Die Missklänge hören nicht auf. Gerade hat der israelische Handelsminister in einem Interview betont, wie wenig passend er die ungewöhnlich scharfen Worte der Bundeskanzlerin gegenüber seinem Land finde, denn Deutschland sei ein wichtiger Freund Israels. Ben Elieser weiß um die Isolierung seines Landes und bekennt sich daher explizit zum Wunsch, endlich wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um mit den Palästinensern eine neuerliche Friedensperspektive zu entwickeln. Doch so reden und denken nicht alle.

Zurück zur Enklave Gaza. Die Israelis lassen generell keine ausländischen Politiker nach Gaza, um nicht Hamas, die terroristische Organisation, die dort die Macht hat, aufzuwerten. Diese nutze solche Aktionen zu propagandistischen Zwecken und zur internationalen Aufwertung. Damit werde die Position der moderaten Palästinenser geschwächt. Hamas, deren Charta zur Vernichtung Israels aufruft, steht auf der Terrorliste der Europäischen Union. Wie man mit einem geschworenen Feind reden und Koexistenz, gar ein Friedensabkommen erzielen soll, darüber machen sich die Besserwisser und Gutmenschen dieser Welt keine Gedanken. Für sie ist Israel immer der Täter und alle anderen sind Opfer.

Israel setzt trotz internationaler Kritik weiterhin auf die Blockade von Gaza, die allerdings lebenswichtige Güter durchlässt. Man will vor allem die Einfuhr von Waffen und Baumaterialien, die doppelt genutzt werden können, verhindern. Die internationale Politik favorisiert eine völlige Aufhebung der Blockade. Das wird vielleicht irgendwann möglich sein, dann nämlich, wenn die Israelis sich weniger bedroht fühlen. Aber anhaltende Raketenangriffe auf ihr Land und alle Bedrohungsszenarien von Gaza über Syrien bis Iran werden von der Außenwelt einfach ignoriert. Gewiss, Israel begeht Fehler, so die tragische und überreizte Flotillen-Aktion. Die Führung wird nervös und "dümmer", wie Henryk M. Broder jüngst schrieb. Aber die Fixierung auf Israel als internationalen Sündenbock und Blitzableiter, geht es um die Frage der Menschenrechte, wirke überzogen und von Ressentiments getragen. Das Land drohe, zum "Juden unter den Staaten" zu werden.

Bei Dirk Niebels Aktion stellen sich Fragen. Ist dem Minister nicht bewusst, in welch prekärer Zeit er Einlass nach Gaza begehrte? Fehlt es dem Minister an Urteilsvermögen, wenn er öffentlich betont, es sei "für Israel fünf vor zwölf"? Oder will er Deutschland emotional gegen Israel aufbringen?