Große Worte gehören zum Wesen einer Museumseinweihung, noch dazu, wenn es sich bei der Kunst darin um eine Privatsammlung handelt. Und so spricht dann Stiftungspräsident Hermann Parzinger bei der Eröffnung der erlesenen Sammlung Scharf-Gerstenberg im generalsanierten und umgebauten Stülerbau von einem "großartigen Tag und einer großartigen Sammlung".
Es ist Parzingers erste Museumseröffnung in seiner Amtszeit - und Peter-Klaus Schusters letzte, bevor er im Herbst den Berliner Museumstanker verlässt. Dass diese Privatkollektion mit 261 Werken von 51 Künstlern sich in dieser Weise umfassend präsentiert, ist sein Verdienst, aber auch das der früheren Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die dafür sorgte, dass zehn Millionen Euro für den Ausbau flossen.
Das Charlottenburger Quartier wird im schönen Zusammenspiel mit der Sammlung Berggruen aufgewertet zu einem Quartier der Klassischen Moderne. "Ein Rendezvous unter Sammlern" nennt es Schuster. Zwei Privatsammlungen im Zwillingsbau von August Stüler. Beide Häuser pflegen das intime Format, ideal für die Kabinette. Dieter Scharfs Kollektion beleuchtet die obsessive, dunkle Welt des Surrealen, im Haus Berggruen geht es "erhabener und heiterer" (Schuster) zu. Beider Sammler Herz schlug für Paul Klee, der mit größeren Werkgruppen in beiden Museen vertreten ist. Welch schöne Korrespondenz zwischen den Nachbarn! Nicht zu vergessen: zum Verbund gehört auch das kleine Bröhan-Museum, das auf Jugendstil spezialisiert ist.
Julietta Scharf, Tochter des Stifters Dieter Scharf, träumt von gemeinsamen Projekten mit dem Museum Berggruen, an Ideen mangelt es nicht, wohl aber an Personal und Mitteln, bemerkt sie kritisch. Auch an ein gemeinsames Ticketing-System ist künftig gedacht. Seit die schöne Nofretete vor drei Jahren auf die Museumsinsel zog, wurde es ruhiger rund um das Schloss. Dennoch: 100.000 pro Jahr besuchten das Museum Berggruen. 14 Millionen Besucher zog es - laut Stiftungs-Statistik - in 38 Jahren ins Ägyptische Museum. Wie gut Antike und Moderne harmonieren können, zeigt der Sahuré-Tempel, Relikt des Ägyptischen Museums, der als "Museum im Museum" zum großzügigen Filmsaal hergerichtet wurde. Hier werden im Loop fünf Filme gezeigt, Klassiker von Luis Bunuel ("Der andalusische Hund") und Dalí im Wechsel mit Filmen zeitgenössischer Künstler. Surreales gibt es überall.
Sammlung Scharf-Gerstenberg , Schlossstr. 70. Tel. 266 36 66. Di-So 10-18 Uhr. Führungen: So 15-16 Uhr. Katalog: 39 Euro. Tag der Offenen Tür : heute 10-18 Uhr.





