50 Jahre Philharmonie

Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag

Die Philharmonie ist 50 geworden - und große Musiker gratulieren dem Konzerthaus zum Jubiläum, darunter Kent Nagano, Lang Lang und David Garrett.

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Sir Simon Rattle

„Die Philharmonie ist zeitlos und modern zugleich. Sie ist ein Wunder. Scharoun hat darüber nachgedacht, was die Menschen brauchen. Auf der Bühne hat man das Gefühl, dass man alle Musiker und einen Großteil des Publikums berühren kann. Das ist natürlich nur eine Illusion, aber man hat das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Man spürt eine Verbindung. Die Philharmonie ist sehr stark und sehr persönlich. Ich habe sie immer als weiblich empfunden. Sie ist eine sehr vielseitige Frau, ein Kunstwerk. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir einen der großartigsten Konzertsäle der Welt haben.“

Kent Nagano

Ohne Frage – die Philharmonie in Berlin ist ein einzigartiges Konzerthaus. Schon das Gebäude von außen gesehen ist etwas Besonderes, ist ein Erlebnis. Verglichen mit den Konzerthäusern, die man weltweit so als Konzerthäuser kennt, ist die Berliner Philharmonie ein Zeichen für Musik, in dem sich geradezu radikal die Moderne in Szene gesetzt hat. Sie bildet ein markantes Zeichen, herausfordernd und zum Staunen veranlassend, weil zunächst nichts an Klassik und bürgerliche Kulturkonvention erinnert. Dieses Konzerthaus stand einstmals unweit der berühmt-berüchtigten „Mauer“. Immer wenn ich mich dem Haus nähere, muss ich an seinen Architekten denken und frage mich, was in ihm wohl damals vorgegangen sein mag. Dieses Spiel mit einer Bauform, die so offen und frei schwingt und zugleich kompakt und geschlossen wirkt, deren Farbgebung etwas Irdisches hat und doch einen mächtigen, in sich vieltönigen Klang in die einstige Ödnis einer trostlosen Grenzlandschaft setzte und sich heute mühelos behauptet in der wenig anheimelnden grauen Umgebung.

Aus diesem Konzerthaus klingt es heraus, und erst recht, wenn man sich in sein Inneres hineinziehen lässt. Es atmet und lebt aus seiner hellen Transparenz, die den Besucher umfängt wie ein Allegretto aus Haydns Musik. Allenthalben Offenheit und immer wieder andere Blickfänge, Licht- und Schattenspiele in beglückenden Schwingungen. Wunderbar dieser dunkle Granitboden und das helle freundliche Gewirr aus Treppen und Streben, aus Stützen und dem Wagnis einer Offenheit, in der die Gefühle von Dissonanz und Konsonanz in einer eigenwilligen Harmonie verschmelzen.

Und dann der Große Saal, das Herzstück dieser Philharmonie! Schon, wenn ich mich auf ein Konzert und sein Programm in der Berliner Philharmonie vorbereite, ist dieser Saal in mir präsent. Er klingt und modelliert die musikalischen Vorstellungen mit. Seine akustischen Bedingungen sind einfach hervorragend, die Verschränkung von klanglichen Trennungen und klanglicher Konsistenz und Substanz ist, wie selten, optimal. Ich habe jedesmal bei den ersten Orchesterklängen das Gefühl, dass der Klang auf der Bühne den ganzen Saal wie unter Strom setzt. Die Farben der Instrumente, ihre Mischungen können leuchten und glänzen, und jedes Solo gewinnt unschwer seine Prägnanz. Leiseste Ansätze sind nicht nur zu vernehmen, sondern bringen den Saal in Schwingung. Er verweigert überhaupt nicht die Kammermusik, obwohl er groß ist und mit seinen weit mehr als zweitausend Plätzen durchaus an eine Arena erinnert, doch vielfältig gebrochen. Ja, er verbindet auf eine großartige Weise den Eindruck von Größe und Weite mit Intimität und Nähe. Wie geboren aus dem Geist von Musik in ihrer unendlichen Vielfalt - das in eine Raumform gebracht zu haben, die der Musik dient, verdient einen Dank, der nie groß genug sein kann.

