Waren Sie mal ein Eierloch? Ich auch. Meistens war ich zwar die, die weggelaufen ist – und am Ende doch getickt wurde. Am Wochenende wurde ich wieder in diese Zeit zurück versetzt, dank zwei Grundschülern in einem Vorgarten in Pankow. „Fang mich doch, du Eierloch!“, hat der eine gerufen, dann sind sie beide losgestürmt.

Was das eigentlich ist, ein Eierloch, weiß ich bis heute nicht, die Meinungen gehen da auch auseinander – ich habe mich aber wie ein kleines Kind gefreut, dass es auch in Zeiten von Smartphone und Playstation-XYWii-Box immer noch unter uns ist. Und es reimt sich noch genauso gut wie vor 25 Jahren.

Wörter aus der Zeit, als es noch Wählscheiben gab

Wir kennen sie doch alle, die Wörter, die drohen, mit der Zeit zu verschwinden. Was sie aber nicht tun werden, weil wir uns viel zu sehr freuen, wenn wir sie hören. Bei mir sind das zum Beispiel verhohnepiepeln, Dämlack, schnieke, schwofen, Fisimatenten, Heiermann, Kladderadatsch, Anodenwumme, Posemuckel und Schelm. Futschikato ist auch super, jüngst vom Berliner Autor Gerhard Henschel in seinem „Bildungsroman“ wieder zum Leben erweckt, der zu einer Zeit spielt, als es noch Wählscheiben gab.

Apropos Wählscheiben, wenn man nach Archaismen, also fast vergessenen Wörtern, googelt (dass wir uns in einem Vierteljahrhundert noch über dieses Wort freuen werden, bezweifle ich übrigens), tauchen selbst Begriffe wie Telefonzelle, Rauke, Walkman und Bandsalat auf. Wer immer diese Listen zusammengestellt hat, war ganz sicher länger nicht mehr in Berlin-Mitte.

In dieser Stadt wird nichts vergessen

In dieser Stadt wird generell nicht vergessen. Hier wird der jungen Frau auf einem Ausflugsdampfer auf dem Wannsee ob des leichten Schaukelns „blümerant“, und die Anfang Zwanzigjährigen gehen statt eines Cheeseburgers ein Frikadellenbrötchen essen. Klingt, als sei noch nicht alles verloren. Zumindest was die deutsche Sprache angeht.

In Sachen Eierloch hat uns das allerdings immer noch nicht weitergebracht. Aber zumindest ist mir noch ein passender Kinderreim eingefallen:

Ein Huhn, das fraß / man glaubt es kaum / die Blätter von ’nem Gummibaum / dann ging es in den Hühnerstall / und legte einen Gummiball.