"Walküre"

Paula Wagner lässt Cruise sitzen

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Zander

Es hätte ein guter Tag für Tom Cruise werden sollen. Sein Stauffenberg-Film „Walküre“, schon drei Mal nach hinten verschoben, wird nun überraschend vorgezogen und doch noch dieses Jahr starten: am 26. Dezember. Das bedeutet, dass Cruise sich nun doch Hoffnungen auf seinen ersten, lang ersehnten Oscar machen könnte. Ein Film muss noch im Vorjahr angelaufen sein, um für einen Oscar nominiert werden zu können. Der zuletzt angekündigte Starttermin Mitte Februar (um den President’s Day) wäre kurz vor der Verleihung am 22. Februar, also viel zu spät gewesen.

Das könnte ein Zeichen sein, dass das Studio nun doch wieder an eine künstlerische Auswertung des Films glaubt. Aber noch am selben Tag, da man sich dieser vagen Hoffnung hingeben durfte, traf schon wieder eine Hiobsbotschaft ein: Paula Wagner, die langjährige Partnerin von Tom Cruise, die wie niemand sonst seine Karriere begleitet und bestimmt hat, gibt ihre Führungsrolle bei United Artists (UA) auf. Als Cruise vor zwei Jahren von seinem damaligen Studio Paramount gefeuert wurde, stiegen er und Wagner bei UA ein und wollten das einst ehrwürdige Studio zu neuem Glanz verhelfen. Der erste UA-Film unter ihrer Riege, Robert Redfords Politparabel „Von Löwen und Lämmern“ floppte an den Kassen indes empfindlich: trotz Starbesetzung mit Redford, Meryl Streep – und Tom Cruise. Die zweite Prestigeproduktion sollte nun das Drama um den Hitler-Attentäter Stauffenberg sein.

Noch jetzt scheint unklar, wie die Beteiligten den Film vermarkten wollen. „Wir haben den Film gesehen und getestet und glauben, dass ein starker Film einen starken Starttermin verdient“, verlautete Clark Wood, Chef von MGM, der Mutterfirma von UA, die „Walküre“ verleiht. Daher werde der Film nun in der lukrativen Feiertagssaison gestartet – wo sonst eher familienselige Produktionen anlaufen. Das habe rein kommerzielle Gründe, ist die inoffizielle Lesart: Man sehe die Geschichte eher als Film für die Ferien denn als Anwärter auf Preise.

Gut möglich, dass dies der Grund für Wagner war, aufzugeben. „Ich habe es wirklich genossen, mit meinem langjährigen Partner Tom Cruise daran zu arbeiten, United Artists wiederzubeleben“, resümierte die 61-Jährige brav E!Online, „und ich bin stolz auf all das, was wir in den letzten zwei Jahren erreicht haben“. Sie wolle auch Besitzerin des Studios bleiben und weiter an den Filmen arbeiten, die derzeit in Produktion stünden. Aber, so wiederum zitiert sie die „Financial Times“, so sehr sie ihre Führungsposition genossen habe, „ist es meine wahre Leidenschaft, Filme zu machen. Deshalb habe ich mich entschieden, das zu tun.“

Tatsächlich wird gemunkelt, dass das Erfolgsduo Wagner & Cruise bei United Artists nicht das bekam, was man versprochen hatte: absolute Autonomie und grünes Licht für ihre Projekte. Der ständige Starttermin-Hickhack könnte auch ein Indiz dafür sein, wie ihr Einfluss auf das Projekt gesunken ist.

Völlig offen blieb bislang, ob sich dieser Schritt von Wagner auch auf Cruise auswirkt. Ob er nun seinerseits seiner Partnerin folgt (wie sie ihm nach dem Paramount-Rausschmiss) und seine Führungsrolle bei UA abgibt – oder ob sich nun gar ihre Wege trennen. Nicht Nicole Kidman, nicht Penelope Cruz und auch nicht Katie Holmes – nein, Paula Wagner ist die starke Frau an seiner Seite. Während Toms Herzdamen wechselten, blieb sie seine unverbrüchliche Partnerin.

Cruise lernte Wagner bei seiner Künstler-Agentur kennen, wo sie sich auch um Demi Moore, Kevin Bacon und Oliver Stone kümmerte. 1993 machten sie sich selbstständig und gründeten zusammen die Cruise/Wagner-Productions, die unter anderem „Last Samurai“, Spielbergs „Krieg der Welten“ und alle drei „Mission: Impossible“-Filme produzierte. Ein Schlag für Cruise, dass seine Partnerin, der er so viel verdankt, ihn nun in der Führungsetage sitzen lässt. Und dass, wo er doch gerade erst für den Agentenfilm „Edwin A. Salt“ ausgetauscht wurde – gegen Angelina Jolie.