Halbwegs insofern, als das leidige und in Kunstdingen immer ganz unangemessene Proporzdenken von zwanzig Titeln zehn nominierte, die in dem heuer bemerkenswert schwachen Frühjahr auf den Markt kamen. So erhielten Leichtgewichte wie "Taxi" (von Karen Duve) oder "Treffen sich zwei" (von Iris Hanika) eine Chance, die sonst niemals in einem Atemzug mit Uwe Tellkamp und Uwe Timm, Norbert Gstrein und Hans Pleschinski, Judith Kuckart und Ingo Schulze genannt worden wären. Letztere sind die Autoren der literarischen Herbstproduktion, die sich damit einmal mehr als die wesentliche herausstellt.
Tatsächlich ist es der Jury dieses Mal gelungen, an keinem der aufsehenerregenden Bücher des Jahres vorbeizugehen. Freilich erwies sie sich andererseits als nicht davor gefeit, die sogenannten großen Namen blindlings in die engere Wahl zu nehmen, denn von Handkes Hervorbringungen der letzten Jahre ist "Die morawische Nacht" gewisslich nicht die stärkste.
Ganz und gar abwegig ist jedoch die Berücksichtigung von Martin Walsers Goethe-Schmonzette "Ein liebender Mann", die zwar vergnüglich beginnt, aber dann ihren kolossalen Absturz erlebt, wenn nämlich der größenwahnsinnige Walser meint, in die Haut Goethes schlüpfen zu müssen und dem Leser fiktive Briefe des Alten aus Weimar offeriert, die lediglich des Autors eigenen Geist (und Sinn für Takt und Lebensart!) spiegeln, was nur übersehen konnte, wer mit Goethe nicht vertraut war.
Die Kunst der Jury wird jetzt darin bestehen, einleuchtende Finalisten zu küren, und das dürfte sich, gemessen an den Kalibern, die auf uns zukommen, als reichlich knifflig erweisen. Ingo Schulze, der sich mit "Adam und Evelyn" zu einer Sicht auf die untergehende DDR aufgeschwungen hat, die das Paradies assoziieren lässt, konkurriert mit dem fest auf dem Boden des Antikommunismus stehenden Uwe Tellkamp um die Trophäe des repräsentativen Wende-Romans. Auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen diesen beiden könnte es am Ende hinauslaufen.




