Im Dritten Reich waren viele Institutionen eingebunden in den Völkermord und den Vernichtungskrieg, keineswegs nur Wehrmacht und SS. Die uniformierte Polizei zum Beispiel, seit 1936 Heinrich Himmler unterstellt, war mit militärisch organisierten Einheiten von Anfang an am Zweiten Weltkrieg beteiligt.

Besonders gut dokumentiert ist das Reservepolizeibataillon 101 aus Hamburg. Es war 1939 in Polen hinter der Front im Einsatz, wurde danach umorganisiert und war ab Herbst 1941 an den Deportationen von Juden nach Osten beteiligt, jedoch noch nicht an Mordaktionen.

Ganz normale Männer wurden Massenmörder


Das begann nach der erneuten Verlegung des Bataillons nach Polen im Juni 1942. Die Einheit, etwa 500 Mann stark und unter dem Befehl des 53 Jahre alten Berufspolizeioffiziers Wilhelm "Papa" Trapp, gehörte in den folgenden anderthalb Jahren zu den aktivsten Einheiten, die den Massenmord an polnischen Juden vollzogen.

Das Durchschnittsalter der Reservepolizisten betrug 39 Jahre, der Anteil an NSDAP-Mitgliedern lag bei etwa einem Drittel, nur vier Prozent der Einheit gehörten der SS an. Sie waren "ganz normale Männer", die zu Massenmördern wurden, wie der Historiker Christopher Browning in einer hervorragenden Studie zeigen konnte (Rowohlt Verlag, 330 Seiten, 8,90 Euro).

Die Grundlage seiner Forschungen waren umfangreiche Ermittlungsakten. Um die juristische Aufarbeitung dieses düstersten Kapitels der Geschichte der Hamburger Polizei hat sich wesentlich die Staatsanwältin Helge Grabitz verdient gemacht. Der umstrittene US-Publizist Daniel Goldhagen stützte sich auf dieselben Akten.

sfk