Im Grunde genommen sind Carrie Bradshaw und ihre Busenfreundinnen aus der TV-Serie „Sex and the City“ an allem Schuld. Daran, dass sich der Mann nicht mehr als Herr im Haus fühlen darf. Dass es zum Essen statt lecker Bratkartoffeln nur noch Mikrowellenfraß gibt. Dass die Mr. Rights überhaupt nicht mehr wissen, ob sie ein Mann oder ein Weichei sein sollen.

Sagt Eva Herman? Nein, solche Sätze stammen von einem DJ mit sehr voluminösen Oberarmen. Mann-o-Mann.

Gestern ging es bei „Hart, aber fair“ um den kleinen Unterschied und seine Folgen. Und falls es sich die Redaktion in den Kopf gesetzt haben sollte, mit Rollenklischees aufzuräumen, dann ging das gründlich schief. Egal, ob es um den Führungsstil einer Alice Schwarzer oder um das Thema Frauenfußball ging: Frank Plasberg ließ keine Gelegenheit aus, um sich als Kandidat für die „Saure Gurke“ zu qualifizieren. Eine Trophäe, die sich öffentlich-rechtliche Fernsehmacher ins Regal stellen dürfen, die sonst einige Euros in die Chauvi-Kasse zahlen müssten.


Schon der Titel und die Gästeliste dieser Sendung ließen erahnen, in welche Richtung der Moderator das Schiff steuern würde: „50 Jahre Gleichberechtigung – wann kommt der Männerbeauftragte?“


Unvermeidliche Talkgäste in solchen Fragen sind gewöhnlich die Bundesfamilienministerin und ihre designierte Nachfolgerin, Teilzeit-Mama Heidi Klum. Die Anklagebank ist in der Regel für CSU-Generalsekretär Markus Söder oder Bischof Mixa reserviert, als Reserve bieten sich auch Politiker an, die immer nur Herdpräme verstehen, wenn das Wort Gleichberechtigung fällt.


Doch entweder hatten die Bundestagsabgeordneten keine Lust, im Plasbergschen Ersatzparlament den Hardliner zu spielen. Oder Frank Plasberg hatte sie gar nicht erst eingeladen.

Jedenfalls saß in der Runde eine gelangweilte Polylux-Moderatorin Tita von Hardenberg, umringt von zwei Männern, denen die Redaktion offenkundig vorher eingetrichtert hatte, sie sollten das Prinzip good guy/bad guy verkörpern. Den Frauenversteher gab ein Mann, der sein Lächeln schon verkauft hatte, bevor er erkannte, dass eine Ehe und der Alltag mit vier Kindern nur zu wuppen ist, wenn sich Mann und Frau die Arbeit fifty-fifty teilen: der ehemalige Kinderstar Tommy Ohrner („Timm Thaler“). Und die Rolle des Fred Feuerstein der Emanzipation spielte der bereits erwähnte DJ.

Der Mann hörte auf den schönen Namen Sascha Gerecht, Rückendeckung bekam er von Jürgen Liminski, einem zehnfachen (!) Vater und Buchautor, der zwar so tat, als wisse er nicht, wo zu Hause der Putzeimer steht, der aber immerhin zu wissen glaubte, wo der Hammer hängt: „Wir leben in einem Zeitalter der Entmannung.“

Und man wurde den Verdacht nicht los, dass die Redaktion in ihrer elektronischen Kartei auch Namen von Kandidaten speichert, die bereit sind, sich mit unpopulären Thesen zum Thema Gleichberechtigung in die Öffentlichkeit zu wagen, wenn Bischof Mixa ausnahmsweise verhindert/beurlaubt/unpässlich ist.


Was insofern ärgerlich war, als dieses Thema zu wichtig ist, um es als Gedöns abzutun. Entsprechende Fakten, die diese These untermauerten, legte die Redaktion selber vor. Die Gleichberechtigung existiert nur auf dem Papier. Immer noch verdienen Frauen hierzulande durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. EU-weit rangiert Deutschland damit auf einem der hinteren Plätze. Nur in Zypern und Estland ist das Gefälle noch größer.

Dabei haben die Frauen längst aufgeholt. In der Schule erreichen sie die besseren Noten, die Universität verlassen sie häufiger mit einem Abschluss als ihre männlichen Kommilitonen. Doch im Wirtschaftsleben spiegelt sich dieser Trend nicht wieder.

