Wer an diesem Montag die versammelten Feuilletons betrachtet, dem schlägt der Eindruck entgegen, hier werde ein Bad Hair Day veranstaltet. Ausnahmslos alle Zeitungen zeigen den Schauspieler Klaus Maria Brandauer in der Rolle des Feldherren Albrecht von Wallenstein.
Brandauer zauselt sich durch viel Text. Der Regisseur Peter Stein hat alle vier Teile von Friedrich Schiller textgetreu eingerichtet. Bei der Frisur allerdings hat er improvisiert. Der echte Wallenstein sah anders aus. Zumindest sind auf den überlieferten Bildern keine Zottelhaare zu sehen.
Stein und Brandauer haben sich offensichtlich von der Modefrisur des ergrauten Zausels inspirieren lassen. Man lässt wieder hängen, selbst wenn auf dem Kopf wenig wächst. Der Typus zieht sich durch die jüngste Kulturgeschichte und weist bis hin zu – Gott. Peter Stein immerhin konnte sich selbst kopieren: Als er 1999 den kompletten „Faust“ probte, lief er selbst derart in der Öffentlichkeit umher, Bilder von großen Griechen und vom Teufel versuchten Wissenschaftlern beschwörend.

