Romantischer hätte keine Hollywood-Schnulze sein können: Da schenkt der Mann seiner Angebeteten einen winzigen schwarzen Hundewelpen – als Zeichen seiner Liebe, und damit er sich um etwas sorgen kann, so lange sie weg ist. Hieße der Mann Hugh Grant und die Frau Julia Roberts – ein jeder wäre wohl dahin geschmolzen.

Doch da Maik, der Schenker, seines Zeichens Landwirt ist und wohl das dreifache des smarten Schauspielers auf die Waage bringt, sieht man der Szene mit einer Mischung aus Rührung und Häme zu. Tollpatschig wirkt die Liebeserklärung, und dabei doch so hoffnungslos ehrlich, dass man dem Pfundskerl sein Glück von Herzen gönnt – auch wenn man ihn selbst nicht haben wollte.


Sechs Pärchen sind es am Ende, denen der RTL-Zuschauer bei „Bauer sucht Frau“ immer wieder voyeristisch unter die Bettdecke schaut: Da weckt die Kamera das verkaterte Pärchen Andi und Kathi, die nach einer feuchtfröhlichen Nacht doch etwas zerzaust aussehen, und sich tapfer für die Zuschauer einen Guten-Morgen-Kuss zuhauchen. Sogar ein paar nette Sätze murmeln sich die Beiden noch zu, sicherheitshalber werden die noch mit Untertiteln versehen, damit der Zuschauer auch keine Zeile des romantischen Gesäusels verpasst.

Vier von sechs erobern ihre Frauen

Vier der sechs verbliebenen Bauern schaffen es am Ende, das Herz der Damen zu erobern – eine Quote, die sich sehen lassen kann. Einzig Bauer Andreas aus Friesland will so gar nicht mit seiner Lisa warm werden, da kann auch Mutter Anneliese nur betrübt konstatieren: „Ich kann ihm schließlich keine Frau ins Bett legen.“ Ob das nützen würde? Gegenüber Kandidatin Lisa, die immerhin schon in einem Bett seines Hauses lag, wirkt der Landwirt doch eher unbeholfen: „Hätte ich in Unterhose in deiner Tür stehen sollen und mich zu dir ins Bett legen sollen damit du dich verliebst?“, will er von der jungen Frau wissen, die schüttelt – wohl synchron mit so manchem Zuschauer – verzweifelt den Kopf.

Unterlegt mit den kitschigsten Lovesongs aller Zeiten und kommentiert durch schwülstige Sätze wie: „Amor, der Gott der Liebe, schwebt heute über Baden-Württemberg“ wirkt die Kuppel-Show über weite Strecken wie ein absurdes Theater, das nur einem Zweck dient: Sich hemmungslos über die tollpatschigen Bauern lustig zu machen. Und doch: Am Ende sind die Landwirte keineswegs die Verlierer. Im Gegenteil: Fast alle schaffen sie es, das Herz ihrer Frauen zu erobern – in einem Fall sollen sogar bald die Hochzeitsglocken läuten.

Hommage an die Romantik

So ist die RTL-Erfolgsserie zu guter letzt auch eine Hommage an die Romantik: Da schweißt Milchbauer Markus ein Herz aus Metallgewinden und versteckt es im Heu – das rührt die Beschenkte fast zu Tränen. Auch Landwirt Bruno hat sich für seine Anja mächtig ins Zeug gelegt und die Stube umdekoriert, um es ihr gemütlich zu machen. Auch wenn das Herz fürchterlich hässlich und die Wohnstube noch immer ein Alptraum für Tine Wittler wäre – die Männer haben sich sichtlich bemüht. Und das rührt wohl jede Frau.

Sicherlich: Besonders einfallsreich sind auch die Landwirte bei ihrer Balz nicht. Immer wieder gern gesehen: Das Picknick im Heu, das Schweine-, Rinder- oder Katzenbaby, das zu Tränen rührt, ein Abendessen bei Kerzenschein. Mit oftmals plumpen Annäherungsversuchen schaffen es die Bauern sich ihren Damen zu nähern – auch auf die Gefahr hin, sich dabei völlig lächerlich zu machen.

„Ich gebe der Liebe immer eine Chance“

Es sind Sätze, wie die des leer ausgehenden Friesländer Andreas, die am Ende in Erinnerung bleiben: Da steht der Mann mit der Latzhose verlassen auf dem Bahnhof seiner norddeutschen Kleinstadt und während der Zug seine potentielle Traumfrau immer weiter in die Ferne befördert, blickt Andreas tapfer in die Kamera: „Ich gebe der Liebe immer eine Chance“. Die gibt auch RTL dem Bauern in Zukunft wieder: Während die Landwirte noch in ihrem Liebesglück schwelgen, sucht Inka Bause schon neue einsame Herzen, die sich für ein bisschen Romantik gern unter die Bettdecke schauen lassen.