In diesen Tagen ist es pitschepatschenass in Berlin. Kein Wunder, dass alle über das Wetter reden. Ich muss das hier jetzt auch mal machen, obwohl das natürlich verpönt ist. Zum Wetter sagt man nur etwas in ganz komischen Gesprächssituationen, die durch gegenseitiges Anschweigen noch komischer werden würden. Da nippt man dann an seinem Kaffee (in der Teeküche im Büro) oder an seiner Weißweinschorle (beim Stehempfang des örtlichen Müllentsorgers), zeigt aus dem Fenster und sagt Dinge wie: „Tja, Herr Blümel, wir sind hier drin und draußen scheint die Sonne. Gemein, was?“ oder „Ah, wieder Regen! Wurde mal wieder Zeit, haben wir ja schließlich zwei Tage nicht gehabt. Hahaha.“ Ja. Wetterdialoge sind einfach schrecklich.
Wenn man bei Berlin drei Buchstaben ändert und noch einen weglässt heißt es "Regen"
Aber im Moment führt kein Weg an der Auseinandersetzung mit dem Berliner Witterungsgemenge vorbei. Wir befinden uns mitten in einem Regenmarathon. Eine Mückenplage bricht über die Stadt herein, weil der Sommer so nass war wie noch nie. Ausnahmezustand. Vollgelaufene Keller. Alarm. Die Feuerwehr kommt gar nicht mehr zur Ruhe. Ich weiß nicht, ob es schon jemandem aufgefallen ist, aber wenn man beim Wort „Berlin“ drei Buchstaben ändert und noch einen weglässt heißt es „Regen“. Das, liebe Freunde, kann ja wohl kein Zufall sein.
Aber eigentlich ist das alles doch gar nicht so schlimm, wie die vielen Meckerer jetzt glauben machen wollen. Es gibt nur ein paar Kleinigkeiten, die man beachten muss – und dann kommt man mit der Nässe in Berlin ganz gut klar. Was man im Moment zum Beispiel auf jeden Fall unterlassen sollte: Mit dem Auto zur Arbeit fahren. Kaum kübelt es mal wieder literweise auf die Straßen herunter, kommt der ohnehin schon kriechende Verkehr vollends zum Erliegen. Es geht nur noch so langsam durch die Fluten voran, dass man auf der Mittelkonsole für die Mikado-WM trainieren könnte. Busfahren kann man ebenso knicken – und für Mikado ist im Bus viel zu viel Radau. U-Bahnfahren klappt auch nicht mehr – vor allem, wenn das Regenwasser plötzlich einen auf Niagarafälle macht und die Treppen zu den Gleisen herunterrauscht. Bleibt also nur noch die S-Bahn. Vom Regen bleibt man darin glücklicherweise verschont. Schwimmt aber dafür im Schweiß der anderen Menschen, die ja auch irgendwie vorankommen wollen.
Zum Gemüse trockener Wein und trockener Humor
Weitere Profitipps aus dem Berliner Regenalltag: Festes Schuhwerk aus, Flip-Flops an. Die nächste große Pfütze kommt bestimmt, und wer es noch nicht probiert hat, wird schnell feststellen: Juliregen ist nicht zu kalt, um barfuß durchzuhüpfen. Dann: Den Garten Garten und den Balkonkasten Balkonkasten sein lassen. Seit Ende Juni ist sowieso die ganze Erde aufgeweicht. Die Totalerneuerung lohnt sich erst, wenn wirklich alles Wasser vergossen ist. Und, um nicht noch mehr Regen zu provozieren: Nicht Fenster putzen. Nicht den Regenschirm vergessen. Nicht das Auto waschen. Wie jeder weiß, sind diese Dinge eine Garantie dafür, dass es schon sehr bald wieder schütten wird.
Und um Gottes willen essen wir jetzt alle brav unser Gemüse auf. Schon unsere Großmütter haben uns gelehrt, dass es nur schönes Wetter gibt, wenn auf dem Teller nichts mehr übrig ist. Wer weiß, vielleicht haben wir in der ersten Jahreshälfte einfach zu viel liegen lassen? Zum Gemüse passen übrigens hervorragend trockener Wein und trockener Humor – beides hilft auch gegen die Panik, die ob des Wetters mitunter herrscht. Denken wir lieber positiv. Der August kommt ja erst noch, und auch der September kann heiß und sonnig werden, wie man noch aus dem vergangenen Jahr weiß. 2016 hatte Berlin den heißesten Sommer im Vergleich zu allen anderen Bundesländern, es gab mehr Sonnenstunden und eine höhere Durchschnittstemperatur als sonst. Vielleicht ist das also alles auch nur ausgleichende Gerechtigkeit. Wenn das mal nicht Gesprächsstoff für den nächsten komischen Wetter-Smalltalk ist!


