

Ganz sicher bin ich mir auch, dass Nina, Mälzers Freundin und Sendungsassistentin, diesen simplen Salat ebenfalls prima hingekriegt hätte. Doch sie sekundierte dem Maitre bloß unauffällig an der Getränkebar im Hintergrund, während Mälzer an den Töpfen brillierte und gemeinsam mit seinen beiden männlichen Gästen tonnenweise Fleisch auf dem Grill hin- und herwendete.

Die Rollenverteilung zwischen Tim und Nina folgt also genau demselben Schema wie bei der thüringischen Familie, die Mälzer diesmal in seine Sendung eingeladen hatte: Papa kocht, Mama deckt den Tisch und wäscht ab.

Oder wie bei Willi und mir: Denn während mein Liebster gerade ein pompöses Brathähnchen mit Kräutern in den Ofen schiebt und dabei einen angeberischen Wortschwall nach dem anderen absondert („Wusstest du, dass das Hähnchen gleichmäßiger braun wird, wenn man es vor dem Braten bridiert?“), rühre ich bloß die Salatbeilage um.

Aber das muss ja nicht so bleiben. „Du Willi, wir grillen doch bestimmt bald mal wieder draußen, oder?“ frage ich ihn. „Klar,“ sagt Willi. Er ahnt ja nicht, was ich vorhabe: Denn selbstverständlich werde ICH dann zur Abwechslung das Ruder am Grill an mich reißen – notfalls gewaltsam. Willi darf so lange das Bier einschenken. Und natürlich abwaschen. Meine Freundin Steffi soll das Ganze dann filmen und als Demotape an Vox senden. Wer weiß: Vielleicht habe ich ja noch Chancen, Steffen Henssler als Nachfolger für „Schmeckt nicht, gibt’s nicht“ den Rang abzulaufen?