Thadeusz

Friedrich Merz und die verflixte Kanzlerfrage

Vielleicht setzen sich ja die Konservativen bei der CDU durch, hofft Jörg Thadeusz.

Foto: Maurizio Gambarini

Mein erster Konservativer trug ein Haarteil und einen Pullunder. Ich hatte ihm Bier zu bringen. Damals, Mitte der 80er-Jahre, nahm er sonntags den Frühschoppen in der Kneipe meiner Eltern ein. Er benahm sich so herablassend, als hätte er einen unsympathischen Fußballklub international bedeutsam gemacht. Dabei montierte er beruflich Badezimmer.

Mein Irrtum war, diesen Mann für konservativ zu halten. Richtige Konservative sind was Feines und selten. Konservative misstrauen dem Umsturz und vor allem den Umstürzlern. Ehre, Anstand, Respekt, Form-Konservativen fällt zu diesen Begriffen mehr ein, als stehen gebliebenen Hippies, die sich Prinzipien nur als Zwänge vorstellen können. Der Pöbel-Pullunder war kein Konservativer. Sondern westdeutsche CDU.

Sollten Sie einen nicht ganz so aufgeräumten Vorratskeller haben, suchen sie dort nach einem seit Jahren abgelaufenen Deo. So riecht diese CDU. Nach Achselschweißwasserfällen in sauerländischen Bierschwemmen. Nach den Dünsten von Kameradschaften in Hinterhessen. Mehr Provinz geht nicht. In der Werbung würde zu diesem Aroma gehaucht: „A fragrance by Friederich Merz“.

Es gibt einen einzigen Fall, in dem die Sexualität von Menschen in einem Zusammenhang mit missbrauchten Kindern besprochen werden muss: Bei katholischen Geistlichen. Die sind sexuell derart ungeübt, dass ihnen in zigtausend Fällen etwas durcheinander geraten ist. Auf die ohnehin schon dumme Frage, ob es einen schwulen Bundeskanzler geben könnte, gibt es eine richtige Antwort: Es wäre schön, wenn dem Menschen in diesem krass fordernden Amt auch Zeit für die Liebe bliebe.

Vielleicht setzen sich die Konservativen durch, und die CDU wird doch noch eine Partei von Menschen, die Liebe respektieren. Zum Trost sollte Friedrich Merz ein Haarteil und einen Pullunder bekommen. Um dann aus sich heraus weiter Gerüche der Vergangenheit zu erzeugen.