Jonathan Bielski

„Die Philharmonie gehört zu den wichtigsten Konzertsälen der Welt. Es ist nicht nur die musikalische und spirituelle Heimat der Berliner Philharmoniker, es ist für sich genommen ein Meisterwerk. In der Heimstatt eines Orchesters entwickelt sich sein unverwechselbarer Klang. Die Philharmonie passt perfekt zu diesen unvergleichlichen Musikern. während das Sydney Opera House sein 40. Jubiläum begeht, feiert ein Wahrzeichen der Berliner Kulturszene seinen 50. Geburtstag.“

Lang Lang

„Immer wenn ich nach Berlin komme, stelle ich fest: Die Philharmonie ist atemberaubend! Ihre Architektur ist innovativ und hat ihre Einzigartigkeit schon für ein halbes Jahrhundert bewahrt. Dieses Haus ist die Heimat der besten Musiker. Und ‚Heimat‘ kann hier als Schlüsselbegriff verstanden werden: Trotz seiner enormen Kapazitäten hat dieses Gebäude eine sehr spezielle, fast intime Atmosphäre, die man nirgendwo sonst finden kann – man fühlt sich ‚zu Hause‘, und das liegt nicht nur am Genie Hans Scharouns, sondern auch an den wunderbaren Menschen, die hier arbeiten. Die jeden Tag ihr Bestes geben, um den Besuch zu einem Höhepunkt für die Liebe zur Musik zu machen. Jeder Musiker träumt davon, in diesem Tempel arbeiten zu dürfen, und ich bin glücklich, zu ihnen zu gehören. Es ist eine große Inspiration und ein großes Privileg, an einem Ort auftreten zu dürfen, in dem so viele meiner Idole vor mir aufgetreten sind. Ich freue mich auf weitere Auftritte in diesem Saal und vor dem wunderbaren Berliner Publikum, das dieses Juwel wirklich verdient hat.“

David Garrett

„50 Jahre Philharmonie – das sind 50 Jahre grandiose Konzerte in Berlin. Herzlichen Glückwunsch! In der Berliner Philharmonie durfte ich schon viele herrliche Konzerte geben, von Brahms über Tschaikowsky bis hin zu Beethoven. Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Konzert in der Philharmonie 2008 und kehre seitdem immer wieder gerne zurück. Die Philharmonie ist ein beeindruckender Konzertsaal, und seine perfekte Akustik als auch die Atmosphäre dort sind etwas ganz Besonderes für mich. Das Berliner Publikum ist anspruchsvoll und Klassik auf höchstem Niveau gewohnt, deshalb ist der Applaus am Ende des Konzerts immer eine tolle Anerkennung. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue dort zu spielen – das nächste Mal im April 2014 mit den ‚Vier Jahreszeiten‘ von Vivaldi und Werken von Paganini.“

Dominique Meyer

„Die Berliner Philharmonie gehört für mich zweifellos zu den wichtigsten Musikzentren der Welt. Zum einen ist es die Heimat eines der international bedeutendsten Orchester, der Berliner Philharmoniker. Zum anderen ist die Philharmonie aber auch als Konzertgebäude einzigartig. Neben der hervorragenden Akustik hat mich immer schon die demokratische Disposition des Raumes fasziniert: s gibt keine schlechten Sitzplätze. Die Verbundenheit zwischen Publikum und auftretenden Künstlern ist durch die kreisförmige Anlage vorprogrammiert und für beide Seiten gleichermaßen spürbar. Heute, 50 Jahre nach der Fertigstellung, sieht man, dass Hans Scharoun nicht ein modisches Konzertbaus geplant hat, sondern eine zeitlose Institution geschaffen hat, nicht nur für die Musikwelt.“

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