Und am Anfang war die Erde wüst und leer, und es war finster der Samstagabend. Da sprach Gottschalk: „Ich übernehme ’Wetten, dass..?’ “. Und so geschah es also. Er machte das Werk nach seinem Bilde und es wurde Licht im Wohnzimmer der Jünger. Doch nach 20 Jahren langweilten sie sich und begannen zu klagen. Da wurde Gottschalk zornig und sprach: „Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir das alles noch antun muss.“ Und seine Jünger fürchteten sich. Die Welt drohte wieder zu verfinstern.


Doch die Jünger können wieder beruhigt sein: Gottschalk ist besänftigt. Vorerst. Gestern saß der Showmaster aller Showmaster entspannt bei ZDF-Kollege Kerner und versicherte ihm: „Ich hab unheimlichen Spaß an der Sache. Und solange ich das Gefühl habe, dass die Leute meine Arbeit gut finden, mache ich auch weiter.“


Es gibt ja auch noch genügend gläubige Gucker: Elf Millionen verfolgten seine letzte „Wetten, dass..?“-Sendung. Damit ist sie immer noch die bedeutendste Abendshow in ganz Europa. Doch der Trend zeigte in der vergangenen Zeit abwärts: Im Herbst guckten noch mehr als 13 Millionen Menschen zu. Und in den vergangenen Monaten wurden die Kritiker immer lauter. Die Süddeutsche Zeitung munkelte sogar schon, Gottschalk könnte bald von Hape Kerkeling abgelöst werden. Alle Beteiligte dementierten aber vehement.


Doch die Kritik nagt an ihm: „Da setzen sich Leute hin und würgen mir dermaßen eins rein, dass ich denke, ich müsste eigentlich aufhören. Dann bin ich wirklich kurz verunsichert.“ Eingeschnappt schlägt er zurück: „Aber dann denke ich mir: Warum sollte der Kritiker mich mögen? Er wohnt am Prenzlauer Berg, ich in Malibu, ich fahre einen A8, er einen A4. Und er hat nicht so eine schöne Hose und so ein schönes Hemd.“


Gottschalk sagt, man könne gerne Sachen an ihm aussetzen, aber man solle doch dann bitte auch den ganzen anderen Schwachsinn, der im Fernsehen läuft, bemäkeln. „Wenn man sich über das ausgekotzt hat, dann kann man sich über mich auslassen.“ Aus Gottschalk sprudeln solche Sätze heraus, ohne dass ihn Kerner explizit auf die heftige Kritik anspricht. Es brodelt in Gottschalk. Und man wird den Verdacht nicht los, dass er es einfach nicht ertragen kann, dass nicht ganz Deutschland von ihm begeistert ist, sondern eben nur 80 Prozent. Das kommt für ihn fast schon einer Gotteslästerung gleich.


Minutenlang erzählt Gottschalk von Fans, die er im Alltag trifft und die ihm die Kraft geben weiterzumachen. Gottschalk braucht diese Anerkennung – und vielleicht ist das der Schlüssel seines Erfolges. Auch bei Kerner riss er gestern die Show komplett an sich. Die Pointenmaschine Gottschalk wäre auch ohne seinen Gastgeber Kerner hervorragend ausgekommen: „Ich traue mich, mich vor die ganze Nation zu stellen. Und was habe ich dafür im Ärmel? Ich habe einen Menschen, der acht Besen aufstellen kann und ich habe eine Paris Hilton, von der ich nicht weiß, ob sie weiß, wer ich bin, wer sie ist und wo sie überhaupt ist.“


Gottschalk schwankt zwischen enormen Selbstbewusstsein und Hybris. Auch wenn er teilweise versucht, sich zurückzunehmen – letztendlich kommt er doch immer wieder auf sich selbst zurück. Als Kerner ihn fragte, ob er sich Oliver Pocher, Stefan Raab, Dieter Bohlen oder Hape Kerkeling als Nachfolger vorstellen könnte, befand er letztendlich niemanden für fähig. „Man braucht für den einfach Samstagabend eine gewisse Freundlichkeit“ – die traute er aber niemandem zu. Höchstens Hape Kerkeling, der habe aber Selbstzweifel. „Mir ist diese Freundlichkeit gegeben“, sagt Gottschalk. Letztlich bleibt also wieder nur er. Und wahrscheinlich hat er damit sogar Recht.