Kulturaustausch

Wir sind Helden und Die Ärzte singen jetzt chinesisch

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Alexandra Maschewski

Foto: wü/dt/sv/_cu / dpa

Wie sich der Song „Kaputt" von Wir sind Helden auf Chinesisch anhört, können Fans jetzt auf einer neuen CD erleben. Auf „Poptastic Conversation China" sind neben den Ärtzen auch chinesische Bands zu hören, die auf Deutsch singen. Das Projekt soll den kulturellen Austausch fördern.

Die Worte von Judith Holofernes klingen ein bisschen, als würde sie rückwärts singen. Aber Chinesisch gehört normalerweise auch nicht zum Repertoire der Frontfrau der Band Wir sind Helden. Ein Ausnahme gemacht hat sie für das Album „Poptastic Conversation China“, auf dem sich insgesamt 19 Songs von Künstlern aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Hongkong und China finden, die jeweils in der Fremdsprache Deutsch oder Chinesisch singen. Die Ärzte sind ebenfalls mit dabei, genauso wie Katharina Hein von der Berliner Band „Wagner & Pohl“ und die Band „Die Sterne“ aus Hamburg.

Judith Holofernes hat allein zwei Tage gebraucht, um die chinesische Version ihres Hits „Kaputt“ in eine ganz persönliche Lautschrift zu transkribieren. „Da gibt es Laute, die haben wir gar nicht“, sagt sie. „Das war ein bisschen wir Martial Arts – manchmal musste man Sachen singen, die klingen, als würde man jemanden verkloppen. Ich würde gern einmal von unbeteiligten Chinesen hören, ob sie mich verstehen.“ Spaß hatten jedenfalls alle Seiten damit, sich so rhythmisch wie eben möglich verständlich zu machen. Das wurde mehr als deutlich in einem Video, das bei der Präsentation im Goethe-Institut gezeigt wurde, das das Projekt unterstützt hat. „Als ich die erste Version eingesungen habe, habe ich alle aus dem Studio geschickt“, erzählt Liu Donghong, Sänger der chinesischen Band Shazi. „Das, was ich da gesungen hatte, machte gar keinen Sinn.“

Für alle, die nach Anhören des Albums Lust aufs Sprachenlernen bekommen: Zur Musik gehört außerdem ein zweisprachiges Buch, das nicht nur einen Einblick in die Musikszenen der beteiligten Länder gibt, Künstlerporträts und Songtexte enthält, sondern auch noch einen Minisprachkurs. Die Produktionsfirma Fly Fast Concepts, die dahintersteht, veröffentlicht im August auch ihren Film „Beijing Bubbles“ über die Musikszene in Peking als DVD und will durch ihre Aktivitäten zum interkulturellen Austausch beitragen.

Für Judith Holofernes und Kollegen war es sehr wichtig, dass das Projekt auch zum Ziel hat, Subkulturen zu beleuchten. „Wegen unseres Engagements für Tibet war es nicht von Anfang an eindeutig, dass wir mitmachen würden“, sagt die Sängerin. „Aber dann haben wir gedacht, dass es der einzige Weg ist, auf Kräfte zuzugehen, die für Entwicklung stehen.“ Die Ärzte dichteten sogar eine Zeile ihres Liedes „Junge“ um. In dem Lied heißt es: „Und immer deine Freunde – Mit dem Fahrrad nach Tibet!“ Zensur fürchtet die Produktionsfirma laut eigener Auskunft nicht, das Album wird in Deutschland vertrieben. Ein paar „befreundete Läden“ in China seien aber auch angedacht.