Abgründe tun sich auf, wenn die realitätsprengenden Welten klassischer Comics fürs große Kino herhalten müssen. Nur zu oft will die Adaption nicht gelingen und verkommt zu sinnloser Aufschneiderei mit überteuerten Spezialeffekten. Um Comic-Helden gerecht zu werden, braucht es einen Regisseur, der sich sein kindliches Herz und eine Liebe zum Fantastischen bewahrt hat. So kann "Spiderman" nur durch Sam Raimis verständige Hand bestehen.
Auch die dem Hirn des Comiczeichners Mike Mignola entsprungene Kreatur "Hellboy" gehört zu den gelungeneren Comicverfilmungen. Denn Guillermo del Toro ("Blade 2") nimmt seine Figuren ernst, ohne sie ernst zu nehmen. Er schafft eine dunkel-atmosphärische Welt, die New York heißt, von der Stadt aber noch weiter entfernt ist als Batmans Gotham City: einen zivilisatorischen Albraum, wo mörderische Ungeheuer auf menschliche Beute lauern.
In dem aber Hoffnung einen Namen hat: Hellboy. Dieser teufelsrote Zwei-Meter-Typ mit einem Arm aus Granit und abgefrästen Überresten einst gewaltiger Teufelshörner nimmt es mit jedem Widersacher auf. Wenn er nicht gerade Zigarren pafft, sich mit Fast-Food voll stopft oder Bier in sich hineinschüttet.
Vor 15 Jahren hätte man so eine Rolle wahrscheinlich noch Arnold Schwarzenegger angeboten. Del Toro hat sich mit sicherem Gespür für Ron Perlman entschieden, den stämmigen Mittfünfziger, der einst in der TV-Serie "Beauty & The Beast" die Figur des New Yorker U-Bahnmonsters Vincent prägte.
Perlman ist wunderbar. Er gibt diesem gewaltigen Hellboy charmant, komödiantisch und erfrischend infantil Statur. Wunderbar, als er eifersüchtig seiner geliebten Kollegin hinterher spioniert, um danach einem Jungen bei Milch und Cookies sein Herz auszuschütten. Perlmans Hellboy ist so übermächtig, dass alle anderen Figuren daneben verblassen. Was nicht weiter stört in einem Film, der sich viel Zeit nimmt für seinen höllischen Helden.
Um was geht es eigentlich? Natürlich um nichts Geringeres als die Rettung der Welt. In einem Prolog erleben wir, wie sich 1944 Nazis der Hilfe Rasputins versichern, um die "Sieben Dämonen des Chaos" zu beschwören. Wozu? Für den Endsieg natürlich. Klappt aber nicht, weil die Amerikaner schon da sind. Einer schafft es aber doch durchs Zeitloch: ein grinsendes Teufelsbaby, dem sich der Wissenschaftler Bruttenholm (John Hurt) väterlich annimmt.
60 Jahre später. Bruttenholm ist inzwischen Leiter einer FBI-Sektion, darauf spezialisiert, Angriffe auf die USA abzuwehren. Und sein Zögling Hellboy ist sozusagen sein Agent für alle Fälle. Außerdem gehören ein sensibler Fischmann zum Team und eine tragische Schöne, die bei Stress Feuer entfacht.
Klar, dass es sich hier um Hellboys Angebetete handelt. Als die sich mit einem FBI-Mann anfreundet, sieht Hellboy rot, hat aber nicht lange Zeit dazu, denn die Nazis von einst lassen ein Monster auf die Welt los, das sich rasend schnell vermehrt.
Die Story ist abstrus, was aber aufgewogen wird durch immer wieder neue skurrile Ideen und imposante Bilder, krude Charaktere und temporeiche Actionszenen - auch wenn so mancher Computereffekt ein wenig preiswert daher kommt. "Hellboy" ist höchst unterhaltsamer Unfug, Popcorn-Kino von der sympathischsten Sorte, mit einem Superhelden, der hinter seiner Muskelmasse höchst menschliche Züge trägt.




