Diese Formulierung lässt Platz für Interpretationen - und zeigt das Dilemma der Koalition. Dort gehen die Meinungen nämlich weit auseinander. Während der kulturpolitische Sprecher der Linken, Wolfgang Brauer, für den Neubau des Zuschauersaales ist, um Akustik und Sichtverhältnisse zu verbessern, kämpft Fraktionskollege Thomas Flierl für den Erhalt des Paulick-Saales. Diese sogenannte "Pinselsanierung" hat auch Anhänger in der SPD, aber ob sie vergaberechtlich und baulich umzusetzen ist, bezweifeln zumindest die Gegner einer solchen radikalen Bestandswahrung. Dagegen angeführt werden unter anderem Brandschutzvorgaben. Möglicherweise also geht es gar nicht mehr um die Frage Alt oder Neu.
Für Wowereit (SPD) erleichtert das die Entscheidung nicht. Auf die Frage, wo er denn stünde, antwortete der Regierende: "Mitten im Schussfeld." Wowereit kündigte vor dem Parlament zwar eine zügige Entscheidung an, machte aber auch deutlich, dass er noch auf weitere Gutachten wartet, auf eine weitere Visualisierung der Wettbewerbsentwürfe und auf ein abschließendes Gespräch mit dem Bund, der die Baumaßnahme größtenteils finanziert. "Warum machen wir eigentlich eine Aktuelle Stunde?" fragte die Opposition. Alice Ströver (Grüne) kritisierte die "Alibidebatte" und das Vergabeverfahren, bei dem zugleich ein Gesamtplaner für die Sanierung des Opernhauses einschließlich des Intendanzgebäudes und ein Architekt für den Zuschauerraum gesucht wurden. Das könnte juristische Probleme verursachen - je nachdem, wie Wowereit sich entscheidet.