Von den 30 größten börsennotierten DAX-Unternehmens wird kein einziges von einer Frau geführt, Die vielgepriesene Multi-Tasking-Fähigkeit der Mutter, im Berufsleben spielt sie so gut wie keine Rolle. Es ist eine Ressource, die brach liegt, darauf wies die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Brunhilde Raiser, hin. Hat doch eine US-Studie gezeigt, dass Firmen mit Frauen im Vorstand bis zu 53 Prozent mehr Eigenkapital erzielen.

Es ist etwas faul im Staate Deutschland. Stehen sich die Frauen etwa selber im Wege, fragte Plasberg arglistig. Und bekam ausgerechnet Rückendeckung von einer dreifachen Mutter, die den Spagat zwischen Familie und Beruf schon deshalb locker hin bekommt, weil sie wohl noch niemals in die Verlegenheit gekommen ist, ihr Kleingeld für einen Babysitter nachzählen zu müssen: Polylux-Moderatorin Tita von Hardenberg.

Als Anwältin für die berufstätige Frau hätte die Redaktion kaum eine ungeeignetere Kandidatin einladen können. Jedenfalls verkörperte die Inhaberin einer eigenen TV-Produktionsfirma genau das Gegenteil von dem, was sie sagte: „Fakt ist, dass es mit der Gleichberechtigung vorbei ist, sobald das erste Kind da ist“, bemerkte sie staatstragend. In nicht-adeligen Kreisen, wohlgemerkt. Die Frauen hätten noch nicht erkannt, dass sich Kinder und Arbeit auch mit „einer gewissen Lässigkeit“ vereinbaren ließen, durfte die Moderatorin verkünden, ohne dass ihr der Gastgeber ins Wort fiel.

Der schaffte seinerseits beinahe genauso lässig den Spagat, sich nach außen hin als Frauenversteher zu verkaufen und dabei ein anti-feministisches Vorurteil nach dem anderen zu schüren. Eine gewisse Nähe zu dem DJ mit den sehr voluminösen Oberarmen und den noch markigeren Sprüchen („,Sex and the City“ ist das Schlimmste für Frauen – die denken, sie können sich die gleichen Rechte herausnehmen wie die Männer“ ) ließ sich jedenfalls nicht leugnen.

Statt sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, woran es denn eigentlich liegt, dass die Old-Boys-Connections so viel besser funktionieren als Frauennetzwerke, ergötzte er sich lieber an einem schwarz-weißen Werbespot für Backmischungen aus dem Hause Dr. Oetker: „Kuchen macht Männer sanft und verträglich. Da kann das Kleid ruhig hundert Mark mehr kosten.“

Er vergaß auch nicht, den Bogen zum Thema Frauenfußball zu schlagen, um Tommi Ohrner eine Steilvorlage für den Satz zu liefern: „Ich guck mir Frauenfußball nicht so gerne an. Das kann man sagen, ohne ein Chauvi zu sein.“ Und ja, er schaffte sogar noch den Schlenker zur Führungskrise in der Chefredaktion des Zentralorgans der Frauenbewegung, der „Emma“.

Dabei gab es, weiß Gott, wichtigere Dinge zu klären als die Frage, warum Alice Schwarzer ihre designierte Nachfolgerin Lisa Ortgies schon nach kurzer Zeit vor die Tür gesetzt hatte. Als sich darüber zu echauffieren, dass es kein besonders feiner Stil der Emma-Chefin war, Ortgies in einer Email an den Spiegel wegen ihrer familiären Verpflichtungen (Kinder, kranker Vater) abzuwatschen. Doch ausgerechnet diese Personalie plusterte Plasberg zum Politikum auf. Wieder einmal musste die Hassfigur Schwarzer als Beweis für die These herhalten, dass mit Frauen kein anderer Geist in die Chefetagen einzieht.

Plasberg hieße natürlich nicht Plasberg, wenn er das selber ausgesprochen hätte. Das überließ er lieber einer Frau, die nach dieser Sendung mit Fug und Recht von sich behaupten darf, dass ihr ein Zipfel der „Sauren Gurke“ zusteht. Wie formulierte es Tita von Hardenberg? „Schwarzers Email zeigt doch, dass es einen männlichen und weiblichen Führungsstil gar nicht gibt.“