Meat Loaf: Bat Out of Hell III: The Monster Is Loose (Mercury/Universal). - Es ist vollbracht. Nach 29 Jahren hat sich Meat Loaf nun den dritten Teil der Trilogie „Bat Out of Hell“ entrungen. 1977 überraschte der Texaner die vom Punk verwirrte Welt mit seinem operettenhaften Rockkonzept. Ein Riese schüttelte die Rüschenärmel. Er sang Arien wie „Paradise by the Dashboard Light“, die von Jim Steinman stammten, einem Broadway-Komponisten, der fatal für Richard Wagner schwärmte. Steinman hatte Meat Loaf auf einer New Yorker Bühne singen sehen und begeistert aufgeschrien: “Das ist mein Siegfried!” Songs, die für ein Peter-Pan-Stück vorgesehen waren, hatte Steinman kurzerhand zu Höllenliedern umgewidmet. Schließlich war es auch egal, was Meat Loaf sang. Solange es gewaltiger und größer als das Leben klang.


Allein der Koloss schien dem Drama nicht gewachsen. Meat Loaf fühlte sich nach Auftritten in Musicals wie „Hair“ und Musicalverfilmungen wie „Rocky Horror Picture Show“ beseelt vom Willen, den gesungenen Unsinn auch im Alltag zu verkörpern. 1978 kippte er in Kanada ins erschöpft Publikum. Verluste waren zu beklagen: erst die Stimme, dann Jim Steinman, schließlich das zu schnell gewachsenen Vermögen. 1993 kehrte alles wieder mit dem zweiten Teil “Back Into Hell” und Steinmans Schmachtballade “I’d Do Anything for Love (But I Won’t Do That)”. Zwar gab es keinen Punk mehr, der den harmonieseligen Teil der Welt dem XXL-Rock zutrieb. Aber es gab Techno, es gab HipHop.


Und wahrscheinlich sah Jim Steinman es als Lebensziel, der wankelmütigen und leichtsinnigen Popmusik so etwas ewig gültiges wie den “Ring” zu hinterlassen. Allerdings erlitt der Komponist während der Niederschrift des dritten Teils zwei schwere Schlaganfälle. 1996 hatte er bereits das Schlüsselstück gesetzt, “It’s All Coming Back to Me Now”, das seither zum festen Repertoire Celine Dions gehört. Jetzt singt es Meat Loaf mit gebotener Inbrunst und mit 59 Jahren. Auf dem Plattencover rechnet Siegfried mit dem Drachen ab. Mit einer “Götterdämmerung” ist nun nicht mehr zu rechnen.


Ob ein vierter Teil zu wünschen wäre, werden heute sogar eingeschworene Meatloafianer überdenken. “The Monster Is Loose” spart eindeutig an epischer Klaviermusik zugunsten ranzigen Gitarrenrocks. Verantwortlich dafür sind Nikki Sixx von Mötley Crüe, Brian May von Queen sowie Steve Vai, das ewige Wunderkind der Flying-V-Gitarre. Die Tragödie besteht jetzt also nicht mehr darin, dass sich ein monströser Sänger in grotesken Fantasien nach Liebe oder mindestens nach Sex verzehrt. Das Tragische ist, dass zur Zeit kein Mangel herrscht an fragwürdiger und zu groß und schwer geratener Rockmusik. Die Lieferung erfolgt termingerecht zu Halloween. Dabei besteht das wahre Grauen darin, nicht gebraucht zu werden. Michael Pilz


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Level 42: Retroglide(W14/Universal) - Es gab immer zwei Arten von Level-42-Fans. Die einen hielten die Briten für eine prima Pop-Band und tanzten in Karottenjeans zu Schlagern wie „Lessons in Love“ oder „Running in the Family“. Für die anderen war Level 42 hingegen die Heimstatt des größten Bassisten der Welt. Sie verehrten das Donnerdaumen-Stück „Love Games“ und bewunderten die Live-Doppel-LP „A Physical Presence“ für all die Kunststücke, die Mark King auf den vier Saiten fertig brachte.


Es war ihnen ein Graus, dass die Band Mitte der achtziger Jahre so würdelos ins Mainstream-Pop-Fach gewechselt war. Im März 1994 erschien mit „Forever Now“ das zehnte Studio-Album von Level 42. Nach einer kleinen Japan-Tournee zurück in England spielte die Band um Mark King ihr letztes gemeinsames Konzert in der Royal Albert Hall. Die Auflösung der Formation bekamen denn auch die wenigsten der alten Freunde mit.


Nun ist Level 42 überraschenderweise wieder da, fast in Ursprungsbesetzung und mit einem veritablen Kracher – zumindest, was das Auftaktstück der neuen CD angeht. Mark Kings Slap-Bass ist da endlich wieder in voller Pracht zu hören. Es gibt auch noch eine weitere Nummer auf „Retroglide“, wo das der Fall ist. Aber ach, der schöne, mit süßlichen Vokalharmonien angereicherte Angeber-Funk ist nur die Ausnahme. Wenn man wohlmeinend ist, könnte man sagen, dass sich „Retroglide“ nicht vom Zeitgeist korrumpieren lässt. Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass die Band bei ihrem Comeback nach eher muffigen Dingen wie Art-Rock oder – schlimmer noch – Chicago klingt. Menschen, die nichts Anstößiges an diesen beiden Sachen finden, werden mög?licherweise ihre Freude an dem Tonträger haben. Alle anderen sollten sich schleunigst die Level-42-Debütplatte von 1981 als CD zulegen. ? Josef Engels


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Chris Rea: The Road To Hell & Back (Polydor/Universal) - Es ist das erste – und wohl auch letzte – Live-Album, das der britische Sänger und Gitarrist Chris Rea aufgenommen hat. „The Road To Hell And Back“ dokumentiert die Höhepunkte der Tournee, mit der sich der gesundheitlich angeschlagene Rea in diesem Jahr von seinen Fans verabschiedet hat. Hier wird dem Blues gehuldigt in all seinen Spielarten bis hin zum Pop. Mit „Jazzy Blue“ eröffnen ein stimmlich angerauter Rea und seine Musiker eine sehr persönliche Hitparade mit einem klassischen Pubrock-Boogie, gefolgt von einer laid-back schwebenden „Josephine“, einem seiner größten Hits.
Alles wird live kräftig ausgespielt, „I Can Hear Your Heartbeat“ und „The Road To Hell“ kommen gleich in mehr als 10-minütigen Live-Fassungen daher. Wem diese 10 Songs zu wenig sind, für den gibt es auch eine Deluxe-Ausgabe als Doppel-CD und die dazu passende Konzert-CD. Peter E. Müller